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09.04.2008

Grande Dame des Soprans

Grande Dame des Soprans

Auch ein Journalist kann irren. "Mozart haben sie nicht so oft gesungen?", fragte der Klassikspezialist Thomas Voigt in einem Interview. Montserrat Caballé lächelte und antwortete mit einem schelmischen Blitzen in den Augen: "Nein, nicht oft. Nur 300 Mal!" Am 12. April nun feiert die spanische Primadonna, die zu den faszinierendsten Sängerinnen und erfolgreichsten Stimmkünstlerinnen der vergangenen Jahrzehnte gehört, ihren 75. Geburtstag. Zum Jubiläum haben die Programmverantwortlichen der Philharmonie Essen keine Mühen gescheut, um die katalanische Sopranistin zu einem Geburtstagsabend auf die Bühne ihres Hauses zu holen. KlassikAkzente präsentiert dazu noch einmal "Ein zärtliches Gefühl", das besondere Künster-Porträt von Montserrat Caballé

Am Sonntag, 20. April, wird es von 20 Uhr an im Alfred-Krupp-Saal in Essen zu einem historischen Musikevent kommen, von dem jetzt schon feststeht, dass es ein Fest für die Ohren werden wird. Montserrat Caballé gibt sich die Ehre mit Arien von Puccini, Massenet, Cherubini und Leoncavallo und sie hat mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von José Collado ein ausgezeichnetes und opernerfahrenes Orchester an ihrer Seite. Das ist große und zugleich populäre Kunst, ein Abend, den kein Opernliebhaber versäumen sollte.

Ihre Wurzeln hat Montserrat Caballé nie vergessen. Geboren 1933 in Barcelona in eine arme Arbeiterfamilie, aufgewachsen als Katalanin im Spanischen Bürgerkrieg und unter der Franco-Diktatur, schaffte sie den Sprung aus der scheinbar vorgegebenen Biografie heraus, indem sie sich auf die Kunst konzentrierte, zunächst am Liceo in ihrer Heimatstadt, dann am Konservatorium in Mailand. Begabt wie Caballé war, dauerte es nicht lange, bis sie 1956 am Stadttheater in Basel debütierte und von dort aus ihre Weltkarriere startete.Es gehörte viel Glück, Ehrgeiz und Können dazu, aber eben auch das Bewusstsein, sich niemals vom Ruhm verführen zu lassen: "Im täglichen Leben sind wir Sänger Arbeiter: Menschen, die das Glück haben, mit ihrer Arbeit sich selbst und anderen eine Freude zu machen", erzählt sie im Booklet zu "Ein zärtliches Gefühl" von ihrer künstlerischen Haltung.

"Es hat keinen Sinn, außerhalb der Bühne die Primadonna zu spielen, und ich versuche, wo immer es geht, Streit zu vermeiden. Ich bemühe mich, immer positiv zu denken. Wenn man aggressiv ist, wird man eines Tages davon aufgefressen - jede Aggression kommt zurück wie ein Bumerang. Genauso ist es umgekehrt: Alles Positive, das wir ausstrahlen, kommt zu uns zurück. Daran sollten wir denken, wann immer wir auf der Bühne stehen; es ist unsere Aufgabe, den Zuhörern etwas zu bieten, das sie von Stress und Angst befreit, das Frieden in ihre Seele bringt". Denn schließlich geht es um Kunst, um Schönheit, um Genuss.

Montserrat Caballé ist eine Potentatin der großen Empfindung und das ist ihr möglich, weil sie über ihre temperamentvolle Persönlichkeit hinaus entwaffnende Musikalität und eine verblüffende Technik bieten kann. Ihre Kollegin Birgit Nilsson, selbst eine große Stimme ihrer Generation, bemerkte einmal voller Erstaunen, dass es so schiene, als ob die Katalanin niemals atmen müsse. Und tatsächlich ist es genau dieser lange Atem, der ihr von Anfang an die Freiheit gab, zu singen, was ihr beliebt. Im Laufe eines halben Jahrhunderts war da eine Menge Unterschiedliches dabei. Mozart, vor allem in den frühen Jahren, das große französische Repertoire von Gounod über Bizet bis Charpentier und Massenet zum Beispiel.

Aber auch Belcanto war ihr nicht fremd, da sie nicht nur das lyrische, sondern auch den Link zum dramatischen Fach beherrscht.So finden sich auf "Ein zärtliches Gefühl" Arien von Rossini, Bellini, Donizetti, darüber hinaus aber auch Arien von Verdi, Puccini, Poncielli und Giordano. An Caballés Seite standen bei diesen überwiegend in den siebziger Jahren aufgenommenen Klassikern Kolleginnen wie Joan Sutherland, Janet Baker und Kollegen wie Luciano Pavarotti, José Carreras und Plácido Domingo, wiederum gerahmt von den großen Orchestern der Opernwelt unter der Leitung von Pultkoryphäen wie Zubin Mehta, Sir Colin Davis, James Levine und Riccardo Chailly. Das ist große Kunst mit reichlich Leben - wie man es von einer wahren Primadonna erwartet.

Geburtstagsgala mit Montserrat Caballé
20. April 2008, 20 Uhr
Philharmonie Essen