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Kultige Polkas und Walzer – Neues von den Wiener Sängerknaben

Wiener Sängerknaben
© Lukas Beck
13.09.2018
Gibt es einen Knabenchor, der flotte Tänze besser singt als die Wiener Sängerknaben? Kaum vorstellbar. Der kultige Chor aus der Donaumetropole ist wie kaum ein anderes Gesangsensemble der Welt mit wilden Polkas und süffigen Walzern vertraut.

Polkas und Walzer: Die Wiener Sängerknaben

So gehören die Tänze der Strauss-Dynastie schon seit den 1920er Jahren zum Kernrepertoire des Chors. Die Wiener Sängerknaben atmen die Straussens. Sie haben den unnachahmlichen Sound dieser erstaunlich produktiven Künstlerfamilie bis ins Mark verinnerlicht. Dabei ist die leichte Muse der Polkas und Walzer alles andere als einfach zu haben. Die sinnliche Ausdrucksfülle der Straussens verlangt ein Höchstmaß an Virtuosität und Feingefühl. Schon die Rasanz mancher Tänze fordert den jungen Sängern zwischen 9 und 14 Jahren alles ab.
“Je schneller die Musik, desto weniger Zeit hat man, um einen schönen, interessanten Klang zu entwickeln”, so Gerald Wirth, seit 2001 künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben, seit 2013 deren Präsident: “Es ist schwieriger, eine Polka gut zu singen als eine Renaissance-Motette.” Entscheidend ist das Lebensgefühl, das sich in den Tänzen Bahn bricht. Es geht darum, das Leben nach allen Regeln der Kunst zu feiern und zu genießen, und zwar schnell, denn es ist kurz.

Klezmer-Einflüsse und galizische Volksweisen: Johann Strauss II

Die Straussens wussten aus eigener Anschauung, wie unsicher und gefährdet die menschliche Existenz ist. Der Senior, der fünf Kinder mit seiner Frau Anna und acht Kinder mit seiner Geliebten hatte, zeigte deutliche Züge von innerer Getriebenheit. Sein Sohn Johann Strauss II, der spätere Walzerkönig, galt als grimmiger Eigenbrötler, der ironischerweise nicht tanzen konnte. Dennoch war er von einer unbändigen Lust am Komponieren beseelt und ließ sich von galizischen Volksweisen und Klezmer-Musik inspirieren.
Ob nun in der Phantasie oder auf dem Tanzparkett: In der Musik vergisst man die Alltagssorgen, und wer könnte diese Unbeschwertheit besser zum Ausdruck bringen als Kinder. Das neue Album der Wiener Sängerknaben beweist jedenfalls eindrucksvoll, wie mitreißend und charmant, ja wie mondän die Kunst der Polka und des Walzers ist. Die Zeit, in der man dieser Musik ein Bieder-Image überzustülpen versuchte, ist jedenfalls vorbei, was sicher auch der neu erwachten Begeisterung für den Schlager zu verdanken ist.             

Neues und Bewährtes: Banditen-Galopp, For Ever und Tritsch-Tratsch-Polka

Umso erfreulicher, dass sich die Wiener Sängerknaben in ihrem neuen Album nicht auf Altbewährtes beschränken. Die gerade in den Handel gekommene Veröffentlichung kann mit drei Ersteinspielungen aufwarten. “Matrosenpolka”, “Banditen-Galopp” und “For Ever” erscheinen erstmals auf CD. Die Texte von Tina Breckwoldt sind zum Schmunzeln gedacht.
Matrosen, Geister und Hamster schleichen sich in die schmissigen Klänge der Straussens ein. Besonders gelungen: der flotte “Banditen-Galopp”. Das Salonorchester “Alt Wien” zeigt sich hier auf dem Höhepunkt seiner furiosen Begleitkunst. Das Arrangement von Gerald Wirth greift auf Melodien der Strauss II-Operette “Prinz Methusalem” zurück.
Der Text dieser Schnellpolka, von den Jungs spürbar vergnügt geschmettert, handelt von einer Geisterjagd durch das Augartenpalais, die Schule der Wiener Sängerknaben. Aber auch auf Altbewährtes wie den “Radetzky-Marsch”, “An der schönen blauen Donau” oder die “Tritsch-Tratsch-Polka” darf man sich auf diesem neuen Album der Wiener Sängerknaben freuen.

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