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10.10.2007

Die andere Weihnacht

Die andere Weihnacht

In den Siebzigern sah man ihn mit einem Mal ziemlich oft im deutschen Fernsehen. Herman van Veen wurde damals zum Lieblingsholländer hierzulande, auf einer Höhe mit Showmaster Rudi Carell. Schuld daran war unter anderem Alfred Biolek, der den charmanten Kabarettisten und Sänger aus Utrecht gemeinsam mit Thomas Woitkewitsch entdeckt und soweit als möglich gefördert hatte. Seitdem gehört van Veen zu den Konstanten des Showbusiness, einer von denen, der hinter aller Poesie die Wirklichkeit nicht vergisst und deren Schattenseiten auch anzuprangern versteht - wenn auch nicht mit Schärfe, sondern im subtilen Gewand seiner Lieder und Moderationen.


So ist klar, dass eine Weihnachtsgeschichte aus seiner Feder etwas anders verläuft, als man es gewohnt ist. Aber natürlich hat sie Charme: "Für die einen bedeutet Weihnachten Geschenke schleppen, singen unter einer Tanne, für andere ist es der Tag von Christus' Geburt", meint Herman van Veen im Vorwort zu "Lieber Himmel" und fährt fort: "Für mich ist es die Geschichte einer möglichen Naturerscheinung. Wann Gottes Sohn geboren wurde, jeder denkt darüber anders, was wir sicher wissen ist, dass viele so das Leben feiern und dass die meisten vor und an Weihnachten schweigen. Wird sind dann, wie Josef Brodsky sagt, alle mal eben Weise. Ungefähr zwei Monate radeln von hier liegt Nazareth, ein winziges Dorf in den Hügeln eines warmen Landes. Da lebte lange lange her Maria, eine junge Frau, die verliebt war in Zimmermann Josef. In einer Nacht kriegte Maria Besuch von einem Engel, der so durchsichtig war wie Glas, und der Engel gab Maria einen Traum, einen Traum von einem Baby. Josef war hoch erstaunt, als er hörte, dass Maria schon ein Kind im Bauch hatte, weil er nämlich gerade vorhatte, ihr eines zu machen. In Gedanken sah Joseph an der Front seines Arbeitsplatzes schon ein Schild hängen: - Josef und Sohn, Zimmerleute - Was aber wenn es ein Mädchen wird? ... So beginnt meine Weihnachtsgeschichte, die ich auf dieser Doppel-Weihnachts-CD gemeinsam mit Edith Leerkes singe und erzähle".
 Und natürlich passiert im Laufe der guten 90 Minuten eine Menge, was man nicht erwartet und was doch passen könnte. Schließlich ist der inzwischen 62-jährige Sänger, Schriftsteller und Bühnenstar ein Meister der poetischen Verkleidung des Alltags. Die Aufnahmen zu dem Live-Album jedenfalls entstanden im Dezember 2006 in der Berliner Passionskirche und führen den Poeten in 35 akustischen Kapiteln vom "Ich frag mich" bis zum "Adieu" und dazwischen einmal durch die Geschichten der stillen Zeit. Behutsam, aber pointiert von Gitarre und stellenweise der zweiten Stimme von Edith Leerkes begleitet, entsteht auf diese Weise eine kontemplative und humorvolle, nachdenkliche und schelmische, geistreiche und hintersinnige Hommage an eine Jahreszeit, in der die Menschen ein bisschen friedlichen sind als sonst, eine Stimmung, die Herman van Veen gerne über diese Wochen hinaus in die Welt tragen will. Mit Programmen wie "Lieber Himmel".