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01.01.1970

Anna Gourari (*3. Oktober 1972) stammt aus dem russischen Kazan und hat sich während der vergangenen zwei Jahrzehnte zu einer der bemerkenswerten Künstlerpersönlichkeiten ihrer Generation entwickelt. Den ersten Klavierunterricht bekam sie im Alter von fünf Jahren von ihren Eltern, doch bald schon stellte sich heraus, dass ihre Musikalität die familiären pädagogischen Möglichkeiten bei weitem überstieg. So wurde sie 1979 in eine Spezialmusikschule für hochbegabte Kinder die Klasse von Kira Schaschkina aufgenommen. Die erfahrene Pianistin hatte als Lehrerin bereits Mikhail Pletnev auf den Weg gebracht und schaffte es auch bei der jungen Gourari über ein Jahrzehnt hinweg ein passenden künstlerisches Fundament zu schaffen, auf das sie fortan aufbauen konnte. Dazu kamen mehrere Meisterkurse in Moskau bei der ehemaligen Neuhaus-Schülerin Vera Gornostaeva, die wiederum schon Ivo Pogorelich unterrichtet hatte und ihre neue Starschüler mit den nötigen Feinheiten der Interpretationskunst vertraut machte. Zu den Auszeichnungen der Jugendjahre, die Gourari überreicht wurden, gehörte 1986 der erste Preise beim russischen Kabalewsky-Wettbewerb, der bereits auf eine ereignisreiche künstlerische Zukunft verwies.

Nach der Wende zog Anna Gourari 1990 mit ihre Familie nach Deutschland und schloss an der Hochschule für Musik und Theater in München ein weiteres Studium unter anderem bei Ludwig Hoffmann an. Ihr Talent wurde schnell erkannt und sie bekam als Stipendiatin der "Studienstiftung des deutschen Volkes" weitergehende intensive Förderung. Ihren glänzenden Einstand im westlichen Konzertbusiness gab sie noch 1990 mit dem ersten Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Göttingen. Vier Jahre später ging die inzwischen 21Jährige als strahlende Siegerin des Ersten Internationalen Clara-Schumann-Klavierconcours in Düsseldorf hervor, eine besondere Leistung, da die mit Martha Argerich, Vladimir Ashkenazy, Alexis Weissenberg, Nelson Freire und Joachim Kaiser besetzte Jury die höchsten Maßstäbe an die Teilnehmer anlegte. Als weitere Auszeichnungen folgten bald darauf der "Staatliche Förderungspreis für junge Künstler" (1999), der von der Deutschen Phonoakademie vergebene Echo Klassik 2000 für die "Nachwuchskünstlerin des Jahres" und der Echo Klassik 2001 als "Instrumentalist(in) des Jahres".

Anna Gouraris künstlerisches Credo setzt dabei vor allem auf die Unmittelbarkeit des Ausdrucks: "Auf der Bühne muss alles Analysierte, Geübte, Erarbeitete als 'conditio sine qua non' in der Hintergrund rücken, als Basis für Spontaneität, Gefühl, Unerwartetes, um letztlich das 'Mysterium' Musik zu ermöglichen". Seit Mitte der neunziger Jahre erspielte sie sich als Solo-Künstlerin und Kammermusikerin einen ausgezeichneten Ruf auf den großen europäischen Bühnen. Sie arbeitete mit Dirigenten wie Sir Colin Davis, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Iván Fischer und wirkte bei zahlreichen Rundfunk- und TV-Produktionen mit, die in Europa, Russland und Japan ausgestrahlt wurden. Anno 2001 konnte man Gourari außerdem als Pianistin und Schauspielerin im Kino bewundern. In Werner Herzogs "Invincible" spielte sie neben Tim Roth und Udo Kier die weibliche Hauptrolle. Die Welt-Premiere fand 2001 bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig statt und wurde von Publikum und Kritik mit großem Beifall gefeiert.

Anna Gourari war bei renommierten Festivals wie dem Bad Kissinger Musiksommer, dem Klavierfestival Ruhr, dem Rheingauer Musiksommer, dem Snow and Symphony in St. Moritz oder auch bei den Salzburger Festspielen zu Gast, wo sie im August 2003 ihr Debüt gab. Ihr Repertoire reicht von der klassisch-romantischen Klavierliteratur mit Werken von Bach, Beethoven, Schumann, Chopin, Brahms und Skrjabin bis hin zur klassischen Moderne und zeitgenössischen Werke von Komponisten wie Paul Hindemith, Francis Poulenc, Sergej Prokofjew, Sofia Gubaidulina und Rodion Shchedrin. Nach zweijähriger Aufnahmetätigkeit für Koch Classics wurde Anna Gourari im Jahr 2002 von der Decca exklusiv unter Vertrag genommen. Ihre erste CD "Mitternacht - Nocturnes" erschien im Oktober 2003 Im Frühjahr 2005 folgte dann das Klavier-Recital "Désir", das sich "unerhört leidenschaftlich" (Süddeutsche Zeitung) der Musik von Alexander Skrjabin und Sofia Gubaidulina widmete.

6/2005