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11.11.2009
Claudio Abbado

Der Reiz des Gemeinsamen

Claudio Abbado, Der Reiz des Gemeinsamen © Marco Caselli Nirmal / DG Martha Argerich und Claudio Abbado © Marco Caselli Nirmal / DG

Spannend ist der Blick auf die Coverbilder. Mal sieht man eine junge Frau am Flügel sitzen, mit forschendem Ausdruck, wissend, aufmerksam, dem Kern dessen auf der Spur, was sich in und hinter den Notentexten verbirgt. Dann wieder ist es die gereifte Regentin der Kunst, locker und souverän, eine Künstlerin, die mit jeder Nuancen Klarheit und Übersicht ausdrückt. Und doch ist es immer Martha Argerich, die im Laufe der Dekaden ihres Könnens weltweit ein treues, begeistertes Publikum hingerissen hat. Denn sie ist eine der größten Pianistinnen der vergangenen Jahrzehnte, deren umfangreichem Schaffen sie eine eigene Sammlung widmet. „Martha Argerich – The Collection Vol.2“ versammelt nun auf 7 CDs alle Aufnahmen von Klavierkonzerten, die die Künstlerin für die Deutsche Grammophon verwirklicht hat.

Es ist auch eine Frage der persönlichen Vorlieben. Im Jahr 1983 hat Martha Argerich ihre letzten großen Solo-Aufnahmen gemacht. Damit war für die argentinische Klaviermeisterin eine Phase ihres Künstlerlebens abgeschlossen, das sie beinahe drei Jahrzehnte lang auf alle großen Bühnen der Klassikwelt geführt hatte. Was folgte, war eine Konzentration auf Kammermusik und Klavierkonzerte, denn Soloauftritte empfand sie in zunehmendem Maße als „leeren Raum“, der sie umgab und eigentlich mit anderen Künstlern gefüllt hätte werden können. „Ich brauche Gesellschaft auf dem Podium“, meinte sie in einem Interview mit Alberto Porthugeis, „und wenn ich mit anderen Menschen Musik mache, bin ich in bester Gesellschaft und fühle mich nicht mehr so einsam“. Es war daher nicht nur eine kurzfristige Entscheidung, sondern ein grundlegender Entschluss, der Martha Argerich mit verändertem Repertoire und neuen, aufregenden künstlerischen Partnern zusammen führte.

Einer von ihnen war Claudio Abbado. Der Dirigent aus Mailand hatte sich seit den späten Fünfzigern  über die Stationen Tanglewood, La Scala, New York und Salzburg den Ruf erworben, eine der fähigsten Pultkoryphäen der jungen Generation zu sein. Außerdem gehörte er zum Künstlerkreis der Deutschen Grammophon und so wundert es wenig, dass er eines Tages auch mit Martha Argerich zusammen traf. Die beiden Jungstars verstanden sich schnell und so kam es im Jahr 1967 zu ersten gemeinsamen Aufnahme. Auf dem Programm standen das „3. Klavierkonzert“ von Sergei Prokofiev und Ravels „Klavierkonzert G-Dur“. Es wurde so, wie beide Seiten es sich erhofft hatten. Denn Abbado führte die Berliner Philharmoniker mit Feuer, Argerich konterte mit pianistischer Leidenschaft und so war ein konzertantes Traumpaar gefunden, das sich bereits wenige Monate später zu einem zweiten Aufnahmetermin einfand. Diesmal standen die ersten Klavierkonzerte von Franz Liszt und Frédéric Chopin auf dem Programm. Wieder brillierten die beiden Künstler und schufen preisgekrönte Interpretationen.

Ravels Konzert übrigens wandten sich Abbado und Argerich fast zwei Jahrzehnte später noch einmal zu, außerdem hörte man sie mit Tschaikowsky in den Neunzigern wieder. Darüber hinaus aber kooperierte die Pianistin auch mit anderen Maestri der Zunft. Mit Charles Dutoit beispielsweise spielte sie 1970 das mächtige „1.Klavierkonzert“ von Peter Tschaikowsky zum ersten Mal ein. Kammerorchestral arbeitete sie mit Gidon Kremer als zweitem Solisten und dem „Concerto für Violine, Klavier und Orchester d-Moll“ von Felix Mendelssohn. Giuseppe Sinopoli stand ihr für die ersten zwei Beethoven-Konzerte zur Seite und auch der famose Mstislav Rostropovich dirigierte für Martha Argerich, in diesem Fall Schumann und das zweite Konzert von Chopin. So ist „The Collection 2 – The Concerto Recordings“ zum einen eine famose Zusammenschau kollektiver Kreativität einer großen Pianistin und ebenso herausragender Dirigenten, zum anderen aber auch eine Sammlung klassischer und romantischer Meisterwerke, die in dieser Intensität kaum anderswo vergleichbar kompakt und konzentriert zu finden sein werden.

Weitere Informationen über Martha Argerich und Claudio Abbado finden Sie auf KlassikAkzente.