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29.07.2008

Die Messe des Skeptikers

Die Messe des Skeptikers

Die "Messa da Requiem" ist eines der Schlüsselwerke im Schaffen von Giuseppe Verdis und damit der klassischen Musik der 19. Jahrhunderts. Sie ist allerdings auch eines, das als schwer realisierbar gilt. Umso faszinierender ist es, dass nun eine der berühmten Aufführungen mit Stars der deutschen Musikszene wie Fritz Wunderlich und Maria Stader nicht nur wieder erhältlich sondern auch nach neuesten Erkenntnissen der Studiotechnik remastered zu haben ist.

Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" war von Anfang an in der Diskussion. Der Dirigent Hans von Bülow lehnte sie öffentlich ab, Johannes Brahms hielt dagegen und so brauchte es ein paar Jahre, bis sich die Fachwelt einig über die Größe des Werkes war. Ursprünglich war es in Bruchstücken im Gedenken an Rossini entstanden und wurde nach dem Tod des Dichters Alessandro Manzoni vollendet, 1874 in Mailand in der Kirche San Marco uraufgeführt und kurz darauf an der Scala mehrfach gespielt. Situiert zwischen Glauben und Pathos wagte sich der erklärte Skeptikers Verdi damit auf das schwierige Terrain geistlich geprägter Musik vor, das ihn in den späten Lebensjahren immer intensiver beschäftigen sollte. Die "Messa da Requiem" ist daher ein künstlerisches Konzentrat seiner bisherigen und ein Ausblick auf seine folgenden Werke. So sah es auch ein weitere wichtiger Kritiker der damaligen Zeit, Eduard Hanslick, der 1875 eine Aufführung des liturgischen Epos über die letzten Tage in der Wiener Hofoper erlebte: "Trauer und Bitte, Entsetzen und hoffende Zuversicht, sie sprechen hier eine leidenschaftlichere und individuellere Sprache, als wir sie in der Kirche zu hören gewohnt sind. Auch die religiöse Andacht wechselt in ihrem Ausdruck; sie hat ihre Länder, ihre Zeiten. Was uns in Verdi's Requiem zu leidenschaftlich, zu sinnlich erscheinen mag, ist eben aus der Gefühlswelt seines Volkes heraus empfunden, und der Italiener hat doch ein gutes Recht, zu fragen, ob er denn mit dem lieben Gott nicht italienisch sprechen dürfe?"
 
So sehr die Musikwelt das Werk in der Folge lobte, so kompliziert bleib es, die Messe auszuführen.  Allein schon die Ausmaße von Chor und Orchester bildeten Hindernisse, die sich nur mit einigem Aufwand überwinden ließen. Berühmt und in Sammlerkreisen längst eine hoch geschätzte Rarität blieb daher die Aufführung von Verdis "Messa da Requiem" aus der Stuttgarter Liederhalle aus dem Jahre 1960. Es ist die einzige Aufnahme dieses großartigen Werkes mit dem legendären Tenor Fritz Wunderlich. Doch es handelt sich nicht allein um ein Wunderlich-Dokument: Die seinerzeit führende Konzertsopranistin Maria Stader, der Inbegriff der deutschen Konzert-Altistin Marga Höffgen und der"König der Bässe", Gottlob Frick, machen den Mittschnitt im Team mit Wunderlich zu einem einmaligen Zeugnis der Musikgeschichte. Dabei rückte sich keiner der vier Solisten in der Vordergrund, sondern alle Beteiligten hatten das Ziel, die Messe als Gesamtheit brillieren zu lassen. Unter Leitung von Chefdirigent Hans Müller-Kray musizieren sie miteinander wie Musiker in einem Streichquartett, harmonisch aufeinander abgestimmt und zugleich in ihrer Originalität singulär. So bleibt auch Fritz Wunderlich eine absolute Ausnahmeerscheinung. Sein Gesang ist erfüllt von Lebensfreude und zugleich spürt man die verletzliche Seele, die er im Alltag hinter der Fassade des heiteren Sunnyboys verbarg. Maria Stader wiederum gestaltet ihren Part mit anrührender Schlichtheit und Gottlob Frick klingt ganz so, wie man sich einen Geistlichen vorstellt, dem sich Hilfe Suchende gern anvertrauen: warmherzig, väterlich und unerschütterlich wie ein Fels in Brandung. Gemeinsam mit Marga Höffgen sorgt er dafür, dass das Solisten-Quartett dieser Aufführung auch in der Tiefe die nötige Klangopulenz zu bieten hat und insgesamt Verdi "Messa da Requiem" zu einem Meilenstein der deutschen Tonträgergeschichte wurde.