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Daniel Hope spürt auf “Irish Roots” seinen irischen Wurzeln nach

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©Stefan Cohen
06.06.2024
Wo stammt sie her, die eigene musikalische DNA und welche verschiedenen Einflüsse fließen in ihr ineinander und wirken fort? Diese Fragen beschäftigen den Geiger Daniel Hope seit vielen Jahrzehnten und haben ihn immer wieder aufs Neue inspiriert zum musikalischen Blick über den Horizont und dem Vereinen scheinbar unterschiedlicher Welten. Mit “Irish Roots” veröffentlicht der vielseitige Geiger nun ein besonders persönliches Album bei Deutsche Grammophon, auf dem er seinen irischen Wurzeln nachspürt und diese gemeinsam mit talentierten Musikerkollegen in unterschiedlichsten Werken ergründet. Das Album erscheint am 5. Juli bei Deutsche Grammophon.

Familiäre Wurzeln in Irland

Die Familiengeschichte von Daniel Hope ist eng mit Irland verknüpft und bis vor wenigen Jahren hatte der Geiger sogar ausschließlich die irische Staatsbürgerschaft, obwohl er selbst nie in Irland gelebt hat. Der Hintergrund: Daniel Hopes Urgroßvater väterlicherseits, Daniel McKenna, stammte aus der irischen Küstenstadt Waterford, verließ seine Heimat allerdings in den 1890er-Jahren, um in Südafrika ein neues Leben zu beginnen. Hopes Eltern wiederum mussten Südafrika aufgrund politischer Gründe verlassen und verloren die südafrikanische Staatsbürgerschaft. Nachdem sie zusammen mit ihrem Sohn staatenlos erst in Paris, dann in London strandeten, fand Hopes Mutter schließlich heraus, dass man die irische Staatsbürgerschaft beantragen kann, wenn man eine irische Großmutter hat. Dies gelang tatsächlich und Daniel Hope wurde erst Jahre danach klar, was das hieß: “Mir ist erst viel später klar geworden, dass das wahrscheinlich unsere Rettung war. Auf jeden Fall aber bedeutete es, dass wir in London bleiben und arbeiten konnten, was wiederum dazu führte, dass meine Mutter die Sekretärin von Yehudi Menuhin wurde”, so Hope.

Tänzerisch und faszinierend farbenreich: die irische Musik

So verbunden sich Hope dem Irland seiner Großeltern immer fühlte, so nahe fühlte er sich auch der irischen Musik. “Seit ich denken kann, höre ich gerne irische Musik”, erzählt der Geiger, lange aber habe er sich nicht getraut, sie öffentlich zu spielen, stattdessen begann er “im Stillen und ganz privat zu studieren, zu lesen und zu forschen”. Später wurde er bei seinen Forschungen unterstützt von dem Musikwissenschaftler Olivier Fourés, außerdem lernte er 2006 die preisgekrönte irische Band Lúnasa kennen – für Hope ein einschneidendes Erlebnis. Zehn Jahre später begleitete er sie erstmals bei einem Set, 2023 schließlich gaben sie ihr erstes komplettes gemeinsames Konzert beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Für Hope war das Ansporn und Ehre zugleich. So sagt er: “Die Mitglieder von Lúnasa haben mich in die Welt der irischen Musik eingeführt. Ich habe tagelang mit ihnen geprobt und mir stundenlang angesehen und angehört, wie Seán die Fiedel spielt, bevor ich es selbst versucht habe.”

Farbenreich und emotional: Das Programm von “Irish Roots”

Bei der Erarbeitung von “Irish Roots” war es das Ziel von Daniel Hope, das Programm so aufzufächern, dass es traditionelle irische Melodien ebenso umfasst wie barocke Stücke, die in Irland einst populär waren. “Die Verbindung zwischen Volksmusik und klassischer Musik in Irland hat mich immer mehr begeistert, insbesondere in ihrer außergewöhnlichen, kreativen Mischung”, sagt Hope. So finden sich auf dem Album neben irischer Musik, die jeder kennt, etwa die Stücke “Molly Malone” und “Danny Boy”, auch etliche Entdeckungen, die spannende Bezüge herstellen zwischen den verschiedenen Klangwelten. Darunter sind Werke von Komponisten wie dem einst in Dublin ansässigen gebürtigen Ungar Johann Sigismund Kusser oder dem anglo-irischen Musiker Thomas Roseingrave, außerdem der Hit “Red Haired Boy” der Gebrüder Flanagan. Italienische Einflüsse wiederum erklingen mit VivaldisKonzert Nr. 5 für zwei Violinen in A-Dur” aus dessen Sammlung “L’estro armonico, op. 3”, dem berühmtesten Werk im Irland des 18. Jahrhunderts, und in den Stücken des Barden und Harfenisten Turlough O’Carolan, der Elemente des italienischen Konzerts in seine Kompositionen einarbeitete und seinem Concerto deutlich auf das barocke Concerto grosso verweist. Ein besonderes Highlight ist zudem die kraftvolle “Phantasy für Geige und Kammerorchester” der Komponistin Ina Boyle.

Eine Feier der Freundschaft und Kulturen

Neben Daniel Hope und der energetisch aufspielenden Band Lúnasa sind auf dem Album zahlreiche weitere hochkarätigen Kollegen zu erleben, darunter die Harfenistin Siobhán Armstrong, die Flötisten Sir James und Lady Jeanne Galway, der Sänger Rea Garvey, der Multiinstrumentalist und Folkmusiker Ross Daly, der Geiger Simos Papanas , das Thessaloniki State Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Geiss und das Air Ensemble. Es ist diese Vielfalt der Interpreten und der Stücke selbst, die den besonderen Reiz des Albums ausmacht und die irische Musik als funkelndes Mosaik präsentiert, in dem verschiedenste Facetten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. “Alles auf dem Album ist auf diese Weise miteinander verbunden, durch Freundschaft und kulturellen Austausch – denn irische Musik hat sich immer schon an die ganze Welt gerichtet und irische Musiker und ihre Geschichte berühren die Menschen, ganz gleich, wohin das Leben sie verschlagen haben mag”, so Daniel Hope.

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