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Till Fellners Bach-Visionen

Till Fellner © Ben Ealoega / ECM2
Till Fellner © Ben Ealoega / ECM
18.03.2009
Weder die „Inventionen“, noch die „Sinfonien“ und nicht einmal die „Suiten“ waren von Johann Sebastian Bach ursprünglich zur Aufführung vor Publikum vorgesehen. Es waren Übungsstücke, die willige Eleven der Musik in die Geheimnisse der fortgeschrittenen Gestaltung einführen, ja sie sogar zum Weiterdenken und Variieren anregen sollten. Im Laufe der Jahrhunderte jedoch haben sich die Kompositionen vom pädagogischen Zusammenhang gelöst und sind aufgrund ihrer Schönheit und Prägnanz in das Konzertrepertoire hineingewachsen. Denn sie sind subtile Kunstwerke der klanglichen Balance, die Meister ihres Fachs wie den österreichischen Pianisten Till Fellner dazu veranlassen, sich ausführlich mit ihnen zu beschäftigen.

Till Fellner stammt aus Wien. Dort geboren 1972, ausgebildet bei Helene Sedo-Stadler, Alfred Brendel, Meira Farkas und Oleg Maisenberg, hatte der junge Pianist bereits 1993 von sich Reden gemacht, als er als erster Österreicher in der Geschichte des Concours Clara Haskil in Vevey den ersten Preis gewann. Seitdem hat Fellner mit zahlreichen renommierten Ensembles und hervorragenden Kammermusikpartnern wie dem Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff und Thomas Zehetmaier konzertiert. Für die Saison 1999/2000 erarbeitete er einen außergewöhnlichen, aus jeweils drei Abenden bestehenden Recital-Zyklus, bestehend aus dem ersten Buch des „Wohltemperierten Klaviers“ und den letzten fünf Klaviersonaten von Beethoven, den er mit großem Erfolg unter anderem in Brüssel, London, Lyon, Rom, Paris und Wien präsentierte. Im Anschluss daran nahm er das erste Buch der berühmten Präludien und Fugen für ECM New Series auf und präsentierte es 2004 der internationalen Öffentlichkeit. Das Album wurde zu einer der gefeiertsten Klavieraufnahmen des Jahres und etablierte den Newcomer als neue Autorität seiner Liga, der es bedenkenlos mit den historischen Meilensteinen der Bach-Interpretation aufnehmen kann.

Nun hätte es nahe gelegen, im Anschluss an das erste Buch auch den zweiten Teil des „Wohltemperierten Klaviers“ einzuspielen. Allein, Till Fellner fühlte sich noch nicht soweit, um sich dieses immens vielschichtigen Werks vor Mikrofonen anzunehmen. „Alfred Brendel sagte mir damals, das Polyphone läge mir, das sollte ich intensivieren. Also bin ich den Kosmos der Bach’schen Mehrstimmigkeit von den überschaubaren Strukturen her angegangen“, begründet Fellner seine Entscheidung, sich der „Inventionen und Sinfonien“ und der „Französischen Suite V“ zu widmen. Denn es sind Stücke, die ihm wie vielen Klavierschülern seit vielen Jahren vertraut sind: „Auch ich habe früh damit angefangen. Aber erst später entdeckte ich, was für wunderbare Musik das ist und welche Fülle an Charakteren in ihr steckt. Von tänzerischen Sätzen reicht das eigentlich bis zu Passionsmusik, vom strengen Kontrapunkt bis zu Stücken, die schon auf die Frühklassik vorausweisen.“

Genug Gründe also, um sich eingehend mit diesen zunächst pädagogisch gedachten Werken auseinander zu setzen und sie in aufsteigender Komplexität in einer Einspielung nebeneinander zu stellen. In seinem Vorwort zur Reinschrift der zweistimmigen Inventionen und dreistimmigen Sinfonien von 1723 meinte Johann Sebastian Bach, die Aufgabe dieser Sammlung sei „zugleich gute inventiones nicht allein zu bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuführen, am allermeisten aber eine cantable Art im Spielen zu erlangen, und darneben einen starken Vorgeschmack von der Composition zu überkommen“. Aus heutiger Sicht und nach dem Hören von Till Fellners Deutungen der Werke muss man diesen Wünschen eindeutig noch die Dimension des akustischen Genusses hinzufügen.

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