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12.12.2007

Die Böse und die Gute

Die Böse und die Gute

Seit Mitte November ist auch Stuttgart verzaubert. Denn nachdem das Musical "Wicked" zunächst den Broadway, dann auch die einschlägigen Bühnen in London und Tokio erobert hat, ist es inzwischen im Palladium-Theater angekommen und begeistert dort die Menschen in der deutschen Fassung. Am vergangenen Wochenende war es mit einer Kostprobe in Thomas Gottschalks TV-Show Wetten, dass... zu erleben und so wird es Zeit, hierzulande auch die Musik des hochgelobten Originals zu veröffentlichen. Denn "Wicked" gilt als bislang größter Wurf von Bühnen- und Soundtrack-Profi Stephen Schwartz ("Rags", "Pocachontas", "Geppetto") und kann es durchaus mit den Klassikern des Genres aufnehmen. 

Am Anfang standen eine berühmte Geschichte, ein Film und ein unzufriedener Autor. Anno 1900 hatte Lyman Frank Baum mehr durch Zufall als durch Berufung einen Bestseller geschrieben. Bislang weitgehend erfolglos als Literat und Bühnenautor, hatte der Sohn aus reichem Hause seine Gutenacht-Geschichten, die er seinen Kindern erzählte, unter dem Titel "The Wizard of Oz" zu einem Märchen zusammengefasst, das sich schnell zu einem Standardbuch der Kinderliteratur entwickelte. Als 1939 schließlich die Kino-Version mit Judy Garland als Dorothy, der Musik von Harold Arlen & E.Y. Harburg und der sensationellen Farbe von Technicolor erschien, war der Klassiker endgültig im Kanon der amerikanischen Kulturgeschichte etabliert.

Und doch blieben Unklarheiten in der Geschichte stehen, die manch einen zum Nachdenken bewegten. Gregory Maguire beispielsweise war nie zufrieden damit, dass die grüne böse Hexe einfach so ausradiert wurde, ohne dass eigentlich die Hintergründe bekannt wurden. So begann er, den Plot weiter zu spinnen und es entstand 1995 die Novelle "Wicked - The Life and Times of the Wicked Witch of the West" (im Frühjahr in deutscher Übersetzung bei Klett-Cotta). Maguire deutete die Geschichte ein wenig um und polarisierte sie auf zwei Frauenfiguren hin: Zum einen Elphaba, die grüne, allem Anschein nach böse Hexe, die aber im Kern nur versucht, alles richtig zu machen. Und Glinda, deren gutes Pendant in weiß, die als einzige das Geheimnis der Freundin kennt und nicht in den allgemeinen Jubel gegen das Böse einstimmt.

Das nun wiederum wurde von Stephen Schwartz für den Broadway adaptiert und quasi als Fortsetzung des berühmten Musikfilmvorgängers in Form eines Musicals auf die Bühne gebracht. Premiere von "Wicked" in New York war am 30. Oktober 2003 am Gershwin Theater, seitdem wurde das Werk mit zahlreichen Preisen, unter anderem drei Tony Awards 2004 ausgezeichnet. Es entwickelte sich zu einem der Kassenschlager, wurde in die Welt exportiert und hatte eben unlängst erst in der deutschen Version in Stuttgart (Texte: Michael Kunze & Ruth Deny) Premiere.

Tatsächlich hat bereits das Broadway-Musical alles, was das Musiktheaterherz entzückt: Großartige Stimmen und Schauspieler wie Kristin Chenoweth (Glinda), Idina Menzel (Elpheba) und den einst durch "Cabaret" berühmt gewordenen Joel Grey ("The Wonderful Wizard of Oz); eine Story, die genau die richtige Mischung aus Fantasy und Reality findet, schließlich reichlich Glamour, Bühnenpathos und Melodien, die einem nicht aus dem Kopf wollen. Pünktlich zum Bühnenstart in Stuttgart ist nun die mit einem Grammy als "Best Musical Show Album 2004" ausgezeichnete "Broadway Cast"-Version in Deutschland erschienen. Ein Muss für alle Freude von Hexen, Zauberern und guter Musik.