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04.06.2008
Claudio Abbado

Mehr als Ständchen

Claudio Abbado, Mehr als Ständchen

Der Rezensent des Daily Telegraph brachte es auf den Punkt, als er meinte, Claudio Abbado sei "einer der wenige Dirigenten, die im Alter jugendlicher und neugieriger zu werden scheinen, während sein Musizieren zugleich noch mehr an Tiefe gewinnt". Am 26. Juni feiert der Maestro aus Mailand einen 75. Geburtstag und im Unterschied zu früheren Jahren, als er sich nur ungern angesichts solcher Jubiläen feiern lassen wollte, machte es ihm diesmal Freude, das besondere Datum auch mit ein paar Veröffentlichungen zu unterstreichen.

Neben dem Sinfonie-Erstling mit dem Orchestra Mozart und einer Aufnahme der Mozart'schen Violinkonzerte ebenfalls mit dem jungen Ensemble und dem Geiger und Konzertmeister Giuliano Carmignola als Solist (Feature kommende Woche), gehören dazu eine revidierte Fassung einer Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien mit den Berliner Philharmonikern, die Zusammenstellung "Marce e Danze", eine Sammlung mit legendären Konzertmitschnitten auf DVD und eine Special Edition mit Klavierkonzerten und dem Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven.

Im Jahr 1989 hatte Claudio Abbado ein ebenso reizvolles wie riskantes Erbe angetreten. Denn er war zum Nachfolger Herbert von Karajans an der Spitze der Berliner Philharmoniker gewählt worden, eines der besten Orchester der Welt aber eben auch eines, das nachhaltig von der künstlerischen Vorstellung seines Vorgängers geprägt worden war. Natürlich brachte er reichlich Erfahrung mit. Von 1968 bis 1986 war Abbado Musikdirektor der Mailänder Scala, wechselte daraufhin als Musikdirektor der Wiener Staatsoper und war nebenbei von 1987 an als Generalmusikdirektor der Kulturstadt tätig. Da er aus seiner eigenen Biographie wusste, wie wichtig die Förderung junger Künstler ist, rief er im Laufe der Jahre Festivals und Wettbewerbe ins Leben, die dem Nachwuchs Türen öffneten. Dazu gehörte 1988 das Festival Wien Modern oder 1991 der Wiener Kompositionswettbewerb ebenso wie bereits 1978 die Gründung des Jugendorchesters der Europäschen Gemeinschaft, ferner die Gründung des Gustav-Mahler-Jugendorchesters, die er wie das Chamber Orchestra of Europe außerdem als Künstlerischer Leiter und Dirigent unterstützte.

Als er also anno 1989 in freier und geheimer Wahl - ein Novum in der Geschichte des Orchesters - von den Musikern zum Dirigenten der Berliner Philharmoniker gewählt wurde, stand er dem Ensemble als rundum renommierter Maestro gegenüber und schaffte es, bis er sich im Jahr 2002 aus diesem Amt verabschiedete, die Berliner in neue Klanggefilde zu leiten. Allerdings lag ihm die Traditionspflege ebenso am Herzen und so entstand neben zahlreichen anderen Highlights um die Jahrtausendwende eine Neuaufnahme der Beethoven-Sinfonien. Sie wurde in der Presse hoch gelobt, vom Meister selbst allerdings kritisch beäugt. Als er nun die Möglichkeit bekam, die Edition neu aufzulegen, entschied sich Abbado für einen ungewöhnliche schritt. Denn er wählte nicht die ursprünglichen Einspielungen, sondern die Aufzeichnungen der unmittelbar im Anschluss auf Tournee entstandenen DVD-Version für die Edition aus, die er als schlüssiger empfand und die nun, für CD entsprechend gemischt, unter dem Titel "Beethoven - The Sinfonies" die früheren Versionen ersetzen.
 
Ebenfalls als eine Sonderausgabe wurden auf 3 CDs die längst legendären Beethoven-Aufnahmen von Maurizio Pollini gemeinsam mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern in einer Box zusammengefasst und um einen Bonus ergänzt. Denn die Sammlung erhält auch die bisher einzige Aufnahme des Dirigenten des Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven, die mit den Solisten Ilya Gringolts, Mario Brunello und Alexander Lonquich und dem Simón Bolivar Youth Orchestra of Venezuela entstand. Wer darüber hinaus den Maestro nicht nur hören, sondern auch am Pult sehen will, für den wurde die Doppel-DVD "Claudio Abbado in Concert" kreiert. Dabei handelt es sich ohne Ausnahme um Erstveröffentlichung,  die ein weites stilistisches Spektrum von Mozart bis Schubert und Brahms bis Rossini vergegenwärtigen. So gibt es zum 75.Geburtstag viel Herausragendes und Neues zu entdecken, ganz so, wie es dem "angesehensten Dirigenten der Gegenwart" (New York Times) gebührt.