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01.04.2009

André Previn, Multitalent und Visionär

André Previn, André Previn, Multitalent und Visionär André Previn © Lillian Birnbaum / DG André Previn © Lillian Birnbaum / DG2

Am kommenden Montag wird André Previn 80 Jahre alt und kann es kaum fassen. Denn mit einem Mal sieht er sich Hommagen an seine Person gegenüber, was er sonst nur selbst anderen großen Persönlichkeiten entgegenbrachte: „Es ist mir nie in den Sinn gekommen", meint der Dirigent und Allroundkünstler im Vorwort zum „André Previn - A Celebration", „dass ich selbst einmal Adressat solcher Lobeshymnen sein könnte - zum einen, weil ich es nicht verdiene, zum anderen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, jemals ein Lebensalter zu erreichen, das diesen Lorbeeren angemessen ist. Nun ja, die Zeit holt einen ein, und hier bin ich nun, bestens gerüstet für schmeichelhafte Ausflüge in meine Vergangenheit". Aber auch in die Gegenwart, denn die 6CD-Box „A Celebration" umfasst nicht nur Klassiker aus Previns Repertoire von Ravel bis Shostakovich und Korngold bis Strauss, sondern auch zahlreiche eigene Kompositionen und die Weltersteinspielung des „Double Concerto for Violin and Contrabass" mit dem Boston Symphony Orchestra und Anne-Sophie Mutter und Roman Patkoló als Solisten.

Für Biografen ist André Previn eine Herausforderung. Denn er hat im Laufe der Jahrzehnte nicht nur als klassischer und improvisierender Pianist, sondern darüber hinaus auch als Komponist und Dirigent sich einen Namen gemacht: „Meine Freunde und Bekannten haben mich immer wieder gefragt: 'Warum verlegst du dich nicht einfach nur auf das Komponieren, nur auf das Dirigieren oder nur auf die Pianistenkarriere?' Ich habe keine wirkliche Antwort darauf. Ich liebe es, zu komponieren, zu dirigieren und zu musizieren. Und ich hätte es bereut, wenn ich auf eines dieser Dinge hätte verzichten müssen". Tatsächlich ist André Previn musikalisch weit herumgekommen. Geboren am 6.April 1929 in Berlin unter dem Namen Andreas Ludwig Priwin und Sohn eines französischen Rechtsanwalts und Musikers, studierte er zunächst am städtischen Konservatorium und am Conservatoire de Musique in Paris Klavier. Im Jahr 1939 zog seine Familie in die USA, wo der Großvater, Charles Previn, als Musikdirektor bei den Universal Filmstudios in Hollywood arbeitete. Dort lebte Previn im Umkreis der sprießenden Jazzszene und boomenden Filmindustrie und schloss seine Ausbildung an der University of California bei Joseph Achron und Mario Cestelnuovo-Tedesco ab.

Bereits während des Studium wagte er erste Schritte in Richtung Jazzpianist und Arrangeur von Filmmusik. Sein Auskommen fand er von zunächst von 1948 bis 1960 in Hollywood als Pianist und Dirigent bei Metro Goldwyn Meyer. Als eleganter Improvisator im West Coast-Stil nahm er erfolgreiche Alben mit eigenem Jazztrio auf und gewann 1961 seinen ersten Grammy. Etwa zur gleichen Zeit begann er wieder zu studieren, und schulte mit Hilfe von Pierre Monteux zum klassischen Dirigenten um. Auch hier hatte er Erfolg und gab 1963 sein Debüt als Dirigent beim Saint Louis Symphony Orchestra. 1967 wurde er der Nachfolger von John Barbirolli beim Houston Symphony Orchestra. In den folgenden Jahren leitete er Ensembles wie das London Symphony Orchestra (1969-79), das Royal Philharmonic Orchestra (Musikalischer Direktor 1985-88; Chefdirigent 1988-91) und das Los Angeles Philharmonic Orchestra (1985-89). Anfang 1998 schrieb André Previn seine erste Oper „A Streetcar Named Desire" nach einer Vorlage von Tennesee Williams. Es war ein Auftragswerk für die San Francisco Opera, die Premiere fand noch im selben Jahr statt. Ebenfalls in den Neunzigern traf Previn auf die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die er später heiratete. Sie gab zunächst ein Werk bei ihm in Auftrag und so entstand 1996 „Tango, Song and Dance für Violine und Klavier". Am 14.März 2002 wurde Previns erstes Violinkonzerts mit dem Boston Symphony Orchestra unter seiner Leitung und mit Anne-Sophie Mutter als Solistin uraufgeführt. Unter den zahlreichen Preisen, die er erhielt, waren immerhin 13 Grammys, etwa für „The Sea Hawk - Previn conducts Korngold" (2002, „Best Classical Crossover Album") und für die Einspielung seines Violinkonzerts mit Anne-Sophie Mutter (2005, „Best Classical Soloist with Orchestra").

So fällt die Auswahl schwer, auf sechs CDs ein musikalisches Portrait des künstlerischen Multitalents zu verwirklichen. André Previn selbst hat daher dabei geholfen und so konnte „A Celebration" entstehen, das einen vielseitigen Überblick über das Schaffen des zeitgenössischen Meisters gibt. Aufgenommen in die Sammlung wurden Maurice Ravel Chor-Fantaisie Lyrique „L'Enfant et les Sortilèges", außerdem dessen Ballettmusik „Ma Mère L'Oye". Erich Wolfgang Korngold widmet Previn sich mit der „Sinfonie op.40" und dem „Violinkonzert op.35". Shostakovich findet seinen Platz mit der „8.Sinfonie", Prokofiev mit dem „Violinkonzert No.1", Richard Strauss mit der „Symphonia Domestica, op.53" und der „Rosenkavaliersuite". Alle übrigen Werke stammen aus Prévins eigener Feder, etwa das „Violinkonzert 'Anne-Sophie'" mit Mutter als Solistin, die „Three Dickinson Songs" mit Sängerin Renée Fleming und Previn als Pianisten, die „Diversions" mit den Wiener Philharmonikern und eine Arie aus der Oper „A Streetcar Named Desire". Dazu kommt außerdem das „Piano Concerto" mit Vladimir Askenazy als Solisten und die Weltersteinspielung des „Double Concert for Violin, Contrabass and Orchestra" mit dem Boston Symphony Orchestra und Anne-Sophie Mutter und Roman Patkoló als Solo-Stars. Unterm Strich also ist „André Previn - A Celebration" eine famose Werkschau für alle, die einen der vielseitigsten Klangkünstler unserer Tage und seine Freunde näher kennen lernen wollen.

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