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03.12.2008

Märchenklänge

Märchenklänge

Cornelia Funke ist die deutsche Joanne K. Rowling. Ihre Bücher sind literarische Wanderungen zwischen den Genres Fantasy und Märchen, zwischen Abenteuer und Realität. Viele davon sind nicht nur in ihrer deutschen Heimat ein immenser Erfolg, sondern gelten auch weltweit als Pretiosen der Erzählkultur. Und da liegt es nahe, sie nicht nur in schriftlicher, sondern auch in cineastischer Form zaubern zu lassen. Einer ihrer erfolgreichsten Romane, "Tintenherz", kommt am 11. Dezember in die deutschen Kinos, ein magisches Spektakel mit Gauklern und Bösewichten, geheimnisvollen Büchern und natürlich reichlich Spannung. Für die passende Musik sorgte, ebenfalls nach allem Regeln der spannungsgestaltenden Kunst, der spanische Filmmusikspezialist Javier Navarrete. 
 

Bücher können gefährlich sein. Mortimer (Brendan Fraser) weiß das und seine Tochter Meggie (Eliza Bennett) lernt diese Lektion während des Romans "Tintenherz". Denn beide haben die magische Kraft, durch bloßes lautes Vorlesen, Figuren aus Büchern zum Leben zu erwecken. Dabei gibt es einen ganz wesentlichen Haken: Immer wenn eine Romanfigur der Phantasie entsteigt, muss ein realer Mensch in dem entsprechenden Buch verschwinden. Als Mo und Meggie nun im Haus ihrer exzentrischen Tante Elinor (Hellen Mirren) in deren gewaltiger Bibliothek auf ein verloren geglaubtes Buch stoßen, nimmt die Handlung ihren verhängnisvollen Lauf: Denn genau dieses Buch, mit dem Titel "Tintenherz" und seinen Bildern von mittelalterlichen Burgen und seltsamen Wesen sucht Mo, seit seine Tochter drei Jahre alt war. Damals ist ihre Mutter Resa in dieser mystischen Welt verschwunden und nun will er sie mit allem Mittel wieder finden. Das heißt aber auch, dass er sich mit dem Finsterling Capricorn (Andy Serkis) anlegen muss. Der wiederum entführt Meggie und will weitere Schurken aus der Fiktion in die Realität freipressen. So wird aus der märchenhaften Geschichte ein spannender Fantasy-Thriller, der aber zum Glück auf ein fröhliches Ende zusteuert.
 
Die Verfilmung von "Tintenherz" folgt in vielen Zügen der Buchvorlage. Das liegt am Mitspracherecht von Cornelia Funke, die sich bei der Gestaltung und Umsetzung des Drehbuchs beteiligte. Regisseur Iain Softley ("Der verbotene Schlüssel") verzichtet dabei auf allzu umfangreiches Spezialeffekte-Feuerwerk zugunsten klassischer Aufbauten und Schauplätze. Die Schauspielerriege erweist sich als ausgesprochen souverän, so dass die Märchenpoesie der Bilder im Vordergrund steht. Die wiederum verträgt auch eine angemessen vielschichtige Musik, um die sich der spanische Komponist Javier Navarette kümmerte. Ursprünglich groß geworden im Umkreis der elektronischen Musik - er hatte in den Achtzigern ein erfolgreiches Duo mit dem Komponistenkollegen Alberto Iglesias - wurde er spätestens durch den Soundtrack zu Guillermo del Toros "Paris Labyrinth", für den er 2007 den Oscar für die beste Filmmusik bekam, international bekannt und zählt seitdem zu den gefragtesten Filmkomponisten Europas. Für Cornelia Funkes "Tintenherz" hat er tief in die Inventarienkiste seiner Zunft gegriffen und rundum faszinierende Klangräume geschaffen, die mit den Assoziationen des Orientalischen und Mittelalterlichen ebenso zu spielen verstehen, wie mit der orchestralen Opulenz und kammermusikalischen Reduktion. Denn das ist die eigentliche Kunst, eigenständig zu klingen und zugleich die Bilder kongenial zu rahmen.
 
Am 05.12.2008 erscheint der Soundtrack zum herunterladen. Unter anderem bei Musicload.de hier