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Beseelter Wagner, inniger Strauss — Lise Davidsen beglückt auf Decca mit einem grandiosen Debütalbum

Lise Davidsen
27.05.2019
Werke von Strauss und Wagner singt man nicht mal eben so. Um die komplexe Musik angemessen zu interpretieren und auch in einer reichen Tradition zu bestehen, benötigt man künstlerisches Format und eine Charakterfestigkeit, die meistens auch mit einem gewissen Alter und Erfahrung Hand in Hand geht. Lise Davidsen hat jedoch schon früh für sich erkannt, dass ihre strahlende Sopranstimme gerade in den dramatischen Klangwelten von Strauss und Wagner ganz besonders zuhause ist und dort zur vollen Schönheit aufblühen kann. Trotz ihrer Jugend bringt die norwegische Sängerin bereits eine authentische künstlerische Reife mit, die es ihr ermöglicht, die Kompositionen mit bemerkenswertem Tiefgang zu gestalten. Das Ergebnis hat sie auf ihrem beeindruckenden Debütalbum für Decca Classics festgehalten und tritt damit als erste skandinavische Sängerin nach Birgit Nilsson in große Fußstapfen.
Gleichzeitig kann sie bereits auf einige beeindruckende Karrieremeilensteine in so jungen Jahren zurückblicken: 2015 hat Lise Davidsen den ersten Preis bei Plácido Domingos Operalia gewonnen. Schnell folgten Konzerte und Engagements beim Glyndebourne Festival und in Aix-en-Provence, an der Bayerischen Staatsoper, dem Royal Opera House, dem Opernhaus Zürich und an der Wiener Staatsoper. Mit dem Album “Lise Davidsen” hat die Sopranistin sich selbst nun einen Wunsch erfüllt und sich dem Vokalrepertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewidmet. Sie hat den Zyklus “Vier letzte Lieder” und einige zentrale Arien aus “Ariadne auf Naxos” von Richard Strauss sowie zwei Stücke aus Richard WagnersTannhäuser” eingesungen und überzeugt im Zusammenspiel mit Esa-Pekka Salonen und dem Philharmonia Orchestra auf ganzer Linie.
Wenn Lise Davidsen eingangs mit “Dich, teure Halle” und “Allmächtige Jungfrau” aus Wagners Tannhäuser in die Rolle der Elisabeth schlüpft, zeigt sie bereits ein weites Spektrum an Klangfarben, die sie mit strahlend schöner Intensität erglühen lässt. Diese Darbietung macht große Lust auf ihr diesjähriges Debüt bei den Bayreuther Festspielen in dieser ebendieser Rolle. Innige Empfindung durchdringt die Aufnahmen — auch die Arie “Es gibt ein Reich” aus der Oper “Ariadne auf Naxos”, in der Lise Davidsen 2017 Glyndebourne Festival debütierte. Sie hat hörbar jeden Ton dieser Musik in sich aufgesaugt und so verinnerlicht, so dass sie nun eine zutiefst berührende Interpretation der Arie präsentiert, in der jeder Ton lebendig leuchtet.
Das Liedrepertoire von Richard Strauss rundet das Album ab. Seine vier Lieder Op. 27 “Ruhe meine Seele”, “Cäcilie”, “Heimliche Aufforderung” und “Morgen!” hat er als Hochzeitsgeschenk für die Sopranistin Pauline de Ahna komponiert, die er am 10. September 1894 geheiratet hat und die seine lebenslange Vertraute, Interpretin und Muse war.
Auch das Wiegenlied entspringt einem Zyklus. Es ist das erste von fünf Liedern, die Strauss 1899 geschrieben hat, knapp 50 Jahre vor “Malven”, das er noch im Anschluss an seinen Zyklus “Vier letzte Lieder” schrieb, mit dem er Gedichte von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff vertont hat. Ein großes, majestätisches Abschiednehmen klingt durch diese melancholischen Vokalwerke. Lise Davidsen kann die Emotionen glaubhaft zum Leben erwecken und beschreibt mit ihrer eleganten und lebendigen Stimme so weite Bögen, dass das ganze Universum der Strauss’schen Klangfarben darin Platz findet. Kirsten Flagstad hat die vier letzten Lieder einst für Decca eingesungen — Lise Davidsen steht dieser Ikone in nichts nach.