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11.06.2008
Claudio Abbado

Der gemeinsame Mozart

Claudio Abbado, Der gemeinsame Mozart

Es gehört zu den kleinen Wundern im Oeuvre von Wolfgang Amadeus Mozart, dass selbst Jugendwerke aus seiner Feder noch mehr Reife, Witz und Brillanz haben als das meiste, was sonst in den Jahren des Spätbarocks komponiert wurde. Die fünf Violinkonzerte etwa entstanden in den Jahren 1773 und 1775 und dokumentieren ähnlich wie ihre Pendants für das Klavier eine ungeheure Souveränität im Umgang mit Spannung und Form, mit Farben, Stimmungen und der selbstbewussten Präsentation des Solisten. Sie sind weit mehr als Einsteigerstückchen in die Welt des Konzertanten und deshalb kümmern sich auch erfahrene Künstler wie Claudio Abbado und Giuliano Carmignola mit viel Hingabe um diese Pretiosen aus der Komponierwerkstatt eines Genies.

Mozart Tempo war fulminant. Konnte er sich einmal für etwas begeistern, dann versuchte er innerhalb kurzer Zeitabstände dem entsprechenden Thema auf den Grund zu gehen, nicht ohne nebenbei noch zahlreiche andere Gebiete zu beackern. Die Violinkonzerte beispielsweise entstanden vor allem im Sommer und Herbst des Jahres 1775, abgesehen von einem Vorgänger, dem "Violinkonzert B-Dur KV 207", das er bereits 1773 in Salzburg als Höfling des Erzbischofs Colloredo in Angriff genommen hatte, und mit Ausnahme einer "Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364", die als konzertähnliches Werk 1779 einem ähnlichen Typus zugerechnet werden kann. Sie führten in Windeseile und den zeitgenössischen Möglichkeiten entsprechend das fort, was mit den großen Glanzstücken der italienischen Schule begründet worden war.
 
Und sie tun nur so, als seien sie Beiläufigkeiten innerhalb eines gewaltigen Oeuvres. "Für diese Konzert braucht man einen apollinischen Klang", meint der Geiger Giuliano Carmignola und präzisiert: "Man muss den Bogen in unterschiedlicher Weise aufsetzen, viele Farben finden, bestimmte Abschnitte eher theatralisch und karikaturistisch gestalten. Zudem sind unsere Tempi schnell im Vergleich mit anderen durchaus berühmten Aufnahmen und verlangen daher größere Klarheit in der Artikulation. Es ist ein Spiel, das stark auf das Detail ausgerichtet ist, auf Mikrophrasierungen, sehr rein und prägnant. Außerdem gilt es, Mozarts Opernstil auf diese Konzerte zu übertragen, die Emotionen, die Freude, die Melancholie, die Bezüge zur Volksmusik"
 
Für den Virtuosen aus Treviso, der sich während der vergangenen drei Jahrzehnten international einen Namen als Spezialist für historischen Barockmusik und Antonio Vivaldi gemacht hat, war es daher in mehrfacher Hinsicht ein Vergnügen, Mozarts Violinkonzerte gemeinsam mit Claudio Abbado zu gestalten. Zum einen hatte er mit dem Maestro aus Mailand, der dieser Tage seinen 75.Geburtstag feiert, einen der angesehensten Dirigenten der Gegenwart als Partner. Zum anderen aber sind diese Aufnahmen gemeinsam mit dem handverlesenen, jungen Orchestra Mozart auch die Fortsetzung einer Kooperation, die nach rund drei Jahrzehnten Pause die beiden Koryphäen wieder zusammenbrachte. Denn Carmignola war einst anno 1974, als er als junger Geiger noch am Anfang seiner Karriere stand, von Abbado zum Vorspielen eingeladen worden, was zu einem Initiationserlebnis in die Welt des professionellen Musikumgangs wurde und den Instrumentalisten nachhaltig beeinflusste.

Nun also stehen beide zusammen auf der Bühne und zeigen, dass sich hier zwei Gleichgesinnte getroffen haben, die im Geiste des Komponisten aus dessen Ideen klingende Kunst machen. "Zwischen uns herrschte sofort Übereinstimmung", fährt Carmignola fort, "was die Interpretation angeht, ganz selbstverständlich und spontan. Es gab nie auch nur das geringste Problem". So soll es sein und das hört man auch.