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14.01.2009
Georg Friedrich Händel

Der andere Händel

Il Giardino Armonico, Der andere Händel Decca / David Ellis Il Giardino Armonico

Während der vergangenen Jahre lag ein Hauptaugenmerk in Sachen Georg Friedrich Händel auf dessen Vokalwerken, vor allem auf den Opern und Oratorien, die international auf vielen Bühnen gefeiert wurden. Erfahrene wie junge Sängerinnen unserer Tage - wie etwa Renée Fleming oder Danielle De Niese - entdeckten den subtilen Charme seiner Arien und stellten sie auf den Konzertbühnen der Klassikwelt vor. Händels Schaffen reichte aber weit darüber hinaus und umfasste auch einige wichtige Säulen des Orchesterrepertoires, die zuweilen zugunsten des schillernden Antonio Vivaldi oder des faszinierenden Johann Sebastian Bach vernachlässigt werden. So ist es nur konsequent, dass sich das Orchester Il Giardino Armonico für sein Debüt bei Decca / L'Oiseau-Lyre anlässlich des Händel-Jahres mit den „Concerti Grossi, op.6" beschäftigt, die trotz ihrer niedrigen Opuszahl bereits zu den Meisterwerken des erfahrenen Komponisten gehören.

Eigentlich war Georg Friedrich Händel Organist. Geboren 1685 in Halle als Sohn eines Wundarztes, hatte er in jungen Jahren Unterricht bei Friedrich Wilhelm Zachow an dem großen Kircheninstrument erhalten und wurde 1702 sogar engagiert, um die Orgel der heimischen Dom- und Schlosskirche zu bedienen. Allerdings begnügte sich der begabt junge Mann nicht damit, sondern lernte darüber hinaus die Geige weiter und landete bald darauf als „maestro al cembalo" am Hamburger Opernhaus. Vor dort aus unternahm er erste Reisen, lernte unter anderem Dietrich Buxtehude kennen, den bekanntesten Organisten seiner Zeit. Händel schrieb seine erste Oper „Almira" (1705) und machte sich auf den Weg, die musikalische Welt seiner Zeit zu erforschen. Es waren bewegte Zeiten. Drei Jahre lang bereiste er Italien, lernte Corelli, die Scarlattis und den südländischen Komponierstil kennen. Zurück in der Heimat wurde er über einen Freund er an den Hof des Kurfürsten von Hannover vermittelt, der allerdings 1714 als Georg I. König von England wurde. Händel kam das entgegen, er pendelte bereits zwischen Deutschland und London und versuchte dort, das britische Publikum für seine Version der Oper im Unterschied zu den italienischen Tändeleien seiner Kontrahenten zu gewinnen. Anno 1713 schaffte er den Durchbruch in der öffentlichen Würdigung als Komponist mit seinem „Te Deum", das er anlässlich des Utrechter Friedens geschrieben hatte.

Händels Schwerpunkt wurden die Vokalwerke, mit denen er in England seinen Ruhm mehren konnte. Und doch blieben auch die Orchesterstücke nicht ganz links liegen. Anno 1733 komponierte er seine „6 concerti grossi op.3", drei Jahre später die „12 concerti grossi op.6", die bald zu einem Standardwerk barocker Gestaltungskunst avancierten. Händel kombinierte seine Wurzeln in der deutschen Organistentradition mit den Einflüssen der italienischen, französischen und englischen Schulen und brachte es als einer der ersten deutschen Komponisten überhaupt zu Weltruf. Das 1985 in Mailand gegründete Originalklang-Ensemble Il Giardino Armonico, das während der vergangenen Jahre unter anderem als Ensemble von Cecilia Bartoli auf deren hoch gelobten „Vivaldi Album" brillierte, wählte daher gerade diese 12 Konzerte als Einstand für ihren Exklusivertrag mit der Decca / L'Oiseau-Lyre, um im Händel-Jahr 2009 den Fokus auf die Vielfalt von dessen Musik zu legen.

Unter der Leitung von Giovanni Antonini widmen sich die Künstler diesen Meisterstücken mit all ihrer Kompetenz, die sie in mehr als zwei Jahrzehnten auf den internationalen Bühnen von Paris bis New York und Sydney bis Buenos Aires sammelten (und zur Zeit als „Ensemble in Residence" des Centro Cultural Miguel Delibes in Valladolid noch weiter ausbauen). Und es wird nicht das einzige Album von Il Giardino Armonico in diesem Frühjahr bleiben. Denn gemeinsam mit der renommierten Mezzosopranistin Bernarda Fink haben sie sich unter dem Titel „The Virgins' Lament" eines Programms angenommen, das thematisch die Leidensgeschichte Marias in der Musikhistorie nachempfindet. Viel großartige Musik also in Aussicht von diesem großartigen Ensemble, dass  übrigens in den kommenden Wochen auch in deutschen Konzertsälen zu erleben sein wird.

Tourneetermine Il Giardino Armonico

28. Mai Hamburg
29. Mai Dortmund