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17.10.2007

Spiel mit dem Feuer

Spiel mit dem Feuer

Man kennt Ang Lee als kritischen Zeitgenossen. Im vergangenen Jahr wurde der taiwanesische Regisseur für sein Cowboydrama "Brokenback Mountain" mit einem Oscar ausgezeichnet und auch neuestes Werk "Gefahr und Begierde" ("Lust, Caution") hat gute Chancen, ganz vorn in der internationalen Konkurrenz mitzumischen. Es ist eine GeschichtW der in China hochverehrten Schriftstellerin Eileen Chang, eine gelungene Mixtur aus Verschwörung, realer Historie und emotionaler Fiktion. Und wie schon bei seinen vorangegangenen Filmen hat Lee großen Wert auf die musikalische Gestaltung gelegt. Kein Geringerer als der Golden Globe Preisträger Alexandre Desplat wurde für den Soundtrack verpflichtet - und hat die an ihn gestellten Erwartungen mehr als erfüllt.

Der Plot spielt Ende der dreißiger Jahre in Schanghai. China ist zum großen Teil von Japan okkupiert, ein Zustand, der von vielen Menschen vor Ort als untragbar empfunden wird. Der Fokus der Entwicklung führt schnell zu der jungen Studentin Wang Jiazhi (Wei Tang), die sich einer Theatergruppe anschließt, die mit politischen Aufführungen die ablehnenden Gefühle in der Bevölkerung unterstützen soll. Wie so oft schaffte es diese vorsichtige Form des Widerstandes aber nicht, irgendetwas tatsächlich zu bewirken. So werden die Studenten langsam ungeduldig und beginnen, sich zu radikalisieren. Immer öfter ist die Rede von bewaffneten Aktionen, die aber angesichts der japanischen militärischen Übermacht sehr gefährlich sind. Schließlich entschließen sich die Intellektuellen zur Tat und planen einen Anschlag. Ziel ist Herr Yi (Tony Leung), ein Kollaborateur, der seinen Nutzen aus den guten Beziehungen zu den Besatzern zieht und es bis zum Geheimdienstchef gebracht hat. Natürlich ist er streng bewacht, die einzige Chance, an ihn heran zu kommen, ist daher die Liebe. Und so soll Wang die bislang größte Rolle ihres Lebens spielen. Sie soll Yis geliebte werden, um das Attentat ausführen zu können. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. "Eileen Chang beschreibt die schauspielerische Kunst der Verstellung vor allem als etwas Brutales", meint Ang Lee zum Reiz, den das Thema auf ihn ausübt. "Ihre Charaktere gebrauchen oder missbrauchen die Camouflage dazu, ihre Feinde zu täuschen und ihre Beute in eine Falle zu locken. Aber die Mimikry hat daneben auch eine positive Seite. Sie bietet die Möglichkeit sich zu öffnen - in Richtung auf neue Erfahrungen, auf andere Menschen, auf einen höheren Sinn, auf die Kunst und die Wahrheit".
 
"Gefahr und Begierde" ist ein opulenten Werk: "Idealisten und Zyniker, Romantiker und Kriegsgewinnler sind es, die Ang Lee durch Hass und Liebe, Rache und Verrat, Leidenschaft und Loyalität jagt - und das alles vor dem mächtigen Hintergrund der chinesischen Geschichte. Offensichtlich wollte Lee nichts weniger schaffen als ein chinesisches 'Vom Winde verweht'", urteilt Thomas Winkler in seiner durchaus kritischen Besprechung bei Spiegel Online. Der Film lebt auch von den Atmosphären, den optischen wie den akustischen, die Lee zu kreieren versteht. Da wiederum spielt Alexandre Desplet eine wichtige Rolle. Denn seine Musikern, die sich zart, aber bestimmt, eingängig, aber nicht dominant um die Charaktere ranken, tragen maßgeblich dazu bei, dass der Film seine hypnotische Wirkung entwickeln kann. Desplat wiederum kann bereits auf viele erfolgreiche Soundtracks zurückblicken, angefangen mit "Das Leben: Eine Lüge" (1996) über "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (2003) bis hin zu Stephen Frears "Die Queen" (2006). Und so ist dem gebürtigen Franzosen, der international zu den meist gefragten Filmkomponisten gehört, auch diesmal ein orchestrales Meisterwerk gelungen, das souverän mit den Stimmungen spielt, ohne sich den Bildern unterzuordnen.