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10.10.2007
Kim Kashkashian

Die Macht des Understatements

Kim Kashkashian, Die Macht des Understatements

Kim Kashkashian und Robert Levin trafen sich zum ersten Mal vor rund drei Jahrzehnten zusammen auf der Bühne. Seit dieser Zeit haben die Bratschistin und der Pianist jeder für sich eine internationale Karriere eingeschlagen, die sie zu zentralen Persönlichkeiten ihres jeweiligen Genres werden ließen. Unabhängig von den solistischen Aktivitäten jedoch taten sie sich regelmäßig zusammen, um gemeinsam das Duo-Repertoire für ihre Instrumente zu erforschen. Im Laufe der Jahre gehörten Kompositionen von Britten und Hindemith ebenso zum Programm wie von Liszt, Brahms und Schostakowitsch.

Mit "Asturiana - Songs for Spain and Argentina" gehen sie nun zurück zu ihren Wurzeln, zu Liedern, die aus dem Volk stammten und von Komponisten des spanischen und südamerikanischen Kulturraums adaptiert wurden. Mit ein wenig Nostalgie denkt Kim Kashkashian an ihre Anfänge, die eng mit dem Lied in seiner ursprünglichen Form verbunden sind: "Eine meiner frühesten und liebsten Erinnerungen ist die an meines Vaters Singstimme. Er sang mit Hingabe, Begeisterung und einer allumfassenden Liebe, die seinen Zuhörern - ob es seine Kinder waren, ein Stein im Garten oder seine Schüler - entgegenströmte. Ich bin sicher, dass meine ersten Versuche im Alter von neun Jahren, meine Geige zum Klingen zu bringen, wie auch all meine späteren Versuche bis in die heutige Zeit, einen Ton zu erzeugen, aus dem unwiderstehlichen Drang entstanden, ihm zu folgen. Der volle Ton seines Baritons, die Reinheit und Ausdrucksstärke, mit denen er unsere armenischen Volkslieder sang, bleiben für mich der Inbegriff für Wesen und Aufgabe der Musik. So begann meine beständige Faszination für den Gesang - und die damit verbundene Herausforderung, ein Streichinstrument dahin zu bringen, eine  noch so kleinen Teil der melodischen und emotionalen Möglichkeiten, die einer Stimme innewohnen, zum Ausdruck zu bringen". Die Auswahl unterschiedlicher Adaptionen volksmusikalischer Weisen durch Komponisten von der Jahrhundertwende zum 20.Jahrhundert bis zur Gegenwart aus dem spanischsprachigen Kulturraum, die die Bratschistin zusammen mit Robert Levin verwirklicht hat, folgt nun genau diesem Credo der Unmittelbarkeit und Gefühlsintensität. Das Spektrum reicht von Manuel de Falla bis Carlos Gustavino, von Spanien bis Argentinien und von der sympathetischen Aneignung bis zur akkulturierten Bearbeitung.
 
Dabei liegt die zweite Herausforderung vor allem in der passenden Auswahl und Balance der Stücke, die Levin folgendermaßen umschreibt: "Diese lebendigen Stücke - abwechselnd hemmungslos prachtvoll, sinnlich, ungestüm, zärtlich, leidenschaftlich, besinnlich - haben sofort unsere Fantasie wie auch unser Gefühl gefesselt. Jeder dieser so unterschiedlichen Komponisten hat ein untrügliches Gespür für das Erlesene, das die Lieder über das Gefällige hinaus in etwas Unbeschreibliches verwandelt. Sie sind Autoren, die nicht nur die Macht der Extravaganz kennen, sondern auch die des Unterstatements: die unzähligen feinen Details in den Begleitungen tragen leise und fast unmerklich zu unserem Entzücken und zu unserer Rührung bei. Ein vollkommenes Lied enthält ebenso viel Kunst wie eine ganze Oper - und viel weniger Platz für den kleinsten Fehltritt". So gingen die Künstler, die beide selbst längst als Professoren in Boston bzw. Harvard lehren, im August 2006 mit besonderer Aufmerksamkeit ins Studio des Züricher Radio DRS, um "Asturiana" einzuspielen. Und es entstanden fein schillernde Hörjuwelen mit dem Charme der klassischen Erfahrung auf der Basis der kompositorischen Authentizität.



Kim Kashkashian und Robert Levin präsentieren am 20. Oktober ihr neues Album "Asturian - Songs From Spain And Argentina" im Berliner "Radialsystem". Lesen Sie mehr