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Biografie

Herbert von Karajan
KARAJAN – STATIONEN SEINES LEBENS

1908 Am 5. April in Salzburg geboren. Die Familie Karajan, die ursprünglich den Namen Karajannis trug, stammt aus Griechisch-Mazedonien. Der Ururgroßvater Herbert von Karajans wanderte nach Sachsen aus und war zuletzt als Kaufmann in Wien ansässig. Er wurde für seine um die Hebung des Handels und der Industrie erworbenen Verdienste von Friedrich August, dem Kurfürsten von Sachsen, am 1. Juni 1792 in den deutschen Reichsadel erhoben. Als Ritter des Heiligen Römischen Reiches nannten sich die Karajannis von nun an »Karajan«.

1912 Erster Klavierunterricht bei dem Klavierpädagogen und Konzertleiter Franz Ledwinka.

1913 Herbert von Karajan spielt im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung erstmals vor der Öffentlichkeit.

1916–26 Besuch des Konservatoriums Mozarteum in Salzburg. Unterricht bei Franz Ledwinka, Franz Sauer und Bernhard Paumgartner, der Karajan auch dazu anregt, sich als Dirigent ausbilden zu lassen.

1917 27. Januar: Erstes öffentliches Auftreten als Pianist im Rahmen einer Mozart-Feier am Mozarteum.

1926 Matura am Humanistischen Gymnasium in Salzburg. Maturaarbeit über das Thema »Thermodynamik und Explosionsmotoren«. Absolvent des Mozarteums.

1926–28 Studium an der Technischen Hochschule in Wien und am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Wien.

1926–29 Studium an der Wiener Hochschule für Musik (Klavier) und Absolvierung der Dirigentenklasse.

1928 17. Dezember: Erstes öffentliches Dirigieren in Wien im Rahmen eines Konzertes von Studierenden der Kapellmeisterschule Alexander Wunderers.

1929 22. Januar: Erstes öffentliches Auftreten als Dirigent in Salzburg. 19. April: Dirigiert im Salzburger Festspielhaus Salome.

1929–34 Engagement als erster Kapellmeister am Ulmer Stadttheater. Leiter der Dirigenten-Sommerkurse an der Internationalen Stiftung Mozarteum. Gastdirigent der Wiener Symphoniker. 1934 21. August: Dirigiert erstmals die Wiener Philharmoniker in Salzburg.

1934–42 Engagement am Aachener Stadttheater als Leiter der Symphoniekonzerte und der Opernaufführungen.

1937 1. Juni: Dirigiert erstmals an der Wiener Staatsoper (Tristan und Isolde).

1938 8. April: Dirigiert erstmals die Berliner Philharmoniker. 30. September: Dirigiert erstmals an der Berliner Staatsoper (Fidelio). 21. Oktober: Tristan und Isolde an der Berliner Staatsoper. Der Berliner Kritiker van der Nüll schreibt über »Das Wunder Karajan«. Erster Vertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft (bis 1943). Erste Aufnahme: Ouvertüre zur Zauberflöte (mit der Staatskapelle Berlin).

1939 Berufung als Staatskapellmeister an die Berliner Staatsoper.

1946 12. Januar: Erstes Nachkriegskonzert mit den Wiener Philharmonikern in Wien. Erste Kontakte mit Walter Legge, dem Künstlerischen Direktor der Columbia-Schallplattengesellschaft und Gründer des Londoner Philharmonia Orchestra. Assistenz bei den Salzburger Festspielen.

1947 Oktober: Erste Zusammenarbeit mit dem Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 1948/49 Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen.

ab 1948 Künstlerischer Direktor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Enge Zusammenarbeit mit dem Londoner Philharmonia Orchestra. Ständiger Gastdirigent der Mailänder Scala. Zahlreiche Gastverpflichtungen in Europa und Übersee. Leitung der Dirigentenkurse in Luzern und Mitwirkung bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern.

1951/52 Mitwirkung bei den Bayreuther Festspielen.

1955 Berufung zum Chefdirigenten (seit 1956 auf Lebenszeit) der Berliner Philharmoniker als Nachfolger von Wilhelm Furtwängler.

1957–60 Künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele.

1957–64 Künstlerische Leitung der Wiener Staatsoper, Zusammenarbeit mit der Mailänder Scala. 1958 6. Oktober: Heirat mit der Französin Eliette Mouret.

1959 Wiederbeginn der Zusammenarbeit mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Erste Stereoaufnahme: Strauss’ Ein Heldenleben.

1960 25. Juni: Geburt der Tochter Isabel (die Wiener Philharmoniker übernehmen die Patenschaft).

1963 15. Oktober: Eröffnungskonzert der Berliner Philharmonie (Beethovens Neunte Symphonie).

Veröffentlichung der Einspielung des vollständigen Beethoven-Symphonienzyklus mit den Berliner Philharmonikern, die zu einer der erfolgreichsten Aufnahmen klassischer Musik wird.

1963–68 Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft.

1964 2. Januar: Geburt der Tochter Arabel (die Berliner Philharmoniker übernehmen die Patenschaft). August: Berufung in das Direktorium der Salzburger Festspiele.

seit 1965 Produktion von Konzert- und Opernverfilmungen, bei denen Karajan als Regisseur bzw. Dirigent tätig ist. Zusammenarbeit mit dem französischen Filmregisseur Henri-Georges Clouzot.

1967 Beginn der Osterfestspiele Salzburg (Gründung und Künstlerische Gesamtleitung: Herbert von Karajan). 19. März: Eröffnung der Osterfestspiele mit der Walküre.

1968 4. März: Verleihung des »Ringes« des Landes Salzburg. 4. April: Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg. 8. April: Verleihung des Goldenen Grammophons durch Deutsche Grammophon »zum Zeichen der Verehrung und des Dankes«. 14. August: Ernennung zum Ehrensenator der Alma mater paridiana, Salzburg. Gründung der Herbert-von-Karajan-Stiftung in Berlin (Förderung der wissenschaftlichen Tätigkeit zur Verbreitung eines bewussten musikalischen Empfindens); ein Dirigentenwettbewerb ist dieser Stiftung angeschlossen.

1969 Gründung eines »Forschungsinstitutes der Herbert-von-Karajan-Stiftung für experimentelle Musik-Psychologie« am Psychologischen Institut der Universität Salzburg. 31. August: Kunstpreis der Stadt Luzern.

1970 Neuer Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft.

1973 Beginn der Salzburger Pfingstkonzerte (Gründung und Gesamtleitung: Herbert von Karajan).

1978 12. Mai: Verleihung des Doctor philosophiae h.c. der Alma mater paridiana, Salzburg. 21. Juni: Verleihung des Doctor of Music h.c. der Universität Oxford.

1979 Preis des französischen Staatspräsidenten für sämtliche Neuaufnahmen des Jahres 1978 – Preisverleihung im Rahmen des Grand Prix international du disque der Académie Charles Cros in Paris. 2. April: Eröffnung des »Internationalen Con¬gress-Centrums« (ICC) in Berlin – musikalische »Weihe« durch Karajan und seine Philharmoniker. 17. Mai: Herbert von Karajan patronisiert eine neue nach ihm benannte Stiftung – Geschenk der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde –, die sich wissenschaftlichen Arbeiten vor allem auf neurophysiologischem Gebiet widmet. 13. Oktober: Verleihung des Doctor philosophiae h.c. der Waseda-Universität, Tokio.

1980 Januar: erste Digital-Aufnahme in Berlin (Mozart: Die Zauberflöte). August: Herbert von Karajan erhält vom Vorstand der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor die Clemens-Krauss-Medaille in Gold. 7. Dezember: Festkonzert in Berlin anlässlich des 25jährigen Jubiläums als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

1981 15. April: Präsentation des »Compact Disc Digital Audio Systems« bei den Salzburger Osterfestspielen. Im Mai wird auf Deutsche Grammophon die »Karajan-Symphonien-Edition« veröffentlicht, die auf 28 Schallplatten Einspielungen von sechs symphonischen Zyklen – Beethoven, Brahms, Mozart, Mendelssohn, Schumann und Tschaikowsky – aus den sechziger und siebziger Jahren zusammenfasst. Am 27. Juli wird Herbert von Karajan im Ministerratsgebäude in Sofia der Kyrill- und Method-Orden Erster Klasse »für seine Verdienste in der Zusammenarbeit mit bulgarischen Künstlern« überreicht. 1. Dezember: Herbert von Karajan gibt mit den Berliner Philharmonikern zum ersten Mal ein Konzert im neuen Leipziger Gewandhaus.

1982 Gründung der Firma Telemondial S.A.M. Unter Herbert von Karajans persönlicher Leitung wird sein gesamtes Repertoire noch einmal für die neu erscheinende Video-Disc unter seiner Regie aufgenommen. Es ist eine völlig neue Konzeption, und die Video-Discs werden erst veröffentlicht, sobald die Apparaturen die Vollendung und Perfektion erreicht haben, die Herrn von Karajan ein ganzes Leben vorgeschwebt haben. Februar: Debüt der Malerin Eliette von Karajan. Die Künstlerin stellt ihre Bilder aus auf den Schallplattentaschen der »Karajan-Edition« in der neuen Serie »Galleria«. 50 Originalgemälde schmücken 50 Plattenhüllen mit 100 Werken von Vivaldi bis Strawinsky. 30. April/1. Mai: Jubiläumskonzerte zum 100. Geburtstag der Berliner Philharmoniker. 12. Juni: Übergabe der ersten Compact Disc an den Dirigenten (Strauss’ Alpensinfonie) in Hamburg anlässlich einer Konzertreise mit den Berliner Philharmonikern. 14. Juni: Bürgermeister Jacques Chirac übergibt Herbert von Karajan im Pariser Rathaus die »Médaille de Vermeil«, die Ehrenmedaille der Seine-Metropole. 29. Juli: Bei den Salzburger Festspielen wird Herbert von Karajans erste Aufnahme von Puccinis Oper Turandot (mit Katia Ricciarelli und Plácido Domingo) vorgestellt. 2. August: Schlusskonzert des ersten Gesangsstudios der Herbert-von-Karajan-Stiftung in Salzburg. Oktober: Erste USA-Reise mit den Berliner Philharmonikern seit 1976. Die Konzerttournee wird als »triumphale Wiederkehr« gefeiert, der Dirigent mit »standing ovations« in der New Yorker Carnegie Hall begrüßt. Dezember: Der Salzburger Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer überreicht Herbert von Karajan als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker eine Gedenktafel, die das Land Salzburg anlässlich der seit 25 Jahren bestehenden Mitwirkung des Orchesters bei den Salzburger Festspielen gestiftet hat.

1983 März: Die Royal Philharmonic Society, London, ehrt Herbert von Karajan mit der Goldmedaille. 5. April: Herbert von Karajan begeht in seiner Heimatstadt Salzburg seinen 75. Geburtstag. Das Land Salzburg gratuliert mit einem Sonderpoststempel. 26. Juli: Die Salzburger Festspiele werden mit einer Neuinszenierung von Richard Strauss’ Der Rosenkavalier (Regie und Dirigent: Herbert von Karajan) eröffnet. Eine Aufnahme der Oper, mit Herbert von Karajan und Agnes Baltsa, Janet Perry, Anna Tomowa-Sintow, Kurt Moll und den Wiener Philharmonikern, wird 1984 bei Deutsche Grammophon veröffentlicht. August: Internationaler Musikpreis der UNESCO an Herbert von Karajan. Herbert von Karajan gibt bekannt, dass er für das ZDF bis 1986 jährlich zwei Konzerte mit den Berliner Philharmonikern produzieren will. Die Programme, für die er die künstlerische Gesamtleitung übernimmt, werden live ausgestrahlt.

1984 Veröffentlichung der ersten Digital-Aufnahmen des neuen Beethoven-Symphonien-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern auf Deutsche Grammophon Compact Disc. Der gesamte Zyklus wird von der Firma Telemondial gefilmt.

1985 Februar: Verleihung der Goldenen Kamera der Zeitschrift Hör Zu. 2. April: Unterzeichnung eines neuen langfristigen Vertrages mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft. 29. Juni: Im Rahmen der von Papst Johannes Paul II. zelebrierten Messe am Peter-und-Paul-Tag dirigiert Herbert von Karajan Mozarts Krönungsmesse mit dem Wiener Singverein und den Wiener Philharmonikern. Zum ersten Mal ist damit einem Orchester und seinem Dirigenten während eines Gottesdienstes ein Konzert im Vatikan gestattet worden. Das Ereignis wird weltweit vom Fernsehen übertragen und von der Firma Telemondial gefilmt. August: Aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Großen Festspielhauses erhält Herbert von Karajan den »Ehrenring« der Salzburger Festspiele. Anlässlich seines 30jährigen Jubiläums als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker findet ein Jubiläumskonzert statt.

1986 25./26. Januar: Gedenkkonzert in Berlin zum 100. Geburtstag des 1954 verstorbenen Wilhelm Furtwängler. Aufführung von Verdis Don Carlos bei den Salzburger Osterfestspielen, mit José Carreras, Ferruccio Furlanetto, Fiamma Izzo D’Amico, Agnes Baltsa und den Berliner Philharmonikern. Die Aufführung wird im Fernsehen in vielen Ländern Europas live ausgestrahlt. Juni: Für seine Verdienste um die Wahrung kulturellen Erbes und insbesondere für seine Leistungen bei den Salzburger Festspielen erhält Herbert von Karajan in Athen den Olympia-Preis der Alexander-Onassis-Stiftung. Das Preisgeld stellt Karajan für die Förderung junger Sänger zur Verfügung. 23. August: Deutsche Grammophon präsentiert bei den Salzburger Festspielen Herbert von Karajans erste Don Giovanni-Aufnahme (mit Samuel Ramey in der Titelrolle, Anna Tomowa-Sintow, Agnes Baltsa, Kathleen Battle, Gösta Winbergh, Ferruccio Furlanetto und den Berliner Philharmonikern).

1987 1. Januar: Herbert von Karajan dirigiert erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Großen Musikvereinssaal in Wien. Das Konzert wird weltweit im Fernsehen ausgestrahlt. Neuinszenierung von Mozarts Don Giovanni bei den Salzburger Oster- und Sommerfestspielen. 1. Mai: Eröffnungskonzert der 750-Jahr-Feier in Berlin (Mozart: Divertimento KV 334; Richard Strauss: Also sprach Zarathustra). Juni: Herbert von Karajan unternimmt mit den Berliner Philharmonikern eine Europa-Tournee mit Konzerten in London, Brüssel und Paris. 28. Oktober: Eröffnungskonzert des neuen Kammermusiksaales der Berliner Philharmonie mit Vivaldis Vier Jahreszeiten. Solistin: Anne-Sophie Mutter. November: Viel umjubelte Deutschland-Tournee (sechs Städte) mit den Berliner Philharmonikern.

1988 Frühjahr: Zum 80. Geburtstag Herbert von Karajans am 5. April veröffentlicht Deutsche Grammophon eine Karajan-Edition: »100 Meisterwerke« mit Gemälden seiner Gattin Eliette auf 25 CDs. Zum 50jährigen Schallplatten-Jubiläum von Herbert von Karajan bei Deutsche Grammophon erscheinen die frühen Aufnahmen aus den Jahren 1938–43 erstmals auf CD. April/Mai: Japan-Tournee mit den Berliner Philharmonikern. Oktober: Europa- und USA-Tournee mit den Berliner Philharmonikern.

1989 Februar: Letztes Gastspiel in den USA mit den Wiener Philharmonikern. 16. Juli: Herbert von Karajan, der sich anlässlich der Probenarbeiten zu Verdis Un ballo in maschera in Salzburg aufhält, stirbt an den Folgen von Herzversagen in seinem Haus in Anif bei Salzburg.

9/2007
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