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25.03.2009

Nils Økland - Monograph

Nils Okland, Nils Økland - Monograph Nils Oekland © Lars O. Flydal Nils Oekland © Lars O. Flydal

 Nachdem Nils Økland den Pianisten Christian Wallumrød bei der Einspielung der beiden Alben "Sofienberg Variations" (aufgenommen 2001) und "A Year From Easter" (2003) begleitet hat, präsentiert der Violinist mit "Monograph" nun sein erstes ECM-Album unter eigenem Namen. Als Mitglied von Wallumrøds Ensemble beeindruckte Økland als Meister der Gestaltung, der leichthändig von der Hardangerfiedel zur Violine oder der Viola d'amore wechselte. Auf "Monograph" spielt Økland jetzt seine eigene Musik, wobei er seine Verbundenheit zur reichen norwegischen Volksmusiktradition unterstreicht. Seine Solodarbietungen sind so bewegend wie sie eindrucksvoll sind.

Øklands Stücke erwecken den Eindruck, als seien sie fest im Boden der norwegischen Folktradition verwurzelt. So überrascht es nicht, wenn der Künstler sagt, daß ihn "die Freiheit, der Variantenreichtum und die Individualität" der Volksmusik seiner Heimat inspiriert haben. Als Einflüsse nennt er unter anderem Hardangerfiedler wie Knut Hamre, Torleiv Bjørgum, Hilmar Alexandresen, Hans W. Brimi und Sigbjørn Bernhoft Osa, aber auch die Werke moderner norwegischer Komponisten wie Arvid Gangsø und Ole Henrik Moe. Tatsächlich aber besetzt Økland mit seiner Musik eine ganz eigene Nische zwischen Volksmusik, freier Improvisation und zeitgenössischer Komposition.

In seiner Karriere sammelte Nils Økland freilich musikalische Erfahrungen, die weit über diese Bereiche hinausgehen. 1961 in Haugesund im Westen Norwegens geboren, besuchte Økland die Rogaland-Musikhochschule und die Norwegische Staatsakademie für Musik. Bei Terje Tønnesen, dem ersten Violinisten des Osloer Philharmonieorchesters (und ECM-Hörern bekannt durch seine Beteiligung an Aufnahmen von Terje Rypdal), studierte er klassische Violine. Das Spiel auf der Hardangerfiedel erlernte er bei zwei absoluten Meistern des norwegischen Nationalinstruments: Knut Hamre und Sigbjørn Bernhoft Osa. Und bei Bjørnar Andresen, dem Bassisten von Rypdals frühen Bands, vertiefte er außerdem seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Improvisation. Durch ein Stipendium gelangte Økland danach an die Budapester Musikhochschule, bevor er in Amsterdam bei der Koryphäe Jan Willem de Friend die Musik des böhmischen Komponisten/Violinisten Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644-1705) studierte.

Sechs Jahre lang war Nils Økland der musikalische Direktor der Ole-Bull-Akademie im norwegischen Voss, die Sigbjørn Bernhoft Osa 1977 als Unterrichtszentrum für norwegische Volksmusik und Volkstänze gegründet hatte. Doch Økland beschränkte sich nie auf die norwegische Musiktradition: als Mitglied verschiedenster Ensembles spielte er auch schon Tangos, die Musik der Sinti und Roma, Musik vom Balkan, Kammermusik und sogar Rock (Nils und "Monograph"-Toningenieur Audun Strype spielten in den frühen 80ern zusammen in der Punk-Band Løver & Tigre und arbeiten seitdem immer mal wieder miteinander). Ein häufiger Gast ist Nils Økland, der schon bei den wichtigsten norwegischen Musikfestivals und in zahlreichen Ländern Europas auftrat, beim Bergen International Festival, wo er unter anderem das "Hardanger Fiddle Concerto" von Geirr Tveitt aufführte.

Auf "Monograph" spielt Nils Økland drei unterschiedliche Hardangerfiedeln: zwei moderne, die von Sigvald Rørlie und Gunnar Røstad angefertigt wurden, und eine traditionelle Hardangerfiedel von Instrumentenbauer Olav Vindal. Das auffälligste Charakteristikum der Hardangerfiedel sind die vier (bei modernen Instrumenten manchmal auch fünf) Resonanzsaiten, die unter dem Griffbrett verlaufen und ein Obertonecho erzeugen. Der traditionelle Spielstil ist sehr polyphon angelegt, wobei die Melodiestimme von einer beweglichen Bordunstimme begleitet wird.

Für die Stücke "Kvelarta", "Pas de deux" und "Slag" wechselte Økland zu einer von Josef Huber gefertigten Viola d'amore, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Hardangerfiedel hat. Tatsächlich meint Økland, daß ihm eine Viola d'amore wie eine große Hardangerfiedel vorkommt. Eine alte, zirka 1700 gebaute Violine wählte Økland schließlich aus, um die beiden Stücke "Seg" und "Nattsvermer" einzuspielen - "Nattsvermer" ist der norwegische Name für Nachtfalter (umgangssprachlich auch als Motten bekannt), und in dem evokativen Klanggemälde, mit dem Nils Økland sein Recital beendet, ahmt er auf seinem Instrument die flatternden Flügel dieses Tiers nach. Neben den verschiedenen Saiteninstrumenten benutzte Økland für diese Aufnahmen auch unterschiedliche Bögen, von Barockbögen bis hin zu Kopien von alten Hardangerfiedelbögen.

Das Repertoire von"Monograph" enthält unter anderem Soloversionen von einigen Stücken, die Nils Økland ursprünglich für das Haugesand-Theater geschrieben hatte. Die Einspielung entstand mit finanzieller Unterstützung des norwegischen Kulturfonds "Lyd og Bilde".