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Händel zu Ehren: Das neue Album von Seong-Jin Cho

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08.02.2023
Das neue Album von Seong-Jin Cho ist Entdeckungsreise und Huldigung zugleich. So widmet sich der gefeierte Pianist darauf dem Tastenwerk von Georg-Friedrich-Händel und erweckt einige der Suiten des Barockkomponisten zum Leben. Ergänzt werden diese durch die Händel-Variationen von Johannes Brahms. Das Album ist am 3. Februar bei Deutsche Grammophon erschienen, aktuell ist der Musiker mit dem Programm auf Tour.

Georg Friedrich Händel im Fokus

“Für mich kommt Händels Musik von Herzen, die Menschen können ihr leicht folgen”, sagt Cho über die Werke Händels. Deshalb ist es ihm ein großes Anliegen, mit seinem jüngsten Album ein neues Licht auf diese mitunter kaum bekannten, aber ausgesprochen gefühlvollen Werke für Tasteninstrumente zu werfen. Für das Programm hat er drei Werke aus Händels erster Sammlung der “Suites de pièces pour le clavecin” ausgewählt, die für ihn “hinsichtlich ihrer Struktur und musikalischen Ideen meine absoluten Favoriten” sind. Dabei zeugen die Suiten Händels von ausgeprägter Individualität und beinhalten statt traditioneller Tanz-Satz-Folgen häufig Elemente wie Préludes, Airs oder Menuette. Im Vergleich zu den Suiten Bachs kommen Händels Kompositionen weniger streng und komplex, dafür deutlich verspielter daher und strahlen viel Lebensfreude aus.
Konkret zu erleben ist dies auf dem Album etwa in dem Adagio aus der Suite Nr. 2 in F-Dur, HWV 427, einer Arie ohne Worte, oder der Suite Nr. 8 in f-Moll, HWV 433, die mit einem melancholischen Präludium beginnt und übergeht in eine mitreißende Fuge, eine elegante Allemande und einen lebhaften Schluss aus Courante und Gigue. Gekrönt wird die Auswahl mit der Suite Nr. 5 in E-Dur, HWV 430. Außerdem sind zwei Einzelsätze aus Händels zweitem, 1733 veröffentlichten Band der “Suites de pièces pour le clavecin zu hören: eine Sarabande in B-Dur, HWV 440/3, und ein von Wilhelm Kempff arrangiertes Menuett in g-Moll.

Händels Nachklang: Die Händel-Variationen von Johannes Brahms

Um zu ergründen, wie Händels Stil auch spätere Komponisten beeinflusste, ergänzte Cho das Programm seines neuen Albums um die schöpferische Antwort von Johannes Brahms auf Händels Musik. Brahms komponierte die Variationen und Fuge über ein Thema von Händel im September 1861 und legte ihnen die Air aus Händels Suite Nr. 3 in B-Dur, HWV 434, zugrunde. Die musikalische Weiterentwicklung dieses schlichten Themas durch Brahms ist von technisch wie musikalisch höchstem Anspruch und reich an Oktaven, Sprüngen und Läufen in hohem Tempo. Für Cho handelt es sich insbesondere bei der Fuge um ein “geniales Stück”, das mit orchestraler Fülle und maximaler Verdichtung in den Bann zieht. So sagt der Pianist: “Obwohl es darin so viele neue Ideen gibt, geht Händel nicht verloren. Die Fuge ist wie ein gewaltiger Berg, man weiß, dass er schwer zu erklimmen ist. Und wenn man den Gipfel erreicht, ist man wie erleichtert. Das ist für mich ein geradezu überwältigender Moment.”

Frei und innig – Chos Interpretation der Händel-Werke

Um ein besseres Gespür dafür zu bekommen, für welches Instrument Händel seine Musik ursprünglich komponiert hat, hat sich Cho intensiv mit dem besonderen Klang und der Anschlagskultur des Cembalos auseinandergesetzt. Auf dem Album “The Handel Project” ist dies deutlich spürbar, zeugt Chos Interpretation doch von einer farbenreichen und feinen Ausgestaltung der kontrapunktischen Linien und verzichtet der Pianist dabei weitgehend auf den Einsatz des rechten Pedals. Gleichzeitig aber schöpft Cho das Potenzial des modernen Flügels gerade im dynamischen Bereich voll aus und genießt hörbar die Freiheiten, die Händels Barockmusik dem Musiker lässt. So sagt Cho: “Man kann Händels Musik mit etwas Pedal spielen, man kann sie auch sehr romantisch gestalten”, wobei es ihm ein Anliegen war, in seinem Spiel möglichst viel Klarheit zu erreichen und die verschiedenen Stimmen gleich einem kammermusikalischen Satz herauszuarbeiten.

Mit Händel auf Tournee

Im Gegensatz zu seinen Opern und Oratorien sind die Cembalowerke Händels nur selten in den internationalen Konzertsälen zu hören. Dies ändert Cho gerade und so ist er aktuell mit dem Repertoire seines Albums auf Tournee, die ihn von Hannover und Düsseldorf über Hamburg, Dortmund, London, Mailand und Berlin schließlich nach Wien führt.

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