Jóhann Jóhannsson | News | Weltersteinspielung von "12 Conversations with Thilo Heinzmann" – ein zwölfsätziges Streichquartett von Jóhann Jóhannsson

Weltersteinspielung von “12 Conversations with Thilo Heinzmann” – ein zwölfsätziges Streichquartett von Jóhann Jóhannsson

Jóhann Jóhannsson und Thilo Heinzmann
© Richard Thomas Foundation
12.06.2019
Am 19. September 2019 wäre der im letzten Jahr überraschend verstorbene isländische Komponist Jóhann Jóhannsson 50 Jahre alt geworden. Um den visionären Musiker und sein Werk zu ehren, veröffentlicht Deutsche Grammophon ein neues, mit dem belgischen Ensemble Echo Collective eingespieltes, Album “12 Conversations with Thilo Heinzmann”. Einen ersten Eindruck vermittelt das melancholisch in sich ruhende, berührende Stück “Shell”, das auf iTunes zum Download sowie auf Spotify und Apple Music im Stream zur Verfügung steht.
"12 Conversations with Thilo Heinzmann" bewegt sich im Spannungsfeld von bildender Kunst und Musik. Die Kompositionen entstanden im Zuge erörternder Gespräche zwischen Jóhannsson und dem Berliner Maler Thilo Heinzmann, initiiert vom britischen Philanthropen und Kunstsammler Richard Thomas. In einem vier Jahre dauernden Dialog, ging es um die Frage, ob der kreative Schaffensprozess eines Komponisten der gleiche sei wie der eines bildenden Künstlers. In ihrer Gesamtheit wurden sie “eine emotionale Aufzeichnung der Freundschaft, die zwischen uns dreien entstanden ist”, sagte Richard Thomas, der für seine Stiftung das Opus in Auftrag gegeben hatte. Jóhannsson komponierte es mit einem Bild von Heinzmann in seinem Studio. Einen Ausschnitt davon zeigt das auch Cover von “12 Conversations…”.

Auf der Suche nach der Essenz des Klangs

Jóhann Jóhannsson gehörte bis zu seinem tragischen Tod zu den gefragtesten und innovativsten Filmkomponisten einer neuen Generation in Hollywood (Sicario, Arrival, Theory of Everything u.v.a.). Sein musikalischer Stil war geprägt von klassischem Minimalismus sowie der Verschmelzung von elektronischen Klängen mit klassischen Elementen. Auf Anraten von Richard Thomas verzichtete er jedoch für “12 Conversations with Thilo Heinzmann” auf jegliche elektronische Bearbeitung des Materials und schrieb die zwölf Stücke für ein reines Streichquartett.

Enge Zusammenarbeit mit dem Echo Collective

Erstmals aufgeführt wurden die “12 Conversations with Thilo Heinzmann” am 16. April 2016 in London. Im Anschluss an die Premiere entschied sich Jóhannsson, noch einmal Hand an das Stück zu legen und lud die Mitglieder des Brüsseler Ensembles Echo Collective, namentlich die Violinistinnen Margaret Hermant und Sophie Bayet, den Bratschisten Neil Leiter und den Cellisten Thomas Engelen, die auf dem neuen Album zu hören sind dazu ein, ihn bei der finalen Überarbeitung der Partitur zu unterstützen. Als Pioniere im Grenzgebiet zwischen Klassik und anderen Genres und bei der Zusammenarbeit mit Musikern wie Joep Beving oder “A Winged Victory for the Sullen” hat sich das Echo Collective bereits einen Namen gemacht. Jóhann Jóhannsson schätze das Ensemble sehr, weil sie, wie er sagte, begriffen hätten, dass scheinbar einfache Musik nicht leicht zu spielen sei und dass es mehr als sonst auf konzentrierte Artikulation ankommt, auf die exakte Dosierung der Expression.
Die Zartheit und schlichte, intime Schönheit seines klassisch-puristischen Streichquartetts spiegelt die Essenz des bedeutenden musikalischen Schaffens von Jóhann Jóhannsson wider. In diesem Herbst wird das Echo Collective die “12 Conversations with Thilo Heinzmann” auch auf die Bühne bringen. Premiere ist am 18. September 2019 in der Yellow Lounge beim Hamburger Reeperbahn-Festival sowie pünktlich zur Veröffentlichung des Albums am 20. September im Funkhaus Berlin.

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