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Singen auf der Klaviatur – Die “Wilhelm Kempff Edition” der Deutschen Grammophon

Wilhelm Kempff
©Max Jacoby / DGG
23.07.2020
Beeindruckende 60 Jahre dauerte die Musikerkarriere des 1895 geborenen Pianisten Wilhelm Kempff, der zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts zählte. Den enormen Schatz an Aufnahmen, der sich über diesen langen Zeitraum angesammelt hat zu heben, hat sich Deutsche Grammophon jetzt aufgemacht. Im Oktober 2020 wird sie die große “Wilhelm Kempff Edition” veröffentlichen, eine prächtig ausgestattete 80-Alben-Box mit dem Vermächtnis, das der Pianist der Deutschen Grammophon hinterlassen hat. Übersichtlich angeordnet in vier Bereiche, präsentiert sie die gesamte Bandbreite seines Werks. Ergänzt werden die Aufnahmen durch ein 160-seitiges Booklet, das neben vielen Originalfotos auch neue Informationen zum Schaffen Wilhelm Kempffs enthält.
Die Konzertaufnahmen (14 CDs) etwa enthalten u. a. die fünf Beethoven-Konzerte in drei verschiedenen Einspielungen, Schumanns Klavierkonzert, das erste Brahmskonzert, Liszts erstes sowie etliche Klavierkonzerte von Mozart. Dass Kempff auch ein gefragter Kammermusiker war, macht die Aufführung seiner Partner deutlich, die uns im Bereich Kammermusik (14 CDs) begegnen, darunter Wolfgang Schneiderhan und Yehudi Menuhin für die Beethoven-Sonaten für Violine und Klavier, oder Pierre Fournier, mit dem er neben den Cellosonaten auch die Klaviertrios einspielte, gemeinsam mit Henryk Szeryng. Das umfangreiche Kapitel seiner Solo-Aufnahmen (46 CDs) enthält neben Werken von Bach, Brahms, Chopin, Händel, Liszt, Mozart und Schumann die beiden kompletten Sonatenzyklen von Beethoven aus den Jahren 1951–56 und 1964–65, sowie die Einspielung sämtlicher Schubertsonaten.
Ein ganz besonderes Kapitel innerhalb der Kempff-Edition bilden die auf sechs Tonträgern versammelten frühen Schellack-Aufnahmen, die in den Jahren von 1920 bis 1941 entstanden. Bereits auf ihnen wird das für Kempffs so typische “Singen auf der Klaviatur” deutlich. In der Zeit von 1925 bis 1941 unternahm er den ersten Anlauf zur Einspielung des Beethoven’schen Sonatenzyklus — vierundzwanzig sind es zunächst geworden. Sämtliche dieser Aufnahmen wurden noch in 78-er Geschwindigkeit realisiert. Das “Schellack”-Kapitel ist mehr als nur ein behutsam aufgearbeitetes, zugleich aufregendes Tondokument lange zurückliegender Aufnahmekunst.
Es ist, wie die ganze Box, Zeugnis und künstlerisches Vermächtnis, eines Pianisten, der zeitlebens weit davon entfernt war, den Virtuosen oder den “Beethoven-Artisten” zu mimen.

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