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10.10.2007
Pierre Boulez

Planeten und Sonnen

Pierre Boulez, Planeten und Sonnen

Für den 82-jährigen französischen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez ist Gustav Mahlers Werk längst zur Herzensangelegenheit geworden. Selbst ein versierter Klangzauberer, hat ihn während der vergangenen Jahre das Oeuvre des österreichischen Vorgängers in regelmäßigen Abständen begleitet. Nun bekam er die Möglichkeit mit der "Sinfonie der Tausend", der achten in Mahlers Werk-Zählung, seine Aufnahmen mit dessen Orchestervisionen zu komplettieren. Und wie erhofft wurde es ein gewaltiges Fest der Klänge.

Pierre Boulez hatte sehr früh schon in seiner Karriere ein Gespür für komplexe Farbdramaturgie musikalischer Werke und das hing auch mit den Stationen seiner Laufbahn zusammen. Der erste Job als Leiter der Compagnie Renaud-Barrault beispielsweise brachte ihn mit der Bühnenmusik zusammen, 1954 gründete er seine erste Konzertreihe für neue Musik "Concerts du Petit Marigny / Domaine Musicale", im Jahr darauf gelang ihm mit "Le Marteau Sans Maître" der internationale Durchbruch als Komponist, der beinahe gleichzeitig mit dem Erfolg als Dirigent einher ging. Seitdem gehört Pierre Boulez zu den wichtigsten und prägenden Gestalten des zeitgenössischen Musikgeschehens. Im Laufe seiner Entwicklung als Komponist dun Dirigent ist er immer wieder auf Widerspruch gestoßen, schon weil er sich keinen Moden fügen wollte, sondern nur seiner eigenen Vorstellung von musikalischer Kraft folgte. Und die gründete auf besonderen Ansprüchen an die Qualität der Darstellung, ganz gleich ob er als Gründer des Ensemble Intercontemporain der Neuen Musik ein passendes Forum schuf oder ob er als Leiter des Institut de Recherche et de Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) im Pariser Centre Pompidou dem Nachwuchs auf den Weg half. Sein Ruf als Dirigent ist bei den namhaften Orchestern der Gegenwart unbestritten, mit immerhin rund zwei  Dutzend Grammys und zahlreichen weiteren Preisen wurde er bislang ausgezeichnet.
 
So erscheint die Verbindung von Pierre Boulez und Gustav Mahler immer ein wenig wie eine Grundlagenarbeit. Schließlich ist der eine einer der Klangfarbenprofis der Gegenwart, so wie der andere mit seinen opulenten Werken erst die Grundlage für das heutige Hör- und Interpretationsverständnis sinfonischer Musik schuf. Umso spannender ist es mitzuerleben, wenn sich Boulez einem Meisterstück annimmt, von dem der Komponist selbst meinte, es sei das beste, was ihm bis dato gelungen sei. Die Rede ist von der "8.Sinfonie", fertig gestellt im Sommer 1906, uraufgeführt am 12.September 1910 in München unter der Leitung von Mahler selbst: "Es ist das Größte, was ich bis jetzt gemacht habe, und so eigenartig in Inhalt und Form, dass sich gar nichts darüber schreiben lässt.  Denken sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen", kommentierte der Komponist das Werk, das den Beinamen "Sinfonie der Tausend" bekam. Pierre Boulez vervollständigt nun mit seiner Interpretation des Meisterstücks, die im April 2007 in der Berliner Jesus-Christus-Kirche mit der Staatskapelle Berlin, unter anderem dem Chor der Staatsoper Berlin und Solisten wie der Sopranistin Twyla Robinson und dem Bariton Hanno Müller-Brachmann entstand, seinen über Jahre hinweg verwirklichten Mahler-Zyklus für die Deutsche Grammophon. Ein großes Werk, der hoch gelobten sinfonischen Gesamtaufnahme des Mahler-Werkes würdig.