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Das Geheimnis der Klarheit – Zum 85. Geburtstag von Arvo Pärt

Arvo Pärt, Manfred Eicher
Caroline Forbes / ECM Records
09.09.2020
Am 11. September 2020 wird der estnische Komponist Arvo Pärt 85 Jahre alt. Der scheue Künstler, der als einer der wichtigsten Exponenten Neuer Musik gilt, blickt auf eine kurvenreiche Entwicklung zurück. Begonnen hatte er in den 1950er Jahren mit neoklassischen Versuchen in der Tradition von Dmitri Schostakowitsch. Es folgten Experimente mit Schönbergs Zwölftontechnik, bevor er sich Collage-Techniken zu eigen machte, um Sequenzen früherer Komponisten in seine Werke einzufügen. Obwohl er, wie er heute ausdrücklich betont, keinen dieser Schritte bereut, brachten sie ihn doch nicht an sein eigentliches Ziel.
Spirituelle Suche
Der Komponist befand sich auf einer spirituellen Suche. Davon zeugte nicht zuletzt sein Eintritt in die Russisch-Orthodoxe Kirche zu Beginn der 1970er Jahre. In der Musik zeigte sich diese Suche in einer intensiven Beschäftigung mit klassischer Vokalpolyphonie und gregorianischem Choral. Nach einer langen schöpferischen Pause deutete Arvo Pärt im Jahre 1976 mit dem Klavierstück “Für Alina” erstmals jene reduzierte Klangästhetik an, mit der er später Berühmtheit erlangen sollte und deren geistliche Orientierung eine neue Form des musikalischen Minimalismus begründete.
Geheimnis der Klarheit
Die Geschichte seines neuen Stils ist eng verbunden mit dem Münchener Label ECM New Series. Manfred Eicher, Gründer und Produzent von ECM, hat mit seinen Aufnahmen der Werke von Arvo Pärt das Klangbild des Komponisten maßgeblich geprägt. “Er ist ein Performer, und sein Instrument ist der Klang, die Akustik, der Klangraum, den nur er hört”, so Arvo Pärt über Manfred Eicher, der an der Musik des estnischen Komponisten, eine Idee von Paul Valéry aufgreifend, das Geheimnis der Klarheit schätzt.   
Arvo Pärt hat alle Kompositionen, die er für ECM aufgenommen hat, gemeinsam mit Manfred Eicher produziert: von dem Kultalbum "Tabula Rasa" (1984) mit Keith Jarrett und Gidon Kremer bis hin zu Veröffentlichungen wie "Miserere" (1991) mit dem Hilliard Ensemble oder dem grammy-gekrönten Album "Adam’s Lament" (2012) mit Tõnu Kaljuste. Als eines der schönsten Dokumente ihrer Zusammenarbeit darf "Musica Selecta" (2015) gelten. Auf dem Album hat Manfred Eicher Schlüsselwerke von Arvo Pärt zusammengestellt und in eine sinnhafte Ordnung gefügt.      

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