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24.02.2010

Orlando - rasender Liebeswahn

Orlando - rasender Liebeswahn Monika Rittershaus Orlando ©Monika Rittershaus

In Skandinavien ist er ein Regiestar, hat die wichtigsten Theaterpreise in Norwegen, Schweden und Dänemark erhalten. Jetzt gibt er ein doppeltes Debüt an der Komischen Oper Berlin: Der norwegische Regisseur Alexander Mørk-Eidem inszeniert mit Händels Orlando zum ersten Mal eine Oper und arbeitet gleichzeitig zum ersten Mal in Deutschland. ”Er zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Originalität aus. Er ist innovativ, phantasie- und kraftvoll und vergisst darüber nie das Stück, das es zu erzählen gilt.”, schwärmt Intendant Andreas Homoki über ihn. Der Dirigent der Neuproduktion ist Alessandro De Marchi, der vor zwei Jahren an der Komischen Oper mit großem Erfolg bereits Händels Theseus dirigierte. Sein erklärtes Ziel mit dieser Neuproduktion ist es, “die ungeheuer farbenreiche, packende Orlando-Musik in ihrer ganzen Dramatik zum Leuchten [zu] bringen”.

Händels tragikomische Oper über den legendären Krieger Orlando – der vor Eifersucht und Rachedurst den Verstand verliert – beleuchtet die Macht der Gefühle in all ihren Facetten: von zarter Entdeckung ersten Verliebtseins bis zum rasenden Liebeswahn. Orlando und seinen drei Liebes- und Leidesgenossen steht der Magier Zarathustra gegenüber oder auch mal im Weg, während er immer wieder ins Geschehen eingreift und heimlich alle Fäden in der Hand hält. Bis sein Experiment aus den Fugen gerät ...

Zu Händels Zeiten wurden die Männerrollen in der Oper mit Kastraten besetzt. “Aus der Frage, was männlich und was weiblich ist, entstand damals absichtlich eine Kunst der Konfusion. Daher finde ich es toll”, sagt Dirigent De Marchi, “wie Alexander mit den Travestierollen, den Kriegern Orlando und Medoro, umgeht. Es ist szenisch wie musikalisch nämlich egal, ob es Frauen oder Männer sind, denn es geht um die Liebe an sich.” ... “Genau!”, ergänzt Regisseur Alexander Mørk-Eidem, “da hier die Liebe grundsätzlich diskutiert wird, spielt es keine Rolle, ob sie zwischen Mann und Frau oder zwischen zwei Frauen stattfindet. Normalerweise verwenden Sängerinnen viel Energie darauf, glaubhaft einen Mann auf der Bühne darzustellen. Ich halte das für überflüssig.”

 Das skandinavische Team legt die Handlung in einem Flower-Power-Ambiente der 60er-70er-Jahre an, in einem nordischen Nadelwald, fernab der Zivilisation. In dieser Umgebung sorgt Orlando in seinem Liebeswahnsinn nicht nur für die Zerstörung einer Natur-Idylle, sondern wird zur akuten Gefahr für Leib und Leben seiner Mitmenschen.

Am 26. Februar um 19.30 Uhr feiert Händels selten gespielte Oper ihre Premiere an der Komischen Oper Berlin. Restkarten unter www.komische-oper-berlin.de sowie telefonisch unter 030-47997400. Weitere Vorstellungen finden am 7., 13., 18. und 27. März, am 3. und 18. April sowie am 16. Juli statt.

Foto von Monika Rittershaus. Links im Bild Mariselle Martinez als Orlando, rechts Julia Giebel als Dorinda.