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23.04.2008

Mozart global

Mozart global

Der Gedanke ist ebenso inspirierend wie irritierend: Mozart und Südafrika, typisch mitteleuropäische Hofkultur und die umfassenden Gesänge der Zulus in einem Projekt. Der österreichische Pianist Roland Guggenbichler und die Vokalisten Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Ramadu haben den Sprung in die musikkulturelle Zukunft gewagt und im Jahr des Jubiläums ihre beiderseits traditionellen Klangideen fusioniert. Heraus kam ein erfrischend unkonventionelles und zugleich ehrfurchtsvoll behutsames Konglomerat der Unterschiede, das sich im produktiven Kontakt zu einer neuen Form musikalischer Harmonie verband. Nun legt die Geschichte nicht eben eine friedliche Kooperation nahe. Der Volksstamm der Zulus lebt von jeher an der Südostspitze Afrikas. Heute eine ethnische Gruppe von mehr als sieben Millionen Menschen, waren sie zu Zeiten Mozarts noch kaum jemandem in Europa ein Begriff. Ihre Heimat war zwar von den Portugiesen "entdeckt" worden, wirklich okkupiert aber wurde das Land erst von den Buren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Es folgten Jahrzehnte blutiger Bürgerkriege, dann 1879 die Übernahme der Kolonialregierung durch die Briten, wieder einige Jahrzehnte später die offensive Ausgrenzung der Zulus durch die Apartheit-Politik Südafrikas. Europäische Kultur also war über lange Dekaden hinweg vor allem eine Kultur der Unterdrückung, die sich erst seit wenigen Jahren in eine neue Gelassenheit des gegenseitigen Kontakts verwandelt. Insofern ist auch ein Projekt wie MoZuluArt in vieler Hinsicht ein Novum und kann zugleich auf Traditionen zurückgreifen, die in eigenartigen Vernetzungen zusammenhängen.

Denn es gibt Verbindungen, indirekte und entfernte, aber es gibt sie. Zum Beispiel die Harmonien. Die Gesangssätze, die die Vokalisten Vusa Mkhaya Ndlovu, Blessings Nqo Nkomo und Ramadu verwenden, basieren auf südafrikanischer Kirchenmusik, die wiederum von den Kadenzen bis zu den Alterationen der Akkorde deutlich auf das europäische Vorbild zurückgehen. Sie ließen sich daher durchaus strukturell sinnvoll an die Klangmuster der Mozartschen Ära andocken und zu einer Mischung verbinden, die auch vom Hörempfinden her Sinn macht. Im Gegenzug wiederum erweist sich Mozarts Variationskunst als offen genug, um sich über die Mittler der improvisierenden Musik (Stichwort Abdullah Ibrahim, Keith Jarrett, die Guggenbichler inspiriert haben) mit afrikanischen Xhasas verbinden zu lassen. Die Texte wiederum sind mal spirituelle Lobpreisungen, mal direkte Bezugnahmen auf Werkthemen des Salzburgers. Spontaneität trifft auf Komponiertes, tritt in Dialog, übergreifend und wegweisend.

"Wir versuchen diese beiden Musikstile so miteinander zu verbinden, dass die Originalmelodien und -rhythmen möglichst erhalten und damit authentisch bleiben", erklärt Pianist Roland Guggenbichler das Konzept. "Musik hat es stets und allerorten geschafft, Menschen aller Rassen und Völker, mit all ihren verschiedenen kulturellen Hintergründen und Traditionen, einander näher zu bringen - und das ist auch heute noch so. Mit Hilfe der Musik lernen wir andere Kulturen überhaupt erst kennen, verstehen und lieben." Als daher im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250.Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart auch ungewöhnliche Projekte möglich wurden, kam es im Mai 2006 in der Wiener Arena und dem Radiokulturhaus zu den Bühnenbegegnungen zwischen den Sängern und Guggenbichler, stellenweise ergänzt um den Jazz-Flötisten Wolfgang Puschnig und die Wiener Sinfoniker, die die Grundlage der in jeder Hinsicht ungewöhnlichen CD-Produktion "MoZuluArt" wurden. Die Musiker selbst sprechen von einem großen Abenteuer und nicht nur der aufbrandende Applaus des Bonus-Tracks vom Wiener Rathausplatz "Bheka Kimi" dokumentiert, das hier etwas geschaffen wurde, was die Menschen bewegt.