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Walter Braunfels Biografie

Walter Braunfels, wird am 19.12.1882 in Frankfurt als das jüngstes Kind des Juristen und Literaten Ludwig (Lazarus) Braunfels (1810–1883) und dessen um 32 Jahre jüngeren, zweiten Frau Helene, geb. Spohr, geboren. Nach dem Abitur und der Ausbildung am Hoch’schen Konservatorium, in das er bereits 1895 aufgenommen wird, beginnt er 1901 in Kiel ein Studium der Nationalökonomie, entscheidet sich dann aber für die Musik. Für ein Jahr zieht er 1902 nach Wien, um seine pianistischen Fertigkeiten bei Theodor Leschetitsky zu vervollständigen und lernt Theorie bei Karl Nawratil. Ab 1903 in München, wo er Kompositionsunterricht bei Ludwig Thuille erhält, trifft er auf die für ihn prägendste Lehrerpersönlichkeit: den Dirigenten Felix Mottl. Als dessen Assistent arbeitet er ab 1903 am Nationaltheater München. Auch als Pianist tritt Walter Braunfels ab 1903 regelmäßig öffentlich auf.

Erste größere Erfolge als Komponist hat er ab 1909 mit der Uraufführung seiner Symphonischen Variationen op. 15 unter Hermann Abendroth in Lübeck und mit seiner ersten Oper, Prinzessin Brambilla op. 12 (nach E.T.H. Hoffmann) unter Max von Schillings in Stuttgart. Im gleichen Jahr heiratet er Berta von Hildebrand, jüngste Tochter des Bildhauers Adolf von Hildebrand. Der erste Weltkrieg (Einberufung 1915, Fronteinsatz in Frankreich, Verwundung) stellt nicht nur in musikalischer Hinsicht einen Wendepunkt in seinem Leben da. Traumatisiert durch die Fronterlebnisse und dankbar, das Inferno überlebt zu haben, konvertiert der Protestant Walter Braunfels zum Katholizismus. Seine Oper „Die Vögel“ (nach Aristophanes), 1920 von Bruno Walter im Münchner Nationaltheater uraufgeführt, war ein Sensationserfolg und bedeutete seinen musikalischen Durchbruch.

Braunfels’ Werke, wie etwa die „Phantastischen Erscheinungen eines Themas von Hector Berlioz“, das „Te Deum“, „Don Gil von den grünen Hosen“ , die große Messe und die „Don Juan-Variationen“ wurden von namhaften Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer und Schillings aufgeführt und standen auf den Spielplänen fast aller deutschen Bühnen und Konzerthäuser. Sie fanden auch international große Anerkennung. Im Jahre 1923 wird Braunfels Mitglied der Berliner Akademie der Künste und 1925 zusammen mit Abendroth zum Gründungsdirektor der Kölner Musikhochschule bestellt.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 werden sämtliche Werke des sogenannten „Halbjuden“ Braunfels verboten; er hatte sich als unerwünscht aus allen öffentlichen Ämtern zurückzuziehen. Ausdrücklich untersagte ihm die Reichsmusikkammer jedwede musikalische Betätigung. Da er sich nicht in der Lage sieht zu emigrieren, zieht er mit seiner Familie an den Bodensee, nahe der grünen Grenze zur Schweiz. Zwischen 1933 und 1945, in der inneren Emigration, entstehen unter anderem drei Opern, „Die Verkündigung“ (nach Paul Claudel), „Traum ein Leben“ (nach Grillparzer) und „Jeanne d’Arc - Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna“ (nach den Prozessakten), vier Kantaten, drei Streichquartette und ein Quintett.

1945, nach Kriegsende setzt Konrad Adenauer Walter Braunfels wieder als Direktor der Kölner Musikhochschule ein. Während der Zeit des Wiederaufbaus und auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1950 entstehen noch diverse Kompositionen, u.a die Sinfonia Concertante op. 68, die Sinfonia brevis op. 69, die Hebridentänze op. 70 und ein Passionsspiel op. 72. Er stirbt am 19.3.1954 in Köln. Nach 1945 konnten sich seine Werke nur schwer gegenüber der favorisierten seriellen Musik behaupten. Seit den 90er-Jahren werden seine Kompositionen, die eigenständig zwischen Spätromantik und Klassischer Moderne stehen, wieder häufig und mit internationalem Erfolg aufgeführt.

Susanne Bruse