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21.05.2008

Aus Überzeugung

Aus Überzeugung

Der Klassikfan ex machina ist eher die Ausnahme. Musik will gefunden und erforscht werden, bevor sie wirklich geliebt werden kann und so gehört es zu den großen Herausforderungen der gegenwärtigen Kulturszene, Kinder und Jugendlichen einen Weg zu zeigen, der sie zu Qualität und einem Wissen führt, das ihnen die Welt der Klassik aufschließt. Denn es ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass die Sprösslinge von ihren Eltern ins Konzert oder in die Oper ausgeführt werden. Die multimediale Konkurrenz ist überall zu spüren und so ist es umso reizvoller, mit einer Reihe wie Der kleine Hörsaal andere und neue Richtungen der Vermittlung einzuschlagen. In der fünften Folge der bereits mit dem Echo Klassik prämierten Serie erklärt Katharina Wagner nun einem Kreis von interessierten Berliner Kids, was es denn mit der Oper überhaupt und "Hänsel und Gretel" im Speziellen auf sich hat. Eine Oper ist kein Mysterium, im Gegenteil. Sie ist in der Regel ein bis ins Detail geplantes Vexierspiel der Gefühle, in dem Sprache und Musik, Inhalt und Dramaturgie, Licht und Wirkung minutiös aufeinander abgestimmt sind.

Sie gehorcht einer über Jahrhunderte hinweg aufgebauten und kultivierten Formensprache, deren Kenntnis allerdings inzwischen mehr und mehr verloren zu gehen droht. Die Kinder, die sich im Berliner Studio zu der avancierten Talk-Runde "Der kleine Hörsaal" eingefunden haben, sind daher auch überrascht. Nimmt man sich Zeit, sind über den unmittelbaren Klangeindruck hinaus mit einem Mal Nuancen zu erleben, die man zunächst gar nicht wahrzunehmen scheint. Etwa ein Stimmungswechsel der Figuren, der sich vorsichtig im Changieren der Tonarten andeutet. Oder ein atmosphärisches Erfassen einer Landschaft, die der Komponist mit lautmalerischen Motiven nahe legt. Oder die Steigerung der Spannung, die spezielle Intervall-Kontraste, Instrumente, Tempi oder Modi andeuten. All das und noch viel mehr gibt es in Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" zu entdecken, jenem 1893 uraufgeführten Meisterwerk der musikalischen Verführung, das schon viele Novizen zur Oper gebracht hat.

Als Gesprächspartner der Kinder des "Kleinen Hörsaals" gesellt sich wie auch schon in den vier voran gegangenen Folgen, in denen sich Thomas Quasthoff der Stimme, Christian Thielemann dem Dirigieren, Hilary Hahn der Geige und Albrecht Mayer der Oboe widmeten, eine ausgewiesene Fachfrau in Fragen der Bühnengestaltung zu der Runde. Katharina Wagner, Tochter des Bayreuth-Patriarchen Wolfgang Wagner und gemeinsam mit ihrer Schwester Eva Wagner-Pasquier voraussichtlich zukünftige Chefin des Kulturbetriebs am Grünen Hügel, kann aus Erfahrungen schöpfen, die sie bereits selbst von Kinderbeinen an hat machen dürfen.

Und sie ist trotz allem überrascht über die Offenheit, mit der dem hochkulturellen Medium von den jungen Hörern aus begegnet wird: "Was ich aus den vergangenen Stunden gelernt habe," meinte Wagner kurz nach der Produktion im Interview, "ist unter anderem, dass man die junge Leute nicht unterschätzen sollte. Sie sehen vieles aus einem anderen Blickwinkel als die Älteren und so sind sogar viele aktuelle Inszenierungen gut für Kinder geeignet". So sie denn kompetent begleitet und kommentiert werden. Und in dieser Hinsicht ist die Reihe "Der kleine Hörsaal" und die brandneue Folge über "Hänsel und Gretel" eine probate Möglichkeit, auf zeitgemäße, überraschende und informative Weise zu einer neuen, wohlmöglich lebenslangen Passion zu finden.