Camille Thomas | Offizielle Biografie

Camille Thomas

Optimismus, Vitalität und Ausgelassenheit gehören zur Persönlichkeit von Camille Thomas. Die junge französisch-belgische Cellistin, die im April 2017 einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon unterzeichnete, weiß um die Macht von Kunst, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Ländern und Lebens­umständen zueinander zu bringen. Ihre Liebe zum Leben und ihr Wunsch, den Hörern die Wunder und Emotionen der klassischen Musik zu eröffnen, prägen ihr Künstlertum. »Ich bin überzeugt, dass Musik die Herzen weiten und allen Gefühlen mehr Intensität geben kann«, erklärt sie. »Sie gibt Hoffnung auf die Schönheit und Größe der menschlichen Seele.«
Ihr zweites Album für Deutsche Grammophon, Voice of Hope, erscheint international am 20. März 2020 (USA: 3. April). Im Mittelpunkt steht die Welt-Ersteinspielung von Fazil Says Konzert für Cello und Orchester »Never Give Up«, die Antwort des Komponisten auf die terroristischen Attentate in Paris und Istanbul. Thomas brachte das ihr gewidmete Werk im April 2018 in Paris zur Uraufführung. Das Album, das mit dem Brussels Philharmonic und den Dirigenten Mathieu Herzog und Stéphane Denève aufgenommen wurde, enthält neben Bruchs Kol Nidrei auch Transkriptionen von Gesangsstücken unterschiedlichster Komponisten – von Purcell über Gluck, Bellini und Wagner bis zu John Williams. Es ist das erste klassische Album, das in Partnerschaft mit UNICEF entstand.
Camille Thomas’ Debüt-Album für das gelbe Label kam im Oktober 2017 heraus. Es stellte lyrische Werke für Cello und Orchester aus der französischen Romantik vor, wie Saint-Saëns’ Cellokonzert Nr. 1 op. 33 und »Les larmes de Jacqueline« aus Offenbachs Harmonies des bois op. 76. Aufgenommen mit dem Orchestre National de Lille und dem Dirigenten Alexandre Bloch gibt es auch Gastauftritte von Rolando Villazón und Nemanja Radulović. Die Kritiker zollten weithin Beifall (Gramophone:  »Camille Thomas … erschafft einen Klang, der mich sofort an heiße Schokolade denken lässt: köstlich, mit intensivem, wohltuendem Geschmack. Man weiß sogleich, dass man in guten Händen ist.«).
Camille Thomas wurde 1988 in Paris geboren. Im Alter von vier Jahren begann sie Cello zu spielen und machte so rasche Fortschritte, dass sie schon bald Unterricht bei dem angesehenen Lehrer Marcel Bardon erhielt. 2006 ging sie nach Berlin, um bei Stephan Forck und Frans Helmerson an der Hochschule für Musik Hanns Eisler zu studieren, und nach dem Examen setzte sie ihr Studium bei Wolfgang-Emanuel Schmidt an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar fort.
Schon bevor sie die Hochschule verließ, debütierte Camille Thomas in berühmten Konzertsälen wie Salle Gaveau und Théâtre des Champs-Élysées in Paris, Victoria Hall in Genf und Jerusalem Music Centre und wurde dort sofort wieder eingeladen. Die künstlerische Reife der jungen Cellistin trug ihr auch eine Reihe von Wettbewerbs-Preisen ein. Ihr internationaler Durchbruch erfolgte im Februar 2014, als sie bei den 21. Victoires de la Musique Classique – dem französischen Äquivalent der Grammy Awards – als »Nachwuchskünstlerin des Jahres« nominiert wurde. Acht Monate später gewann sie den Talentwettbewerb der Europäischen Rundfunkunion. Sie wurde von der Sendung C’est du Belge des belgischen Rundfunk- und Fernsehsenders RTBF in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Paris Match zur »Nachwuchssolistin des Jahres 2016« gewählt und im Januar 2018 in die renommierte Liste »30 Under 30« des Magazins Forbes aufgenommen.
Die Cellistin ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen ‒ in Sendungen wie Le Journal de 20h von TF1, Morgenmagazin und Weihnachten mit dem Bundespräsidenten des ZDF, Titel, Thesen, Temperamente der ARD, Capriccio des Bayerischen Rundfunks, Metropolis von ARTE, Kulturzeit von 3Sat sowie bei Deutsche Welle. Im Februar 2016 war sie Gast in Rolando Villazóns Sendung »Stars von morgen« bei Arte und kurz darauf erreichte sie online ein internationales Publikum, als medici.tv ihr erstes Konzert bei den Flâneries Musicales de Reims übertrug.
Neben ihrer solistischen Tätigkeit widmet sich Camille Thomas auch intensiv der Kammermusik. Ihr erstes Album A Century of Russian Colours, aufgenommen mit der Schweizer Pianistin Beatrice Berrut, erschien 2013 und erhielt viel Beifall der internationalen Kritik. Ihr zweites Album, Reminiscences, das mit dem belgischen Pianisten Julien Libeer aufgenommen wurde und im September 2016 herauskam, erhielt den Echo Klassik 2017 für die beste Kammermusikeinspielung (19. Jahrhundert) des Jahres.
Höhepunkte von Camille Thomas’ Saison 2018/19 waren Aufführungen von Fazil Says »Never Give Up« mit den Orchestre symphonique de Bretagne und die belgische Erstaufführung des Werks mit dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège. Sie spielte auch mehrfach das Cellokonzert von Lalo, unter anderem bei ihrem gefeierten ersten Auftritt mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia. Ebenso erfolgreich waren ihr Debüt in der Hamburger Elbphilharmonie und ihre Residency beim Ryedale Festival im Juli 2019, die auch ihr britisches Konzertdebüt einschloss (Elgar, mit dem Orchestra of Opera North in Scarborough).
Im September 2019 wurde bekannt gegeben, dass Thomas das Stradivari »Feuermann« für ein Jahr als Leihgabe der Nippon Music Foundation erhielt. Sie spielte dann in den USA Elgars Cellokonzert mit dem Illinois Symphony Orchestra und gab ein Solorecital in Mount Vernon (Illinois) sowie zwei Recitals mit dem Pianisten Julien Brocal, das zweite davon in der New York Town Hall. Zurück in Europa spielte sie die österreichische Erstaufführung von »Never Give Up« im Salzburger Mozarteum. Auf einer Konzertreise in den Nahen Osten gastierte sie vor Kurzem mit Bachs Cellosuiten im Opernhaus Dubai. Kommende Höhepunkte sind zwei Konzerte beim Piatigorsky International Cello Festival in Los Angeles (20. März); Repertoire aus Voice of Hope in einem Recital mit Julien Brocal beim Savannah Music Festival (11. April); Elgars Cellokonzert in der Philharmonie Essen mit den Essener Philharmonikern (26. und 27. März) und in Bielefeld mit dem WDR Sinfonieorchester (30. April); sowie Konzerte mit Daniel Hope in Berlin und Dresden (24. und 25. April).
2/2020