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07.04.2010

Der Meister

Ravi Shankar, Der Meister Ravi Shankar

Selten sind sich Kollegen und Kommentatoren so einig wie im Fall von Ravi Shankar. Denn der Sitar-Virtuose gilt unangefochten als der größte indische Musiker seiner Generation, für manche sogar des vergangenen Jahrhunderts. Am 7.April 2010 wird Ravi Shankar 90 Jahre alt und aus diesem Grund hat die Deutsche Grammophon seine zentralen Aufnahmen, die für das Label entstanden, in einer 3CD-Box zusammengefasst. Sie trägt den schlichten, aber passenden Titel „The Master“.

Als junger Mann spielte Ravi Shankar Tanzmusik, bevor er sich 1938 entschloss, bei dem Guru Ustad Allauddin Khan in die Lehre zu gehen. Geboren in Varanasi, der heiligen Stadt des Hinduismus am Ufer des Ganges, als Sprössling einer gehobenen Brahmanen-Kaste, war er kosmopolitisch und weltoffen erzogen worden, hatte aber seine traditionellen Wurzeln nicht vergessen. Sechs Jahre lang ließ er sich ausbilden, erwies sich als ebenso begabt wie kreativ und progressiv. Shankar gründete 1949 bei All-India-Radio das Indian National Orchestra, das er bis 1956 leitete und erarbeitete sich Schritt für Schritt den Ruf eines international angesehenen Virtuosen und Meister seines Fachs. Anno 1962 hob er die Kinnara School For Music in Bombay aus der Taufe, reiste vermehrt auch durch die westliche Welt und wurde vor allem durch die Bekanntschaft mit George Harrison zu einer Ikone der Hippie-Ära.

Das führte dazu, dass er als klassischer indischer Musiker auch auf der Bühne des legendären Woodstock-Festivals saß, allerdings als letztes Event dieser Art mit Ausnahme des von Harrison organisierten Concert for Bangladesh 1971, weil ihm die einseitige Interpretation der indischen (Musik)Kultur durch die Blumenkinder (Indien = Kamasutra & Haschisch) missfiel. Zu dieser Zeit hatte längst auch die Würdigung Shankars durch die klassische Musikszene eingesetzt. Mit den Geiger Yehudi Menuhin verwirklichte er „East meets West“-Konzerte (1967 und 1976). Konzerte mit Sinfonieorchester versuchten, die Sitar auch in das europäische Klanggewand zu kleiden. Allerdings blieb Ravi Shankar immer dann am stärksten, wenn er sich auf die ursprüngliche indische Musik und Kombinationen, die von ihr ausgingen, konzentrierte. Er komponierte und interpretierte zahlreiche Ragas, brachte ihren Klang und ihre Denkweise der westlichen Welt näher, auch wenn sie sich weiterhin in vieler Hinsicht voneinander unterschieden. Das wird auch auf der edel gestalteten Jubiläums-Box „The Master“ deutlich. Sie präsentiert Ravi Shankar mit drei verschiedenen Projekten:

Die erste CD dokumentiert einen Morgen-Raga und einen Abend-Raga Shankars, die mit ihren Tonumspielungen und Progressionen zum einen nach der Reinheit des Tons suchen, auf der anderen Seite den jeweiligen Stimmungen des erwünschten Gemütszustand nachspüren. Die zweite CD geht auf eine Radiosendung im Februar 1948 zurück, als der junge Musiker gefragt wurde, ob er wenige Tage nach der Ermordung Mahatma Gandhis ein Stück zu dessen Ehren schreiben könnte. Die dritte CD schließlich bringt Ravi Shankar mit Musikern des japanischen Kulturkreises zusammen, deren Musik mit Koto und Sakuhachi er mit der indischen Tradition verknüpft. So entsteht ein umfassendes akustisches Bild eines charismatischen und produktiven Künstlers, der den Blick über den kulturellen Tellerrand nie gescheut hat, zugleich aber fest in seiner eigenen Überlieferung verwurzelt blieb – das Portrait eines Meisters, der viele Menschen inspiriert hat.