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Jóhann Jóhannssons packende Symbiose von Klang und Bild

Jóhann Jóhannsson
© Sturla Brandth Grøvlen
13.02.2020
Der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson war ein Meister darin, Geschichten und Bilder in eindringliche Musik zu übersetzen. So hat sich Jóhannsson nicht nur als Tondichter packender Konzeptalben von elegischer Tiefe einen Namen gemacht, sondern auch etliche Filme durch seine ganz eigene und stilistisch ausgesprochen komplexe Tonsprache geprägt. Mit “Last and First Men” erscheint bei Deutsche Grammophon posthum nun ein ganz besonderes multimediales Werk des Komponisten, bei dem sich Jóhannsson nicht nur für die Musik, sondern auch für die visuelle Bildsprache und die Regie verantwortlich zeigte. Der entstandene Film wird bei der diesjährigen Berlinale Ende Februar seine Premiere feiern – bereits ab dem 14. Februar steht mit dem Stück “Childhood / Land of the Young” ein erste Track zum Download und im Stream bereit.

Über Verlust und Erinnerung – das Opus magnum des Jóhann Jóhannssson

Der Film “Last and First Men” basiert auf dem Science-Fiction-Roman von Olaf Stapledon aus den 30iger Jahren, einer Geschichte der Menschheit und unseres Sonnensystems über zwei Milliarden Jahre hinweg. Jóhann Jóhannsson wurde außerdem inspiriert von Jan Kempenaers Bildband “Spomenik”, der hoch glänzende Farbdrucke riesiger, brutalistischer Kriegsdenkmäler zeigt, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren auf Auftrag von Marschall Tito in der ehemaligen Republik Jugoslawien errichtet wurden. Mit diesen beeindruckenden Bauwerken, die in ihrer Gestaltung surreal und fremd anmuten, sollte eine Art künstlicher Staat geschaffen werden, der die slawischen Nationen mit all ihren Religionen vereint. Jóhannsson haben diese Utopie und die symbolische Komplexität der Denkmäler sehr fasziniert und schließlich verbrachte er einen ganzen Monat auf dem Balkan, um sie filmisch einzufangen. “Wir wollten diese Skulpturen auf formalistische Weise filmen, um ihre seltsame asymmetrische Schönheit zu betonen”, so Jóhannsson. “Wir wachten jeden Morgen um vier Uhr auf, um für den Sonnenaufgang bereit zu sein, und blieben den ganzen Tag draußen, um zu filmen, bis es kein Licht mehr gab. Das war eine der glücklichsten Erfahrungen in meinem Leben und eine der zermürbendsten.”
Bis zu seinem Tod arbeitete Jóhannsson an diesem besonderen Werk; danach stellten es vertraute Künstlerkollegen, darunter der Komponist Yair Elazar Glotman und Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, fertig. Das Ergebnis zeugt nun einmal mehr von der einzigartigen Ausdruckskraft Jóhann Jóhannssons.

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