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06.07.2009

Grusins und Ritenours Zauberklänge

Dave Grusin, Grusins und Ritenours Zauberklänge Dave Grusin & Lee Riteneur © Lance Staedler / DECCA

Es gibt Musiker, die können eigentlich alles spielen. Dave Grusin und Lee Ritenour gehören zu dieser privilegierten Schicht und sie haben das während der vergangenen Jahren von Jazz über Pop bis Klassik in den unterschiedlichsten Zusammenhängen bewiesen. Das gibt ihnen eine besondere Freiheit, sich ohne stilistische Vorbehalte an Projekte zu wagen, die wie „Amparo“ über die Mauern der unterschiedlichen Gattungen hinweg blicken. Tango trifft auf Bossa Nova, Gabriel Fauré auf Antonio Carlos Jobim, Maurice Ravel auf Tomaso Albinoni und Gäste wie der Opernstar Renée Fleming, der Geigenvirtuose Joshua Bell, der Jazz-Trompeter Chris Botti oder der Blues-Sänger James Taylor ergänzen dieses Rendezvous mit reizvollen Akzenten. Unterm Strich ergibt das ein Album, das alle Klischees des Crossovers hinter sich lässt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Pianist Dave Grusin und der Gitarrist Lee Riteour sich an die Fusion der musikalischen Welten wagen, denn bereits im Jahr 2000 ist ihnen mit dem Album „Two Worlds“ ein erstes Meisterstück der Grenzüberschreitung gelungen. Allerdings ist es auch kein Wunder, dass dieses Duo angesichts der angesammelten musikalischen Kompetenz souverän mit den verschiedenen Klangtraditionen umgeht. Dave Grusin zum Beispiel fing früh an, sich für musikalische Grenzüberschreitungen zu interessieren. Im Jahr 1934 in Denver, Colorado, geboren, studierte er zunächst Klavier, Komposition und Harmonielehre an der ortsansässigen Universität und lernte sein Handwerk als Sideman durchreisender Jazzkollegen wie Terry Gibbs und Johnny Smith. Seit Ende der Fünfziger in New York, verdiente er sein Geld als musikalischer Leiter von Theater- und Fernsehprojekten, arbeitete mit Quincy Jones und Benny Goodman ebenso wie mit Mel Tormé und Catharina Valente. Von 1967 an entdeckte Grusin die Filmmusik für sich („Divorce In American Style“, „Graduate“, „Suzy And The Baker Boys“ u.a.), arrangierte häufig für Kollegen (Nancy Wilson, Al Jarreau) und fungierte als Produzent von Musikern wie Chick Corea, Diane Schuur, Kevin Eubanks, Eddie Daniels.

Gemeinsam mit Larry Rosen gründete er die Plattenfirma GRP (Grusin Rosen Productions), die sich seit den achtziger Jahren zum angesehenen Forum für edel produzierte Jazz-Produkte entwickelte. Eigene Projekte wiederum führten ihn regelmäßig mit den Eckpfeilern der amerikanischen Musik von George Gershwin bis Duke Ellington zusammen. In Lee Ritenour fand er bereits früh einen ebenbürtigen Partner. Der 1952 in Hollywood, Kalifornien, geborene Gitarrist gründete in den bewegten Hippie-Zeiten die erste eigene Combo The Esquires. Es blieb jedoch nicht bei den jugendlichen Anfängen. Noch im selben Jahr verfeinerte er seine Fertigkeiten im Unterricht bei Joe Pass (Jazz) und Christopher Parkening (Klassik). Sein Debut als Profi gab Ritenour kurz darauf bei Sergio Mendes, der den Youngster mit auf eine Tournee nach Japan nahm. Die siebziger Jahre waren daraufhin bestimmt durch zahlreiche Club- und Studio-Jobs in Los Angeles, die Ritenour schrittweise mit der Crème der Szene bekannt machten. Er arbeitete mit Herbie Hancock und Oliver Nelson, jammte mit Gato Barbieri und Peggy Lee, bis er sich den Ruf erworben hatte, einer der prägnantesten und zuverlässigsten Session-Musiker seiner Generation zu sein.

Die neunziger Jahre schließlich etablierten ihn als führenden Instrumentalisten des Smooth Jazz und so passen Grusin und Ritenour gut zusammen. Seit rund einem Vierteljahrhundert verwirklichen sie gemeinsam Projekte, vom klassischen Duo-Album „Harlequin“ bis hin zu erfolgreichen Filmmusiken wie „Tootsie“, „The Milagro Bean Field War“ oder „The Fabulous Baker Boys“. Das Album „Amparo“ nun führt sie zurück zu ihren eigenen Annalen, in denen sie nach neun Jahren Albenpause ein weiteres gemeinsames Kapitel aufschlagen. Und es ist auch ein Ausflug in die Musikgeschichte an sich, denn das inhaltliche Spektrum der Aufnahmen reicht von südamerikanische Impressionen über Volksliedhaftes bis hin zu einem „Scherzano“ aus Georg Friedrichs Händels „Rinaldo“ oder auch einer „Sicilienne“ aus Gabriel Fauré „Pelléas et Mélisande“. Faszinierend ist die Spielkultur der beiden Protagonisten, die genau die richtige Balance zwischen romantischem Flair und künstlerischem Anspruch finden. Stellenweise dezent orchestriert, darüber hinaus famos ergänzt um wunderbare Gäste, die wie Renée Fleming mal fragile Vokalisen in Faurés „Pavane“ einfügen, mal wie Joshua Bell Jobims „Olma Maria (Amparo)“ in ein kammermusikalisches Albumblatt verwandeln, ist auf diese Weise ein Album entstanden, dem es gelingt, vom ersten bis zum letzten Ton zu verzaubern.