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04.06.2008
Claudio Abbado

Mozarts Welten

Claudio Abbado, Mozarts Welten

Mozarts-Sinfonien verleiten zuweilen zu Fehlschlüssen. Allzu leichtgängig präsentieren sie sich dem Hörer bei entsprechend inspirierter Interpretation und gehören doch zugleich zum raffiniertesten, was die Geschichte der Orchestermusik zu bieten hat. Aus diesem Grund ist es auch für einen Maestro wie Claudio Abbado, der am 26. Juni seinen 75.Geburtstag feiert, eine besondere Aufgabe, sich mit diesen Schmuckstücken der Prägnanz zu beschäftigen. Im Vorfeld des Jubeljahres 2006 hatte er sogar ein eigenes Ensemble initiiert, das Orchestra Mozart, mit dem er sich seitdem ausdrücklich den Ideen des Salzburger Genius widmet. Einen Querschnitt durch diese Arbeit bietet nun die Zusammenstellung mit fünf Sinfonien aus der mittleren und späten Schaffensphase des Komponisten, die Abbado und seine Musiker als umsichtige und sensible Interpreten einer oftmals unterschätzten Musik vorstellt.

"Mozart war von Anfang an ein reifer Komponist", erklärt Claudio Abbado im Gespräch mit dem Journalisten Angelo Foletto und fährt fort: "Bereits im ausladenden Kopfsatz der Sinfonie Nr. 29 - dem frühesten Werk dieser Zusammenstellung - gibt es eine Komplexität der Harmonik und Stimmführung, die ohne Weiteres neben den Werken der Wiener Jahre bestehen kann". Und damit widerspricht der Dirigent prophylaktisch der Vorstellung, dass die Werke aus Mozarts Anfängen im Umgang mit der Orchestersprache seiner Jahre eine Art Propädeutik für das spätere Schaffen seien. Überhaupt erschließt sich das Oeuvre des Komponisten durch die Erkenntnisse im Anschluss an die Veröffentlichungen historisch-kritischer Editionen immer mehr als Schnittpunkt einer Vielzahl  zeittypischer Klangdiskurse, die er durch sein famoses Talent präziser ausformulieren konnte als die meisten seiner Kollegen. "Dass sich in seiner Musik verschiedene musikalische Einflüsse begegnen, vermischen und überlagern, ist typisch für Mozart, dessen Oeuvre so vielfältig und reich ist wie kaum ein anderes. So finden sich in seinen Sinfonien neben barockisierenden Formen auch schon viele romantische Züge: Einige der dramatischsten und ausdrucksstärksten Passagen weisen auf eine Musiksprache und Empfindungswelt voraus, die ihre Fortsetzung und Vervollkommnung bei Beethoven finden sollte." 
 
Abbados Arbeit an diesen Stücken ist ebenso grundlegend wie für ihn selbst prägend. Schließlich dirigierte der Mailänder Maestro Mozarts Werke anno 1970 vergleichsweise spät zum ersten Mal öffentlich und wurde vor allem durch seine intensive Kooperation mit den Pianisten Friedrich Gulda und Rudolf Serkin für die Besonderheiten der Färbung, Tempo- und Dynamikdifferenzierung sensibilisiert. Als er schließlich im November 2004 das ersten Konzert mit dem neu gegründeten Orchestra Mozart gab, konnte er sich als erfahrener Leiter eines pointiert agierenden Ensembles präsentieren, das seitdem noch weit mehr an profunden Interpretationen entwickelt hat.

"Für diese Musiker ist das gemeinsame Musizieren immer eine Entdeckungsreise, ein Aufbruch in eine neue Welt. Wir haben uns ganz bewusst für diese Besetzung entschieden, aber ich habe Mozart auch schon in London, Wien und Berlin mit sehr wenigen Instrumentalisten aufgeführt. In diesen Einspielungen haben wir versucht, Mozarts Leichtigkeit mit einer ganz besonderen Farbe und Grazie zu versehen." Ausgewählt wurden fünf Sinfonien, von der "Sinfonie Nr.29, A-Dur", entstanden 1774 in Salzburg, bis hin zur finalen Stellungnahme des Komponisten zu diesem Thema in Form der phänomenalen "Jupiter-Sinfonie" von 1788. So konnte ein reizvoll oszillierender Überblick über Mozarts Orchesterschaffen wie auch über die Ausdruckskraft eines neuen Ensembles entstehen, mit dem Claudio Abbado die Klassikwelt beeindrucken wird.