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Herbert von Karajans komplette Aufnahmen für Decca erstmals in einer Box

Herbert von Karajan
© Decca
20.02.2020
Herbert von Karajan hinterließ ein künstlerisches Erbe, das bis dato seinesgleichen sucht. Kein anderer Dirigent vor ihm hat sein über die Maßen umfangreiches Repertoire auf mehr Tonträgern verkaufen können, als er. Beispiellos waren dabei auch sein Gespür und Bestreben für eine erfolgreiche Selbstvermarktung. Dabei kam ihm die rasante Entwicklung der technischen Errungenschaften in den 70er und 80er Jahren, die eine Vervielfältigung seiner musikalischen Ambitionen auf höchstem Niveau ermöglichten, sehr gelegen. Dass Herbert von Karajan in der Mitte der 50er Jahre zum Label Decca wechselte, lag nicht zuletzt in dessen technischen Innovationen begründet. Schon 1950 hatte man dort mit der Einführung der LP ein Medium zur Verfügung, das mit seinen längeren Laufzeiten ganz andere Möglichkeiten bot, Musik zusammenhängend darzustellen. Für Karajan hatte damit die “zweite, die große Periode des Grammophons” begonnen. Besonders beeindruckten Karajan auch die Experimente mit der Stereophonie, namentlich durch den Toningenieur John Culshaw, der denn auch sämtliche Decca-Aufnahmen Karajans betreute.

Mit dem besonderen Gespür für Sänger

Am 16. Juli 1989 starb Herbert von Karajan. Anlässlich des 30. Todestages wurden seine kompletten Aufnahmen für das Decca-Label erstmals zusammengeführt und werden jetzt in einer Box veröffentlicht – fürwahr ein Schatzkästlein, vor allem  für die Opernfreunde unter den Karajan-Verehrern. Zehn komplette Opern als Decca-RCA-Aufnahmen bilden ihren inhaltlichen Schwerpunkt. Karajan, in seinem Selbstverständnis vorrangig ein Operndirigent, war zu jener Zeit auch Direktor der Wiener Staatsoper (1956–1964) und als solcher bestens vernetzt. Durch seine Kontakte aus der Zeit zuvor an der Mailänder Scala konnte er wie Stars wie Leontyne Price, Mirella Freni, Mario del Monaco oder Giuseppe Taddei an die Wiener Staatsoper verpflichten und auf diesem Wege auch für seine Aufnahmen mit der DECCA.  Die größten Sängerstars jener Zeit gaben sich für die Aufnahmen die Klinke in die Hand: Christa Ludwig, Luciano Pavarotti, Renata Tebaldi, Giuseppe di Stefano und Carlo Bergonzi, Anna Tomowa-Sintow, Ileana Cotrubas, Frederica von Stade oder José van Dam. Aber nicht nur, dass sie alle ihm dadurch auch entscheidende Karriereanstöße verdankten – es war sein besonderes Gespür für die Zusammenarbeit mit Sängern, die sie anzog.
Karajan konnte einen immensen Erfahrungsschatz als Operndirigent und Theaterpraktiker bei der technischen Vorbereitung der Aufnahmen einbringen und er bestand auf der Umsetzung seiner klangtechnischen Vorstellungen. Und so versammeln sich in dieser Box phantastischen Aufnahmen,  darunter die “Tosca” und die “Carmen” — jeweils mit Leontyne Price in den Titelrollen -, Verdis “Aida” mit Renata Tebaldi oder Mussorgskis “Boris Godunov” mit dem stimmgewaltigen Nicolai Ghiaurov.

Die Psychologie des Orchesters

Dass Karajan, der 1929 in Ulm mit gerade mal 21 Jahren zum jüngsten Kapellmeister Deutschlands berufen wurde, sein Handwerk von der Pike auf am Theater erlernt hatte,  kam ihm nicht nur bei den Opernaufnahmen zugute. Der große EMI-Produzent Walter Legge sagte über ihn: “Karajan kannte die Psychologie eines Orchesters wahrscheinlich besser als jeder Andere.” Das belegen auch die in dieser Box versammelten Aufnahmen sinfonischer Musik von Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn oder Richard Strauss. Dessen “So sprach Zarathustra”  — ein Stück von ungeheurer Signalwirkung — wurde Karajans erste Aufnahme für Decca im März 1959. Dass gerade diese Aufnahme später so berühmt werden sollte, konnte Karajan damals allerdings nicht ahnen: Stanley Kubrick verwendet sie 1968 für seinen Film 2001 “Odyssee im Weltraum. Wegweisende Aufnahmen etwa von Holsts “Planeten”, den beiden Mozart-Sinfonien Nr. 40 und 41 oder den Ballett-Suiten von “Schwanensee” und “Dornröschen” von Tschaikowski komplettieren die Box, deren Ausstattung zudem durch die Verwendung von Originalcovern und einen umfangreichen neuen Essay des Karajan-Biografen Richard Osborne aufgewertet wird.

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