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02.09.2009

Robert Sadin - Art of Love: Aus der neuen Renaissance-Welt

Robert Sadin, Robert Sadin - Art of Love © Deutsche Grammophon Robert Sadin - Art of Love

Liebe ist eine Kunst. Ein Gedanke, der heutzutage ein wenig verwundern mag angesichts der Omnipräsenz des Körperlichen. Vor 700 Jahren allerdings musste, wer wirklich Liebe ernten wollte, wirklich dafür arbeiten. Ganze Literaturgattungen kannte das Hochmittelalter, die sich mit Minne, Troubadouren und Frauendienst beschäftigten. Und auch an der Schwelle zur Neuzeit hatte sich daran noch wenig geändert. Der Komponist und Dichter Guillaume des Machaut gehörte zu denen, der dem Gedanken der Liebe als Kunst im Wechselspiel mit dem Intellekt und philosophischen Gedankengängen seinen Platz einräumte. Die Musik, die daraus erwuchs, faszinierte schon seine Zeitgenossen und zieht bis heute Künstler in ihren Bann. Einer davon ist Robert Sadin, Dirigent und Produzent, Querdenker und Visionär, der sich nun mit „Art Of Love“ aus ungewohnter Sicht dem Komponisten der Frührenaissance widmet. Denn er hat Jazz-Kollegen von Brad Mehldau bis Madeleine Peyroux und Milton Nascimento bis Romero Lubambo gebeten, bei dieser Hommage mitzuwirken.

Es ist ein Projekt vieler Ebenen. Da sind zum einen bereits die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten der Texte. „Alle Gedichte von Machaut folgen dem Konzept der 'Höfischen Liebe'“, erläutert Robert Sadin den Hintergrund der poetischen Vorlagen. „Gemäß dieser Tradition entwickelte ein Ritter ein idealisiertes Bild einer Dame am Hofe, die bereits verheiratet war. Sie wurde für ihn zur Obsession, die gerade durch die Unerreichbarkeit die Verehrung unterstützte“. Die Kunst bestand nun darin, sich genau dieses Idealbild zu erhalten, obwohl die Realität vollkommen anders aussah. Dadurch entstand aber ein Geflecht von Widersprüchen und Anknüpfungspunkten, das Robert Sadin reizte. Für jemanden seiner Erfahrung, der mit Kathleen Battle schon genauso gearbeitet hat wie mit Wynton Marsalis, der als Produzent von Herbie Hancocks Album „Gershwin's World“ mit drei Grammys bedacht wurde und der auch als Leiter des Lincoln Center Jazz Orchestras sich als Souverän der Klanggestaltung bewiesen hat, sind Grenzüberschreitungen gerade die besondere Würze des musikalischen Alltags. „Am meisten fasziniert es mich, wie sich diese Melodien quasi von selbst in mein Gedächtnis und meine Psyche eingegraben haben. Wie ist es möglich, dass diese Sequenzen von Noten mehr als 700 Jahre nach ihrer Entstehung noch so eine große Wirkung haben können? Für mich ist das ein Mysterium“.

Und ebenso unglaublich ist es, wen Robert Sadin für „Art Of Love“ alles gewinnen konnte. Am Klavier hört man Brad Mehldau, den führenden Neoromantiker des Jazzklaviers der Gegenwart. Für viele Gitarrenpassagen ist Lionel Loueke zuständig, der sonst bei Herbie Hancock seine Brötchen verdient. Sängerin Madeleine Peyroux empfiehlt sich mit einigen gesprochenen Versen, einer der Saxofon-heroen der jungen New Yorker Szene Seamus Blake fügt pointierte Bläser-Töne hinzu, weitere Stars des Business wie der brasilianische Sänger Milton Nascimento, der Percussionist Cyro Baptista, die Sängerin Celena Shafer und der Geiger Mark Feldman komplettieren das Line-Up der stilistischen Weltenwanderer. So konnte ein Album entstehen, das in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fällt und selbst den Spiritus Rector des Projektes immer wieder überrascht. Denn „Art Of Love“ bleibt für Robert Sadin ein kleines Wunder: „Obwohl die originalen Verse oft überholt wirken, ist die Musik doch außerordentlich frisch. Die Melodien und Harmonien sind weit von heutigen klassischen Konventionen entfernt, sie sprechen sogar direkter und profunder zu uns als manches andere.