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06.08.2008

Die Kraft der Erinnerung

Die Kraft der Erinnerung

Manchmal merkt man erst, wie man selbst älter wird, wenn die Schauspieler der Jugend inzwischen die reifen Rollen spielen. Julia Roberts beispielsweise übernimmt in "Zurück im Sommer" ("Fireflies in the Garden") den Part der Mutter des erwachsenen Schriftstellers Michael und wirkt darin mindestens ebenso überzeugend wie in ihren früheren Glanztagen als in "Pretty Woman" oder "Notting Hill". Betörend ist darüber hinaus auch der Soundtrack des spanischen Komponisten Javier Navarrete, der bereits für seine Klangwelten zu dem Fantasy-Epos "Pan's Labyrinth" für einen Oscar nominiert wurde.

Freunde kann man sich aussuchen. Seine Familie nicht. Auf dieser Binsenweisheit baut inzwischen eine ganze Tradition von Hollywood-Dramen auf und auch Dennis Lees "Zurück im Sommer" gehört in dieses Genre.  Die Handlung in Kürze: Michael Taylor (Ryan Reynolds) ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der in der Ferne sein Glück gefunden hat. Eines Tages führt ihn eine Familienfeier in sein Heimatstädtchen zurück. Alles scheint soweit beim Alten zu sein, bis seine Mutter Lisa (Julia Roberts) bei einem Autounfall ums Leben kommt. Mit einem Mal gerät die Fassade der Zufriedenheit ins Wanken und die alten Erinnerungen kehren zurück. Besonders ein spezieller Sommer steht da im Mittelpunkt, als sich der Junge zum ersten Mal klar und selbstbewusst seinem strengen Vater (Willem Dafoe) widersetzte. Was folgte, war die Erosion einer Familie, deren bisherige Beziehungsgeflechte sich langsam auflösten, bis hin zu der jugendlichen Tante Jane (Hayden Panettiere), die sich des verwirrten Knaben tröstend annahm. Taylor jedenfalls schien schon alles für sich abgeschlossen zu haben, in einem noch nicht veröffentlichen neuen Buch mit dem Titel "Fireflies In the Garden". Doch die eigene Geschichte lässt ihn nicht los und hat in diesem Sommer noch einige Überraschungen für ihn auf Lager.

Dennis Lee ist ein Souverän der Atmosphäre. Für seinen Kurzfilm "Jesus Henry Christ" (2003) bereits bei den Studenten-Oscars mit einem Award bedacht, zeigt er nun, dass er sich auch im großen Genre des opulenten Leinwandepos' bewähren kann. Die berührende, betörende Wirkung des Films liegt zum einen an seinen herausragenden Schauspielern und der sensiblen Kameraführung, auf der anderen Seite aber auch an den fein ziselierten Klängen der klavierbetonen Filmmusik des spanischen Erfolgskomponisten Javier Navarrete. Mit minimalistisch feinen Mustern zeichnet er akustische Bilder, pastellen wie man es früher etwa von Michael Nyman kannte, und entwirft einen eigenen kleinen Film der charmant melancholischen Motive, den er durch einen Satz aus Tschaikowskys "Trio op.50" abrundet. Navarrete, die bereits in den Achtzigern sich in Barcelona niederließ und dort zunächst in der elektronischen Szene, dann auch im Team mit Alberto Iglesias sich seinen hervorragenden Ruf erarbeitete, gestaltet auf diese Weise ein eindrucksvolles Emotionsspektrum, das nicht nur hervorragend die Bilder sekundiert, sondern auch als eigenständige Kunst jenseits des Optischen bestehen kann.