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21.11.2007

Rausch der Bilder, Fest der Töne

Rausch der Bilder, Fest der Töne

Man könnte sich auch eine Eintrittskarte kaufen. Aber wer kann es sich schon leisten für eine "La Traviata" an die Met zu fliegen? Und für viele Höhepunkte der Musik ist man auf die Dokumente angewiesen, die die großen Künstler hinterlassen haben. So ist es ein Segen für den Klassikfan, dass das Medium DVD inzwischen eine technische und gestalterische Reife erreicht hat, die den Aufführungen und Koryphäen der Musik gerecht wird. Vom opulenten Surround-Sound bis zur dramaturgisch perfekt eingesetzten Kamera werden auf diese Weise Klang- und Kunsterlebnisse möglich, die unter jeden Weihnachtsbaum passen. KlassikAkzente präsentiert sechs wunderbare Beispiele von sinfonischer Musik mit Herbert von Karajan über Anne Sophie Mutters Mozart-Box oder Guiseppe Verdis "La Traviata" bis hin zu Joseph Haydns "Die Schöpfung".

Kennt man Tschaikowsky, den Ballett-Komponisten, so mag einem Tschaikowsky, der Sinfoniker wie ein anderer Künstler erscheinen. Denn was beim einen leicht und verspielt erscheint, wirkt beim anderen mächtig und voller Pathos. Herbert von Karajan, selbst ein Maestro des bedeutungsvollen Klangs, hat sich daher während seiner Karriere als Dirigent in regelmäßigen Abständen dem russischen Janus der Melancholie angenommen und jedes Mal beim Publikum einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ähnlich wie Beethovens Verinnerlichung lag ihm Tschaikowskys beeindruckender Kampf mit der Gefühlswelt am Herzen, dener in nachdrücklicher Vehemenz in seiner Orchestersprache übersetzte.

Karajans Interpretationen aus den 1970ern Jahren der letzten drei Sinfonien gehören anerkanntermaßen zu den besten in der Aufführungsgeschichte dieser Werke. Die DVD-Produktion, die die Unitel gemeinsam mit dem Dirigenten und den Berliner Philharmonikern verwirklichte, dokumentierte den Maestro auf 35 mm Farbfilm und in Stereo und wird nun für die Neuedition erstmals im 5.1 DTS Surround Sound veröffentlicht. Die vierte Sinfonie wurde 1974 live in der Berliner Philharmonie aufgezeichnet, die anderen Einspielungen entstanden nach Karajans persönlichem, künstlerisch ausgereiftem Aufnahmekonzept. Eine Sensation, bis heute.

Das Mozart-Jahr war ein anhaltender Reigen der musikalischen Highlights. Die Geigerin Anne-Sophie Mutter wiederum war eine der ersten Künstlerinnen von internationalem Rang, die mit Blick auf das Jubiläum sich anhand von neuen Interpretationen mit dem Werk des Salzburger Komponisten beschäftigte. Die Aufnahmen der Violinkonzerte stellten einen der drei Pfeiler dar, auf denen ihre zeitgemäße Auseinandersetzung mit den kammermusikalischen und konzertanten Werken des Meisters des Wohlklangs aufbaute. Den zweiten präsentierte sie mit den drei Trios für Klavier, Geige und Cello K.502, K.542 und K.548, die sie gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Sir André Previn am Klavier und Daniel Müller-Schott am Cello im Mai 2005 in Baden-Baden aufgenommen hatte. Und als drittes Kapitel folgten die Violin-Sonaten, die Mutter zusammen mit ihrem langjährigen Klavier-Partner Lambert Orkis verwirklichte. Alle drei Teile des Mozarts-Projektes sind nun in einer Geschenk-Box zusammengefasst erschienen und dokumentieren nicht nur einen Karriere-Höhepunkt einer fantastischen Künstlerin, sondern auch den Kern von Mozarts Schaffen für Streichinstrumente auf oberstem Niveau. Ein Geschenk-Tipp für Anspruchsvolle.

Die New Yorker Metropolitan Opera ist bekannt für ihre üppig ausgestatteten Inszenierungen, von den Kostümen bis hin zur Besetzung der Rollen. Und das ist ganz besonders ein Vergnügen, wenn es sich dabei um die Flaggschiffe der Opernkultur handelt, wie etwa Verdis "La Traviata". Denn die Violetta ist eine ebenso dankbare wie herausfordernde Rolle, die man prächtig inszenieren kann. In der 1853 in Venedig uraufgeführten Oper thematisierte der Komponist die Geschichte einer Kurtisane, die die Lebenslust als Modell propagiert, und traf damit den Nerv seiner Ära. Natürlich musste Violetta im zeittypisch sich entwickelnden Rollenbild der femme fatale schlussendlich scheitern, machte aber zuvor eine erstaunliche Wendung vom Vamp zum Opfer der Verhältnisse durch.

Was an der Oberfläche moralisierte, wurde jedoch durch die Musik relativiert. Denn Verdi schrieb der vermeintlichen Sünderin derart betörende Melodien auf den Leib, dass seine Sympathien unmissverständlich klar wurden und bis heute berauschen. Vor allem dann, wenn eine Diva wie Teresa Stratas die Rolle singt. Von Kritikern hoch gelobt - "Umwerfend", meinte die New York Times - wurde "Traviata" aus dem Jahre 1982 zu einer der emotionalsten Interpretationen von Verdis Oper überhaupt. Unter der musikalischen Leitung von James Levine begleitete das Metropolitan Opera Orchestra Weltstars der Oper wie Plácido Domingo als Alfredo, Cornell MacNeil als Giorgio Germont und Teresa Stratas eben als Violetta. Ein Genuss!

Finster hingegen geht es in Verdis Adaption des "Macbeth" zu. Der Plot handelt von Leid und Verrat, und das braucht auch eine eigene, intensive Filmsprache. Die Linie der kinematographischen Umsetzungen reicht von Orson Welles über Akira Kurosawa bis Roman Polanski und Claude D'Annas knüpfte mit seinem Opernfilm daran an. Bei der Veröffentlichung des von den Spezialisten der Unitel betreuten Projektes im Jahr 1987 bekam er daraufhin viel Lob zugesprochen und die Besetzung der Rollen erwies sich als ebenso umsichtig wie balanciert.

Gefilmt wurde in Belgien, an Originalschauplätzen. Leo Nucci in der Titelrolle des Macbeth, Shirley Verrett als Lady Macbeth und nicht zuletzt Samuel Ramey, der dem Schauspieler Johan Leysen seine Stimme für die Rolle des Banco lieh, machen diese Opernverfilmung zu einem ganz besonderen Erlebnis. Denn als Grundlage diente der Soundtrack von Verdis "Macbeth" aus dem Teatro Communale di Bologna, eine Aufführung, die ihrerseits umjubelt wurde. Ergänzt um die Bonus-Dokumentation "Das Geheimnis vom Macbeth" kann man nun in die Besonderheiten der Figur ebenso wie der Produktion eintauchen - ein reizvolles Musikprojekt also für den neugierigen Hörer und Zuschauer.

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Wer Musik sucht, die sich im Speziellen der Weihnachtszeit widmet, der wird an "Christmas in Rome" seine Freude haben. Als Ort für die stimmungsvollen Aufnahmen diente Santa Maria Maggiore, ein Kirchenjuwel in der italienischen Metropole, und vor die Kameras und Mikrofone traten im Dezember 1992 zwei der international bekanntesten Dirigenten für Alte Musik: Paul McCreesh und Trevor Pinnock.

Gemeinsam mit ihren Ensembles und versierten Sängern boten sie ein in seiner Konsistenz und Konsequenz spektakuläres Konzertprojekt mit weihnachtlicher Musik von Palestrina, Josquin, Victoria, Corelli und anderen Komponisten der Renaissance und des Barocks. Zu den Highlights der Aufnahme gehören unter anderem Palestrinas "Weihnachtsmesse" und Vivaldis "Gloria", dargeboten auf historischen Instrumenten und präsentiert mit der Kompetenz von Ensembles, für die Originalität der Klangerscheinung zum persönlichen Anliegen gehört.

Seit drei Jahrzehnten bereits war Joseph Haydn der Fürstenfamilie Esterházy verpflichtet und er blieb es auch weiterhin, obwohl er als ein Star des Londoner Musiklebens nicht mehr davon abhängig gewesen wäre. Er hielt an der Stelle in Österreich fest, denn es hatte durchaus auch Vorteile, nicht in der Hektik der englischen Hauptstadt leben zu müssen. Der jüngste Fürst Esterházy, der im Unterschied zu seinen Vorgängern mehr an den bildenden Künsten als an Musik interessiert war, beauftragt Haydn in der Regel lediglich mit einer Messe pro Jahr, die am Namenstag seiner Frau Maria Hermenegild aufgeführt wurde.
Der Komponist nützte diese weitgehende künstlerische Freiheit, um an geistlichen Werken wie seinem Oratorium "Die Schöpfung" arbeiten zu können. Es wurde eines der machtvollsten geistlichen Werke der klassischen Epoche und reizte auch Christopher Hogwood, es mit seiner Academy of Ancient Music einzuspielen. Am 10. März 1990 gaben sich die Künstler in der Kathedrale von Gloucester die Ehre. Unter den Solisten fanden sich die Sopranistin Emma Kirkby, der Tenor Anthony Rolfe Johnson und der Bass Michael George. Gesungen wurde die englische Fassung des opulenten Werks, eine Sternstunde der spirituellen Musik, die nun erstmals in herausragender remasterter Bild- und Tonqualität veröffentlicht wird. Ein Schmuckstück jeder Sammlung.