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“Der schwarze Panther” – Erinnerungen an den Bassbariton George London

George London
© DG / Decca
28.05.2020
George London – auch wenn dieser Name oft zuallererst mit der Rolle des Wotan oder mit der des Boris Godunow in Verbindung gebracht wird, so war das Rollenportfolio des 1920 in Montreal geborenen Bassbaritons doch um so vieles größer.
Sein Debüt gab er im September 1949 in Wien, als er den Amonasro in VerdisAida” sang – er war gerade mal 29 Jahre alt und die Wiener Operngemeinde war aus dem Häuschen. Bis dato hatte man diesen Namen kaum wahrgenommen. George London war zuvor gemeinsam mit Mario Lanza in Operetten aufgetreten. Aber spätestens, seit man ihn im gleichen Jahr und wieder in Wien als Boris Godunow erlebte, war der Name “George London” in aller Munde. Fast schon folgerichtig führte Londons Weg vom Theater an der Wien über mannigfaltige Stationen bis an die Metropolitan Opera in New York. Lord Harewood, der künstlerische Leiter des Edinburgh Festivals, erinnert sich an Londons “schwarzen, geradezu satanischen Bassbariton mit hervorragender Musikalität”. Als Don Giovanni hatte er einen “dämonischen, souveränen George London erlebt, dessen furchteinflößende Präsenz und schwarzchangierende Stimme etwas von einem Panther an sich hatte”.
Decca hält zahlreiche Aufnahmen dieses einzigartigen Sängers bereit. Darunter findet sich die Aufnahme von “Das Rheingold” unter Georg Solti, bei dem George London den Wotan sang. Bei der 1958 in Wien entstandenen und die von der Kritik hoch gelobten Produktion hatte der langjährige Aufnahmeleiter der Decca John Culshaw die Leitung inne. Der Decca-"Ring" war damals die erste vollständige Produktion der gewaltigen Tetralogie, mit der Richard Wagner seinerzeit alle Grenzen des Musiktheaters gesprengt hatte.
Im gleichen Jahr erschien auch Richard Strauss' “Arabella” unter Georg Solti auf Schallplatte. In dieser herrlichen Aufnahme, sang George London, u.a. gemeinsam mit Lisa della Casa (Arabella) und Hilde Güden (Zdenka), den Mandryka. Darüber hinaus kann Londons Stimmkunst in einer Aufnahme von Wagners Oper “Der fliegende Holländer” von 1962 mit Antal Doráti am Dirigentenpult bewundert werden, bei der er die Titelpartie übernahm.
Das Album “George London on Broadway” mit dem Roland Shaw Orchestra schließlich präsentiert mit Ausschnitten aus den Rogers & Hammerstein-Musicals “Oklahoma!” oder “Carousel” oder Frederic Loewes “My Fair Lady” ein ganz anderes Repertoire des Sängers.
George London, den der amerikanische Musikkritiker Virgil Thompson nach dessen MET-Debüt 1951 den “größten Sänger-Schauspieler unserer Zeit” nannte, starb bereits 1985 nach einem dritten Herzinfarkt – er wäre am 30. Mai 100 Jahre alt geworden.

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