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Aufführungen für die Ewigkeit — Legendäre Musikereignisse bei den Salzburger Festspielen

Anna Netrebko
© Salzburger Festspiele/Klaus Lefebvre
30.07.2020
Vor 100 Jahren wurden die Salzburger Festspiele gegründet – heute sind sie das größte und bedeutendste internationale Festival für Oper, Schauspiel und Konzert und präsentieren Jahr um Jahr einzigartige Aufführungen mit den großen Interpreten und Künstlern unserer Zeit. Bei Deutsche Grammophon erscheint zum 100. Geburtstag der Festspiele eine umfassende Jubiläumsbox, die die bewegte Geschichte des Festivals spannend aufbereitet und auf 58 CDs legendäre Aufführungen und kostbare Raritäten vereint. Die Box erscheint am 31. Juli, bereits jetzt kann sie vorbestellt werden.
Die Salzburger Festspiele sind ein lebendiger Mythos und ihre künstlerische wie gesellschaftliche Anziehungskraft hält bis heute an. Dabei setzt sich die einzigartige Aura der Festspiele aus unzähligen Momentaufnahmen zusammen, aus legendären Konzerten, bahnbrechenden Inszenierungen und Kultauftritten herausragender Künstlerpersönlichkeiten, die über die Jahrzehnte hinweg zum Glanz des Festivals beigetragen haben. Darunter sind ganz besondere Aufführungen, die Geschichte geschrieben haben und ohne die die Festspiele nicht zu denken wären. Einige davon sollen an dieser Stelle in Erinnerung gerufen werden – als historische Stunden, legendäre Interpretationen und Kunstmomente für die Ewigkeit.

Erste Klänge nach dem Krieg – die Wiedereröffnung der Festspiele im August 1945

Was erst undenkbar schien, wurde am 12. August 1945 tatsächlich Realität: Nur drei Monate nach Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Salzburger Festspiele eröffnet. Nach Jahren der Verwüstung und Nazigewalt erklang wieder Musik im Stadtsaal des Salzburger Festspielhauses. Nachdem Landeshauptmann Dr. Adolf Schemel und Festspielpräsident Baron Heinrich Puthon die Begrüßungsansprachen gehalten hatten, wurden unter anderem eine Serenade von Mozart und der Csardas aus “Die Fledermaus” von Johann Strauss gespielt, gefolgt vom Strauss-Walzer “An der schönen blauen Donau” op. 314, aufgeführt vom Mozarteum Orchester unter Leitung von Felix Prohaska. Trotz der erheblichen Einschränkungen im Vorfeld, wurden in den folgenden Wochen verschiedene große Werke bei den Festspielen aufgeführt, darunter MozartsEntführung aus dem Serail”, Hugo von Hofmannsthals Schauspiel “Der Tor und der Tod” sowie etliche Orchester-, Chor- und Solistenkonzerte. Als besondere und erste gemeinsame Aktion der vier Besatzungsmächte wurde die Aufführung der “Entführung aus dem Serail” zudem österreichweit ausgestrahlt und den Salzburger Festspielen so bereits kurz nach dem Krieg wieder ein breites Publikum zuteil.

Opus magnum – Herbert von Karajan und seine Ring-Inszenierung 1967

Wohl kaum eine Künstlerpersönlichkeit ist derart eng mit den Salzburger Festspielen verknüpft wie Herbert von Karajan. Im Jahr 1967 setzte der gebürtige Salzburger mit seiner lange herbeigesehnten Inszenierung von Wagners Ring einen legendären Glanzpunkt in der Geschichte der Festspiele, bei dem er Musik, Gesang, Bühne und Schauspiel faszinierend miteinander verschmelzen ließ. Wesentlich für die kosmische Aura des Weltentheaters war dabei das Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen, mit dem Karajan schon viele Jahre eng zusammengearbeitet hatte, und der für den Ring-Zyklus einen ausgesprochen abstrakten Theaterraum entwarf, in dessen Mitte er einen mächtigen Eschenbaum pflanzte. Ein eindrückliches und zeitloses Bild, das in der Kombination mit Karajans intensivem Dirigat und einem “Klang oft schmerzhafter Schönheit”, wie der Dirigent sagte, in die Festspiel-Geschichte einging.

Charismatischer Charakterkopf und prägendes Genie – Leonard Bernstein als Gast der Festspiele

Wenn es einen inspirierenden Gegenpol zu Herbert von Karajan gab, so war es der amerikanische Dirigent Leonard Bernstein, der mit seiner charismatischen Persönlichkeit und vielseitigen Begabung auch die Festspiele prägte. Seinen ersten Auftritt in Salzburg hatte Karajan im Jahr 1959, als er mit dem New York Philharmonic Orchestra bei den Festspielen gastierte. In den folgenden Jahren war Bernstein zwar kein häufiger, aber ein besonders gern gesehener Gast in Salzburg und begründete neben seinen musikalischen Darbietungen 1975 einen wichtigen Schritt im Zuge einer gewissen “Demokratisierung” des Festivals. So öffnete er gegen den Widerstand der damaligen Festspielleitung und der Philharmoniker erstmals Proben für die Zuhörer und zeigte sich als brillanter Kommunikator und Pädagoge.

Sternstunde und Abschied – Karajans letzter Auftritt mit Jessye Norman

Durchquert man die reiche Festspielgeschichte, gibt es Momente, die alle anderen noch überstrahlen. Einer davon war das letzte Konzert Herbert von Karajans vor seinem Tod mit Jessye Norman, das 1987 in Salzburg stattfand. Karajan war damals schon sehr geschwächt und ging mühsam auf Krücken zum Pult. Das darauf folgende Konzert mit der gefeierten Sopranistin jedoch ging als Sternstunde in die Geschichte ein – und war zugleich ein unbewusster Abschied des Dirigenten von seinem Publikum. “Wenn zuletzt noch Jessye Norman erscheint, um Isoldes Liebestod zu singen, ist des Jubels der Zuhörer kein Ende mehr. Karajan hängt an den Lippen der Sängerin und formt mit sparsamen Bewegungen den herrlichsten Orchesterteppich unter ihren Gesang”, so lautete damals die Kritik in der Presse.

Großer Auftritt — “La Traviata” mit Anna Netrebko und Rolando Villazón

Blickt man auf die künstlerischen Ereignisse der jüngeren Jahrzehnte, war ein unangefochtener Höhepunkt die Aufführung von Verdis "La Traviata" im Jahr 2005 mit Anna Netrebko, Rolando Villazón und Thomas Hampson in den Titelrollen. In der Inszenierung von Willy Decker lief die Sopranistin zur Hochform auf und riss das Publikum mit expressiver Dramatik und packender Virtuosität zu Standing Ovations hin. Ein bahnbrechender Erfolg, auch für die Festspiele, die sechsmal so viele Karten hätten verkaufen können, wie möglich waren.
Die am 31. Juli erscheinende Jubiläumsbox bei Deutsche Grammophon vereint zahlreiche dieser besonderen Momente und viele weitere künstlerische Glanzleistungen. Auf insgesamt 58 CDs umfasst die Edition unvergessliche Aufnahmen von 1947 bis 2016 der größten Dirigenten, Sänger und Solisten der jeweiligen Zeit, darunter etliche Raritäten. Zudem wird die bewegte Geschichte des größten Festivals der klassischen Musik anhand von zahlreichen Dokumenten eindrucksvoll nacherzählt und in einem 164-seitigen Booklet mit Essays von Karajan-Experte Richard Osborne und der Salzburger Dramaturgin Margarete Lasinger spannend aufbereitet. Bereits jetzt ist die Jubiläumsbox vorbestellbar, ebenso sind ausgewählte Alben für Streaming und Download erhältlich.

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