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24.06.2009
John Eliot Gardiner

Von Dowland bis Mendelssohn – der Sommer bei audior

John Eliot Gardiner, Von Dowland bis Mendelssohn – der Sommer bei audior © Sheila Rock / DG Sir John Eliot Gardiner © Sheila Rock / DG

Die Reihe audior ist ein Glücksgriff für alle Freunde der Alten Musik mit schmalem Geldbeutel. Denn viele rare und herausragende Aufnahmen werden auf diese Weise wieder zugänglich gemacht. Und das ist gerade bei den Interpreten der frühen und vorklassischen Zeugnisse musikalischer Meisterwerke von besonderer Bedeutung, haben doch die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis die Wahrnehmung ganzer Epochen verändert. Zu den Pionieren dieser Bewegung gehört beispielsweise Sir Eliot Gardiner, der nicht nur Orchester und Ensembles gegründet und weltweit renommierte Klangkörper geleitet, sondern auch zahlreiche kritische Werkeditionen begleitet hat. Er ist in der Sommerstaffel mit seiner Deutung von Mozarts „c-Moll Messe“ am Zug, neben Trevor Pinnock und dessen Vorstellung von Carl Philipp Emanuel Bachs „Flöten- und Oboen-Konzerten“, Frans Brüggens Version der Sinfonien drei und vier von Felix Mendelssohn, Christopher Hogwoods Einspielung von Antonio Vivaldi „Vier Jahreszeiten“ und Anthony Rooleys früher Interpretation von John Dowlands Liedern.

Gerade John Dowland ist ein gutes Beispiel für die Bedeutung der historischen Aufführungspraxis. Lange Jahre war er nur ein Thema für Spezialisten. Denn die leisen Lieder des Lautenvirtuosen und Komponisten an der Wende zum 17.Jahrhundert waren von den effektvollen Werken späterer sinfonischer Epochen verdrängt worden. Erst als man sich im Rahmen der historischen Aufführungspraxis wieder den Quellen der europäischen Musikkultur zuwandte, wurde Dowland als zugleich konservativer Traditionalist und behutsamer Innovator der Mehrstimmigkeit wiederentdeckt. Aus heutiger Sicht erscheint er als zentraler Komponist seiner Epoche. Die Zeitgenossen in seiner Heimat aber sahen das durchaus anders, denn vor allem seine englischen Landsleute ließen der von Dowland so erhofften Würdigung auf sich warten.

Beim späten Dienstantritt als Hoflautenist in London 1612 war ein großer Teil seines kompositorischen Schaffens bereits vollendet. Vier Liedersammlungen waren in Druck erschienen, ferner die Bearbeitung des  „Ornitoparchus' Micrologus“ (1609) und einige Sammlungen von Tänzen für Violen und Laute („Lachrymae“, 1604). Weitere Kompositionen von ihm waren in Notenbüchern außerhalb Englands veröffentlicht worden. Von den insgesamt 87 Liedern waren die ersten 21 im Rahmen des Zusammenstellung „First Booke Of Songs“ bereits 1597 veröffentlich worden. Sie zeigten in früher Meisterschaft, wie es Dowland vermochte, die etwa aus Spanien stammenden Traditionen der Lautenkompositionen zu perfektionieren und in Satztechnik, Melodieführung und harmonischer Durchführung zu modifizieren. Der Lautenist Anthony Rooley wiederum gehört zu denen, der in der Nachfolge Julian Breams sich in den Siebzigern bereits daran machte, John Dowlands fragile Lieder auf Platte festzuhalten. Die Sammlung „Songs Of Love And Desire“ mit dem Consort of Musicke ruft nun in der Reihe audior diese famosen Einspielungen wieder in Erinnerung.

Damit nicht genug. Neben Anthony Rooley finden sich noch vier weitere wichtige Aufnahmen in der Sommerrunde der beliebten Musikreihe wieder. Sir Eliot Gardiner zum Beispiel macht sich gemeinsam mit seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Solists daran, mit der „c-Moll Messe“ einem der gewaltigen spirituellen Werke Wolfgang Amadeus Mozarts eine gültige Form zu geben, die er außerdem um das „Kyrie d-Moll“ ergänzt. Kollege Christopher Hogwood greift noch etwas weiter zurück in die Vergangenheit und leitet die Academy Of Ancient Music durch ein Spektrum außerordentlich lebhafter Aufnahmen von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und den Violinkonzerten "La tempesta di mare", "l piacere" und "La caccia". Trevor Pinnock wiederum wendet sich zusammen mit The English Concert Carl Philipp Emmanuel Bach zu, dem Sohn, der immer ein wenig im Schatten des übermächtigen Musikvaters steht, aber beispielsweise mit seinen “Flöten- und Oboenkonzerten” durchaus ebenfalls im Segment der großen Meister rangiert. Der holländische Dirigent und Blockflötist Frans Brüggen schließlich wagt einen Ausflug in die Romantik und widmet sich gemeinsam mit dem Orchestra of the 18th Century der “Schottischen” und der “Italienischen Sinfonie” Felix Mendelssohns, abgerundet durch eine bemerkenswert vitale Darstellung der “Hebriden-Ouvertüre”. Das heißt für den Freund der Alten Musik, dass er sich genau genommen alle fünf neuen Folgen der Reihe audior ins Regal stellen sollte. Denn mehr Qualität für ein kleineres Budget wird er kaum finden können.