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Artikel

24.02.2010

Zeit für Leidenschaften

Valery Gergiev, Zeit für Leidenschaften Collectors Edition Komponisten

Man sollte meinen, im Zeitalter von Youtube und der schier unendlichen Datenvielfalt im Internet würde  das Sammlertum langsam zum Auslaufmodell. Aber das Gegenteil ist der Fall. Überall wird gesammelt, nahezu alles kann zum Objekt der Leidenschaft werden. Der Trend wird eher noch angeheizt und so passt eine Serie wie die „Collectors Edition“ perfekt zum Esprit der Gegenwart. Denn auch hier geht es im Vollständigkeit, um umfangreiche Ausgaben der sinfonischen Gesamtwerke von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler oder auch um die kompletten Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart. Alle Ausgaben sind remastert und mit neuen Booklet-Texten versehen, in pfiffigem Outfit und zu einem konkurrenzlos günstigen Preis zu haben.

Bach war der Meister. An ihm maßen sich die Koryphäen der Folgezeit, zumindest solange, bis sie selbst künstlerisch über den Standard der Epoche herausreichten. Mozart zum Beispiel war häufig bei den Hauskonzerten Gottfried van Swietens in Wien zu Gast in Wien. Der Komponist war als Pianist und Begleiter gerne gesehen und wurde sogar beauftragt, für die Sonntagsmusiken eigene Transkriptionen zu schreiben. Das war nicht nur eine gute Übung, sondern auch eine hervorragende Demonstration handwerklicher Raffinesse. Mozart bearbeitete Stücke aus dem zweiten Band des „Wohltemperierten Klaviers“ (KV 405) und komponierte anno 1783 sogar eigens eine „Fuge in c-moll für zwei Klaviere“, die an die Fuge f-moll aus Bachs Vorlage erinnerte und 1788 für chorisch besetztes Streichensemble mit Kontrabass (KV 546) bearbeitete. Es sollte nicht die einzige Arbeit für kleine Streicherbesetzung bleiben. Im Laufe der Jahre entstanden mit den Streichquartetten Meisterwerke ihrer Gattung, die das Amadeus Quartett in inzwischen legendären Einspielungen ursprünglich für Langspielplatte festhielt. Für die „Collectors Edition“ wurden die Werke auf sechs CDs zusammengefasst und bieten damit einen faszinierend prägnanten Einstieg in die Geheimnisse der Kammermusik.

Gustav Mahler hingegen war ein Liebhaber der großen Form. Seine zehn Sinfonien gehören zu den Fundamenten der Orchesterkunst und natürlich fühlte sich auch ein Maestro wie Leonard Bernstein herausgefordert, sie vollständig einzuspielen. Die Sammlung der „Collectors Edition“ zeigt ihn dabei an der Spitze des Royal Concertgebouw Orchestras, der New Yorker und Wiener Philharmoniker, jedes mal als Derwisch der Klangkunst, der den Weltklasseensembles bewegende musikalische Stunden abtrotzt. Weitere Höhepunkte der optisch und akustisch frisch gestalteten „Collectors Edition“ sind Sir John Eliot Gardiners Interpretationen der neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique, die umfassende Antonin Dvorak-Edition mit Witold Rowicki am Pult des London Symphony Orchestras, Bernard Haitinks Umsetzung aller Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt und die Prokofieff Opern-Edition unter der Leitung von Valery Gergiev.

Pünktlich zum Chopin-Jahr wurde außerdem die Kompletteinspielung von dessen Klavierschaffen durch Vladimir Ashkenazy in einer Box mit 13 CDs zusammengefasst und natürlich gehört auch eine Folge mit Werken von Johann Sebastian Bach zur „Collectors Edition“. Dabei handelt es sich um die berühmten Aufnahmen der Orgelwerke durch den Briten Simon Preston, der sich allerdings auf eine Auswahl beschränkt hat, die immer noch 14 CDs füllt. So steht fest: Wer immer sich für umfassende Darstellungen klassischer Meisterwerke interessiert, der kommt mit der „Collectors Edition“ auf seine Kosten. Denn prägnanter, hochqualitativer und zugleich preiswerter kann man Musik kaum sammeln.