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15.04.2009

Vom Gitarrengott persönlich

Andrés Segovia, Vom Gitarrengott persönlich © DG / Universal Music Andrés Segovia © DG / Universal Music

Andrés Segovia hat bis heute eine besondere Bedeutung für die Geschichte der Gitarre. Er war der erste klassische Künstler, dem es gelang, sein bislang als Volksbrauchtum oder Begleitknecht  missachtetes Instrument auf einem derart hohen musikalischen Niveau zu spielen, dass die internationale Konzertsaalkultur ihn feierte. Mit Segovia begann eine neue Ära und glücklicherweise begann der Ausnahmemusiker früh, seine Kunst auch auf Schallplatte festzuhalten. Die Box „The American Decca Recordings I“ bringt auf 6 CDs zum ersten mal, von den Originalbändern neu remastert, zahlreiche historische Aufnahmen von Bach bis Torroba und Haydn bis Chopin in liebevoll gestalteter Edition zusammen, die während der von weltweitem Erfolg gekrönten 1940er und 1950er Jahre entstanden.

Als sich der junge Andrés Segovia aufmachte, Anfang des 20.Jahrhunderts die Konzertsäle der Welt für sich zu gewinnen, fand er sich in einer eigenartigen Situation wieder. Zwar hatte es der 1893 im andalusischen Linares geborene Virtuose geschafft, mit seinem Instrument trotz einiger Hindernisse den Weg an die Spitze der klassischen Szene zu finden. Auf der anderen Seite jedoch ging ihm bald das Repertoire aus, weil sich vor allen zeitgenössische Komponisten nur wenig für das leise und im Orchesterzusammenhang zu schwache Saiteninstrument begeisterten. Segovia hatte daher über viele Jahre hinweg mehrere Aufgaben. Zum einen schuf er mit Ton, Interpretation und Geläufigkeit die Standards moderner Gitarrenkunst. Bis heute kommt kein junger Kollege an seinen Aufnahmen und spieltechnischen Erkenntnissen vorbei. Darüber hinaus aber bearbeitete es selbst zahlreiche klassische Vorlagen von Bach über Boccherini bis Albeniz für das unterschätzte Instrument.

Durch seine Ausdruckskunst schaffte Segovia außerdem für moderne Komponisten einen Anreiz, sich mit der Gitarre zu beschäftigen. Der erste, der eigene Widmungsstücke für ihn schrieb, war Frederico Moreno Torroba in den frühen Zwanzigern. Ihm sollten berühmte Kollegen wie Mario Castellnuovo-Tedesco, Georges Migot, Darius Milhaud, Joaquín Rodrigo oder auch Heitor Villa-Lobos folgen. Aus diesem Grund sind die „American Decca Recordings I“, nicht nur ein künstlerisches Juwel, das zentrale Aufnahmen eines der größten klassischen Gitarristen des vergangenen Jahrhunderts aus dessen mittlerer Phase vereint und damit die Wirkung, Kraft und Faszination eines Musikers dokumentiert, der die Menschen beflügeln und betören konnte. Sie ist darüber hinaus ein Stück Kulturgeschichte, das mit Werken von J.S.Bach, Brahms, Castelnuovo-Tedesco, Chopin, Couperin, de Falla, Franck, Frescobaldi, Haydn, Händel, Gluck, Ponce, Rameau, Schumann, Tansman, Torroba oder auch Villa-Lobos einen faszinierenden Querschnitt durch die Musikgeschichte aus der Perspektive der Gitarre bietet.