Daniil Trifonov | Offizielle Biografie

Biografie

Daniil Trifonov
© Dario Acosta
Aufgrund der Covid−19-Pandemie können wir momentan keine zuverlässigen Aussagen bezüglich der jetzigen und kommenden Spielzeit machen.
»Trifonov … spielte so flüssig und mit dem Flair eines romantischen und zugleich eines modernen Pianisten. Er konnte ernst sein, und extravagant, und klug, und monumental, und er konnte nicht anders, als dramatisch zu sein. Vor allem aber war er erstaunlich kontrolliert.« Los Angeles Times, 10. Februar 2020 in der Rezension einer Aufführung von Bachs Die Kunst der Fuge
Wenn Daniil Trifonov spielt, scheint die Zeit innezuhalten. Aus der Stille heraus kommt ein Spiel, wie man es nur selten hört: überragend und von tiefer Einsicht, nie vorhersehbar, aber immer die Intention des Komponisten im Blick habend und verwurzelt im Wesen der Musik. »Was er mit seinen Händen macht, ist technisch unglaublich«, bemerkte ein Kommentator kurz nach Trifonovs Triumph im Finale des Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau 2011. »Hinzu kommt sein Anschlag – er hat Zartheit und auch das dämonische Element. Ich habe so etwas noch nie gehört.« Diese Äußerung stammt nicht von einem professionellen Kritiker, sondern von einer der größten Pianistinnen der Welt, Martha Argerich.
Trifonovs Klavierspiel zeugt mit seiner Mischung aus Poesie und Kraft von einer einzigartigen Begabung. Seine Erfindungskraft und Originalität zeigen sich auch in seinem wachsenden Ansehen als Komponist, das im April 2014 einen neuen Höhepunkt erreichte, als er bei der Uraufführung seines Ersten Klavierkonzerts am Cleveland Institute of Music den unerhört schwierigen Solopart spielte. Er hat das Werk seither häufig aufgeführt, unter anderem bei der Erstaufführung in der Carnegie Hall im November 2017 mit dem Mariinski-Orchester und Valery Gergiev. Trifonov brachte sein Klavierquintett (Quintetto Concertante) beim Verbier Festival im Juli 2018 zur Uraufführung und hat es seither unter anderem in Berlin, New York und Tel Aviv aufgeführt.
Im Februar 2013 gab Deutsche Grammophon den Abschluss eines Exklusivvertrags mit Daniil Trifonov bekannt. Sein erstes Recital war eine Live-Aufnahme aus der Carnegie Hall: Liszts Sonate in h-Moll, Skrjabins Sonate-Fantaisie und Chopins 24 Préludes op. 28. Das Album wurde 2015 für einen Grammy in der Kategorie »Bestes klassisches Instrumentalsolo« nominiert und sicherte Trifonov den ECHO Klassik-Preis 2014 als »Nachwuchskünstler des Jahres (Klavier)«. Sein nächstes Album für DG mit Werken von Rachmaninow erschien im August 2015: Neben Trifonovs Interpretation der Variationen über ein Thema von Paganini, begleitet vom Philadelphia Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin, sind die Variationen über ein Thema von Chopin und die Variationen über ein Thema von Corelli sowie Trifonovs eigene Rachmaniana, ein Bravourstück für Soloklavier, zu hören. Anlässlich des Albums wählte die Zeitschrift Gramophone Trifonov zu ihrem »Künstler des Jahres« 2016.
2016 veröffentlichte DG sein Doppelalbum Transcendental mit sämtlichen Konzertetüden von Liszt. Es enthielt neben den für ihre Schwierigkeit berüchtigten Etudes d’exécution transcendante auch die Grandes Etudes de Paganini sowie fünf weitere Konzertetüden. Es war die erste Gesamtaufnahme dieser Werkgruppe von einem Pianisten für das gelbe Label. Transcendental erhielt im Januar 2018 einen Grammy in der Kategorie »Bestes klassisches Instrumentalsolo«
2017 erweiterten mehrere Alben Trifonovs Diskografie: Preghiera mit dem Geiger Gidon Kremer und der Cellistin Giedrė Dirvanauskaitė; Chopin Evocations, das Trifonov mit Mikhail Pletnev und dem Mahler Chamber Orchestra aufnahm und das die beiden Klavierkonzerte von Chopin (in Pletnevs Orchestrierung) und einige der frühsten und spätesten Stücke des Komponisten sowie durch Chopin inspirierte Werke von Schumann, Grieg, Tschaikowsky, Mompou und Barber enthält; und ein Schubert-Album mit dem »Forellenquintett« und anderen kammermusikalischen Werken des Komponisten, aufgenommen mit Anne-Sophie Mutter und drei Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung.  
Er nahm dann sämtliche Klavierkonzerte Rachmaninows mit dem Philadelphia Orchestra und Nézet-Séguin auf. Destination Rachmaninov – Departure mit den Konzerten Nr. 2 und Nr. 4 erschien im Oktober 2018 und war Sieger in der Kategorie »Konzert« bei den BBC Music Magazine Awards 2019. Destination Rachmaninov – Arrival kam im Oktober 2019 mit den Konzerten Nr. 1 und Nr. 3 heraus. Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 spielte Trifonov auch beim historischen DG120-Galakonzert in Pekings Verbotener Stadt, dessen Mitschnitt im Januar 2019 in unterschiedlichen Formaten veröffentlicht wurde.
Sein neuestes Album, Silver Age, das er mit dem Mariinski-Orchester und Valery Gergiev aufnahm, gilt Musik, die in einer turbulenten Ära der russischen Geschichte entstand. Es erscheint im November 2020 und enthält Skrjabins Klavierkonzert in fis-Moll, Prokofjews Klavierkonzert Nr. 2 in g-Moll und Strawinskys Trois Mouvements de Pétrouchka. Hinzu kommen Strawinskys Sérénade und Auszüge aus L’Oiseau de feu (arr. Agosti) sowie Prokofjews Sarcasmes, die Klaviersonate Nr. 8 und die »Gavotte« aus Drei Stücke aus »Aschenbrödel«.
Höhepunkte von Trifonovs Saison 2019/20 waren Rachmaninow-Konzerte in Seattle, San Francisco und Vancouver; eine Reihe von Recitals mit seinem Mentor Sergei Babayan in den USA, gekrönt durch einen Auftritt in der Carnegie Hall; Auftritte als Artist-in-Residence 2019/20 bei den New Yorker Philharmonikern mit Skrjabins Klavierkonzert, seinem eigenen Klavierquintett (New Yorker Erstaufführung) und Bachs Die Kunst der Fuge; Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 mit dem LA Philharmonic und Michael Tilson Thomas in Los Angeles; Beethovens Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 5 mit dem Philadelphia Orchestra und Yannick Nézet-Séguin; und weitere Aufführungen von Die Kunst der Fuge auf USA- und Kanadatournee.
Nach zwei Auftritten bei den Salzburger Festspielen in diesem Sommer begann Trifonov seine Saison 2020/21 mit einer Aufführung von Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 mit den Berliner Philharmonikern und Kirill Petrenko in der Berliner Philharmonie. Geplant für den Herbst sind Brahms’ Klavierkonzert Nr. 1 mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam und Lahav Shani in Rotterdam und Essen (1. – 4. Okober); Solorecitals mit Werken des 20. Jahrhunderts im Berliner Pierre Boulez Saal und der Hamburger Laeiszhalle (9. und 16. November); und Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 mit dem Gewandhausorchester Leipzig und Andris Nelsons in Leipzig, Hamburg und Paris (12./13., 17. und 21. November).
Daniil Trifonov kam 1991 in Nischni Nowgorod zur Welt als Kind zweier Berufsmusiker. »Mit fünf Jahren hatte ich ersten Klavierunterricht, ich komponierte auch und gab ständig Konzerte«, berichtet er. Als Achtjähriger trat er erstmals mit Orchester auf – ein Ereignis, das für ihn unvergesslich bleibt, weil er mitten im Konzert einen Milchzahn verlor. Als Student an der Gnessin-Musikschule in Moskau lieh er bei seiner Lehrerin Tatiana Zelikman historische Aufnahmen großer Pianisten aus und zog seine Lehren aus den Einspielungen von Rachmaninow, Cortot, Horowitz, Friedman, Sofronizki und anderen Vertretern eines goldenen Zeitalters des Klaviers. »Zu den heutigen Pianisten, die mich inspirieren, zählen Martha Argerich, Grigory Sokolov und Radu Lupu«, fügt er hinzu.
2008 gewann Trifonov den fünften Preis beim Vierten Internationen Skrjabin-Wettbewerb in Moskau. Im Jahr darauf begann er ein Klavierstudium bei Sergei Babayan am Cleveland Institute of Music, wo er auch Kom­positionsunterricht erhielt. 2011 gewann er den 13. Internationalen Rubinstein-Klavierwettbewerb in Tel Aviv, dann sicherte er sich den ersten Preis und den Grand Prix beim 14. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Er gewann dort zudem den Publikumspreis und den Preis für die beste Aufführung eines Mozart-Konzerts. Bei dieser Gelegenheit stellte Martha Argerich fest, Trifonov verfüge über »alles und noch mehr«, und diese Ansicht wurde seither bekräftigt durch begeisterte Rezensionen, Ovationen des Publikums, Residencies und internationale Preise, darunter die Auszeichnung als »Künstler des Jahres 2019« durch das Magazin Musical America.
9/2020
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