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Meister der Kontraste — Maurizio Pollini interpretiert Chopin

Maurizio Pollini
© Cosimo Filippini
23.01.2019
In Maurizio Pollinis Spiel trifft große technische Perfektion auf innigen musikalischen Tiefgang und so sind seine Interpretationen von Frédéric Chopins anspruchsvollen Werken das perfekte Metier für den italienischen Klaviervirtuosen. Die reizvolle Mischung aus zwei Nocturnes, drei Mazurken, einer Berceuse und der Klaviersonate h-Moll op. 58 trägt von tänzerischer Anmut und Eleganz bis hin zu leiser Melancholie und spannungsgeladener Dramatik eine Fülle von Farben und Emotionen in sich.
Mit den ausgewählten Werken konzentriert Pollini sich auf die Schaffensjahre 1843 und 1844 und vermittelt so ein musikalisches Gefühl für die Entstehungszeit, in der sich Chopin — bis auf gemeinsame Sommeraufenthalte mit George Sand in Nohant — in seiner Wahlheimat Paris aufhielt. Die Kompositionen spiegeln Chopins Sinn für abwechslungsreiche Programme und sein Talent für kontrastreiche Inszenierungen auf kleinstem Raum wider, die die für ihn typische faszinierende Klangwelt ausmachen.
Maurizio Pollini kann auf eine intensive Auseinandersetzung mit Chopins Werk zurückblicken und ist als sensibler Tastenkünstler in den komplexen Partituren spürbar zuhause. Bereits mit 18 hat er den internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau gewonnen. Und so zeugt das aktuelle Album von einer langjährigen Beziehung zum Werk des polnischen Komponisten und von einem tiefen Verständnis für dessen Klangsprache.
Die beiden Nocturnes op. 55 verströmen Poesie und Expressivität und lassen gleich die musikalische Genialität spüren, die Chopin beim Komponieren stets aus der Feder geflossen ist. Kontrastreich, bis hin zur Widersprüchlichkeit, verbildlichen sie Chopins hohen Anspruch an Raffinesse und Ausdruckskraft. Die drei Mazurken op. 56 entführen die Ohren in Chopins polnische Heimat und schaffen damit reizvolle Bezüge zwischen volkstümlicher Bodenständigkeit und luftiger Virtuosität, die den selbstbewussten Charme der Kulturmetropole Paris ausstrahlt. Und auch die anmutige Berceuse in Des-Dur op. 57 bezaubert mit einer nahezu magischen Transparenz, in der sich melodischen Linien entfalten.
Chopins h-Moll-Sonate op. 58 ist als sein letztes Werk in dieser Form im Sommer 1844 entstanden und fasziniert durch ihren kontrastreichen Spannungsbogen, der lyrische Leichtfüßigkeit mit aufreibender Nervosität und Unruhe vereint. Maurizio Pollini kitzelt alle Schattierungen aus den Tasten und zeigt sich erneut als grandioser Vermittler von Chopins komplexer Musik. Mit schier endloser Energie lässt der italienische Pianist die Töne perlen, leuchten und sprechen — und schafft dabei sowohl den Raum für die Wucht großformatiger Akkorde, als auch für die kleinen Akzente und Wendungen, die Chopins Musik so raffiniert machen.

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