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“Bajuwarisches Naturell” – Die Jubiläumsedition zum 125. Geburtstag von Carl Orff

Carl Orff - Edition - Packshot
© DG
24.06.2020
Carl Orffs bekanntestes Werk sind zweifelsohne die berühmten “Carmina Burana”. 1847 hatte der Münchner Hofbibliothekar Johann Andreas Schneller eine Gedichtsammlung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts veröffentlicht, deren Manuskript 1803 in einem Kloster in Benediktbeuren entdeckt wurde. Auf Schneller geht auch der Name der Sammlung zurück: “Carmina Burana"Lieder aus Beuren" – mehr als 200 Lieder und Gedichte in spätlateinischer und mittelhochdeutscher Sprache, “die deftig und sinnlich die irdischen Freuden des Fressen und Saufens, des Spielens und der Liebe besingen” Orff selbst bekannte einmal, warum diese Texte seinem “bajuwarischen Naturell” so entsprachen: es waren “der mitreißende Rhythmus, die Bildhaftigkeit dieser Dichtungen und nicht zuletzt die vokalreiche Musikalität und einzigartige Knappheit der lateinischen Sprache” die ihn bewogen, sofort mit der Vertonung zu beginnen.

Der Musikpädagoge Carl Orff

Carl Orff, geboren 1895, komponierte in den ersten 40 Jahren seines Lebens wenig. Er hatte zwar seine musikalische Karriere zwanzigjährig als Kapellmeister an den Münchner Kammerspielen begonnen. Nach seinem Militärdienst zum Ende des Ersten Weltkrieges jedoch gründete er zusammen mit Dorothee Günther die Münchner Güntherschule und begann, an einem gigantischen Schulwerk zu arbeiten. Dessen erster Band wurde 1930 veröffentlicht – als er 1982 starb, war es noch immer nicht abgeschlossen.
Indes konzentriert sich die Jubiläumsedition zum 125. Geburtstag Carl Orffs auf dessen umfangreiches musikalisches Werk. Sie präsentiert die “Carmina Burana” als Teil der Trilogie "Trionfi", dreier “szenischer Kantaten”, natürlich in deren Gänze. Eugen Jochum dirigierte am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin auch die “Catulli Carmina” zu denen Orff durch die Gedichte des jung verstorbenen römischen Dichters Gaius Valerius Catallus inspiriert wurde, sowie die 1953 entstandene “Trionfo di Afrodite”. Ihm standen für diese Aufnahmen großartigen Solisten wie Gundula Janowitz, Arleen Auger und Dietrich Fischer-Dieskau zur Seite.

"Großes Theater-Besteck"

Anders als viele seiner Zeitgenossen arbeitete Orff mit musikalischem Material, das seinerzeit aus der Mode gekommen schien: diatonische Melodik, deutliche Dur-Moll –Harmonik, breite Klangflächen, trotz vieler ungerader Rhythmen klare Strukturen – im Vergleich etwa zu Schönberg, Webern oder Berg erschien seine Musik geradezu konservativ. Sie war nichtsdestotrotz sehr wirkungsvoll.
Einen wichtigen Teil seiner Arbeit nahmen die Schauspielmusiken zu den griechischen Dramen “Antigone” und “Ödipus der Tyrann” in der Bearbeitung durch Hölderlin ein.
Und mit der 1960 entstanden Aufnahme der “Bernauerin” fand ein weiterer “echter Orff” Eingang in die Jubiläums-Box. Der Komponist selbst hatte sie ein “bajuwarisches Volksstück” genannt, zu dem er nicht nur die Musik sondern auch das Libretto schrieb.  Für sein “Welttheater” über das kurze Leben der Agnes Bernauer benutzte Orff das “große Theater-Besteck”: Sprecher, Solisten und Chöre mit stimmlich extrem anspruchsvollen Parts, umfangreiches Orchester, bombastisches Schlagwerk — Ferdinand Leitner dirigierte diese Mono-Aufnahme von 1958 mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Zehn Jahre hatte Carl Orff an seinem letzten Werk, der Oratorienoper "De temporum fine comoedia" gearbeitet – es war Herbert von Karajan, der das Werk schließlich zu den Salzburger Festspielen 1973 zum ersten Mal aufführte, unter den Solisten Christa Ludwig und Peter Schreier. Auch dieses Dokument ist Teil der Jubiläums-Box, die nicht nur für Kenner des Werks von Carl Orff ein Glücksfall ist.

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