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04.11.2009

Klangfarbenfestival

Eberhard Weber, Klangfarbenfestival © Jörg Becker / ECM Records Eberhard Weber © Jörg Becker / ECM Records

Ein wahres Festival an Klangfarben bietet die 3-CD-Box mit den Aufnahmen, die Eberhard Weber mit seiner Band Colours für ECM machte. In der Box, die nun im Vorfeld zur Feier des 70. Geburtstags des Bassisten veröffentlicht wird, sind die drei zwischen 1975 und 1980 entstandenen Originalalben "Yellow Fields", "Silent Feet" und "Little Movements" zusammengefasst. In den sechs Jahren, die diese Band existierte, war Colours eines der populärsten Ensembles der europäischen Jazzfestivalszene. Dem Aufbruchsgeist jener Jahre gehorchend, ließen Eberhard Weber und seine musikalischen Gefährten einengende stilistische Grenzen hinter sich. Die Band bewies einen dezidiert europäischen Einfluß, spielte mitunter geradezu kammermusikalische oder minimalistische Kompositionen von starker Bildkraft, griff andererseits aber auch einige belebende Elemente des noch jungen Jazz-Rock auf.

Besetzt hatte Weber seine Band unter anderem mit dem amerikanischen Saxophonisten Charlie Mariano, der Anfang der 70er Jahre nach Europa gezogen war, von dort aber mehrfach zu längeren Studienaufenthalten nach Südindien reiste. Mariano bereicherte das Klangspektrum des Ensembles mit den exotischen Sounds der oboenähnlichen indischen Blasinstrumente Nagaswaram und Shenai. Der Keyboarder Rainer Brüninghaus, der wie Mariano auf allen drei Colours-Alben mitwirkte, war schon ein wichtiger Mitstreiter Webers bei der Einspielung von dessen preisgekrönten ECM-Debütalbum "The Colours Of Chloë" gewesen, das die Basis für die Gründung der Band Colours schuf. Der Schlagzeuger des ersten Colours-Album "Yellow Fields" war der Norweger Jon Christensen, mit dem Weber zuvor bei Ralph Towners "Solstice"-Projekt zusammengearbeitet hatte. Für ihn kam 1977 der frühere Soft-Machine-Drummer John Marshall in die Band, der den beiden folgenden Colours-Alben "Silent Feet" (1977) und "Little Movements" (1980) einen etwas jazz-rockigeren Beat verlieh.

Eberhard Weber selbst war weltweit einer der ersten Bassisten, der sich von der Rolle des reinen "time keepers" emanzipiert hatte. In seiner Band Colours war er Seite an Seite mit Mariano und Brüninghaus einer der Hauptsolisten und auch maßgeblich für die melodische Gestaltung zuständig. Seinen einzigartigen singenden Ton - der rund, volltönend und sehr warm ist - verdankte er nicht zuletzt einem speziell für ihn konstruierten elektrischen Kontrabass. So wie Eberhard Weber hatte noch nie zuvor ein Bassist geklungen... und obwohl später viele Bassisten versuchten, seinen Klang zu kopieren, ist es bis heute keinem wirklich gelungen.

Lesen Sie auch das aktuelle JazzEcho-Interview mit Eberhard Weber.