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Farben des Lebens – Eleni Karaindrou veröffentlicht neues ECM-Album

Eleni Karaindrou
© Pepi Loulakaki/ ECM Records
16.11.2016
Die Musik von Eleni Karaindrou ist ein ureigener Kosmos. Sie drückt Empfindungen und Atmosphären aus, die unverwechselbar sind. Die Welt ihrer instrumentalen und vokalen Klänge existiert für sich selbst. Sie braucht keine Ergänzung, und insofern eignet sie sich auch nicht, so könnte man schlussfolgern, zur puren Illustration anderer Künste. Wenn man das hört, dann mag man kaum glauben, dass Eleni Karaindrou sich vor allem als Filmkomponistin einen Namen gemacht hat.
Ihre elegischen Scores zu den epischen Filmwerken des griechischen Regisseurs und Drehbuchautors Theo Angelopoulos genießen weit über den Kreis der klassikinteressierten Öffentlichkeit hinaus Bekanntheit. Musik zu Bildern, die langsam an uns vorüberziehen, ist eine Spezialität der 1939 in einem griechischen Bergdorf geborenen Meisterkomponistin. Karaindrou schlägt in Filmen wie “Der Blick des Odysseus” oder “Die Erde weint” einen zarten, wehmütigen Ton an.

Keine bloße Untermalung: Eleni Karaindrous Filmmusik

Aber wer die Filme schaut, der merkt sogleich, dass die Musik darin eine eigene Kraft entfaltet. Sie ist keine bloße Untermalung des Filmgeschehens, sondern korrespondiert selbstständig mit ihm. Obwohl sie sich behutsam und allmählich in die Bilder melancholischer Landschaften oder vorüberfahrender Schiffe einfügt, besteht sie doch für sich selbst. Eher scheint es, als ob diese Musik Fragen stellt, als ob sie wissen wollte: Was hat es mit diesem seltsamen Leben auf sich? Was passiert, wenn wir lieben, wenn wir leiden oder freudvoll sind?
In ihrem neuen ECM-Album geht Eleni Karaindrou noch einen Schritt weiter. Sie vertieft das rätselhafte Moment der menschlichen Existenz, indem sie Klangwelten aneinanderfügt, die den widersprüchlichen Reichtum des Lebens spiegeln. Das Spektrum reicht von fanfarenartigen Gebilden über sanfte Flötenweisen bis hin zu opernhaften Stücken und einem liturgischen Gesang, der von sehr weit her zu kommen scheint. Die griechische Komponistin hat sich bei ihrem neuen Werk von dem Versspiel “David inspirieren lassen.

Farben des Lebens: Wundersame Korrespondenzen

Sie verleiht den Dimensionen des menschlichen Lebens, die in dem anonymen ägäischen Bühnenwerk aus dem 18. Jahrhunderts angedeutet werden, eine musikalische Gestalt. Dabei spürt sie, wie in ihren Filmmusiken, seelischen Stimmungen nach und setzt dabei auch Kontrapunkte zum Text. Wenn es, wie zum Beispiel in den beiden Versionen von “Repentance”, um Buße geht, dann überrascht sie mit einer idyllischen Flötenmelodie, die womöglich das erleichternde Gefühl reuevoller Umkehr symbolisiert.
Stücke wie “Compassion” oder “David’s Entrance” erinnern hingegen deutlich an ihre Filmmusiken. Hier besticht die solistische Leistung von Kim Kashkashian, die mit ihrer Bratsche geduldig die elegischen Melodien von Eleni Karaindrou auskostet. Melancholisch mutet das Lied “The Good Things In Life” an, das die griechische Mezzosopranistin Irini Karagianni mit dem einnehmend warmen Timbre in ihrer Stimme ebenso behutsam wie sinnlich interpretiert.
Von spiritueller Eindringlichkeit ist “Psaltes”, ein vom ERT Choir kristallklar interpretierter liturgischer Gesang, der sich trotz seiner atmosphärischen Fremdheit geschmeidig zu den anderen Stücken fügt. “David”, das live in der Athener Megaron-Konzerthalle mitgeschnitten wurde, ist ein an musikalischen Stimmungen reiches Album. Die Kantate besitzt trotz der höchst unterschiedlichen Klanggebilde, die sie in sich vereint, eine innerliche Geschlossenheit. Auf wundersame Weise finden die Klangfarben von Eleni Karaindrou immer zueinander.       
 

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