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12.09.2007

Musik von ferne, so nah

Valentin Silvestrov, Musik von ferne, so nah

Am 30.September feiert der ukrainische Komponist und Pianist Valentin Silvestrov seinen 70.Geburtstag. Seine langjährige Plattenfirm ECM New Series nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um mit "Bagatellen und Serenaden" ein faszinierend introvertiertes Album zu veröffentlichen, das die mehr als vier Dekaden umfassende musikalische Laufbahn Silvestrovs anhand von ausgewählten Werkbeispielen der vergangenen elf Jahre skizziert. Es entstand ein Hörbild voller musikalischer Intimität, das einmal mehr die Bedeutung des Komponisten für die Klangkultur der Gegenwart dokumentiert.

Im Februar 2006 lud die Münchner Pinakothek der Moderne zu einem Abend, der ausschließlich dem Komponisten Valentin Silvestrov gewidmet war. Auf der Bühne standen nicht nur das hervorragende Münchner Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Poppen, sondern auch die Cellistin Anja Lechner, der Pianist Alexei Lubimov und der Komponist war persönlich zugegen. Die Aufnahmegeräte liefen mit und so konnte ein Moment der musikalischen Konzentration festgehalten werden, von dem der Rezensent der Süddeutschen Zeitung meinte: "Allen Stücken gemeinsam ist dabei die Affinität zum Pianissimo und deshalb wurden auch die Interpreten nach ihrer Kompetenz für leise Töne ausgewählt. Der Pianist Alexei Lubimov tupft etwa die frühen, noch deutlich postexpressionistischen 'Fünf Stücke' behutsam auf das Klavier, so leise, dass selbst die dezente Lüftung des Hauses noch stört. Das Münchner Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Poppen nähert sich betörend sanft und fragil den Walzer- und Serenadenklängen der "Stillen Musik", die Cellistin Anja Lechner kommuniziert mit wohlportionierter Emphase mal mit den Tamtams der "Elegie", mal mit den lautmalerischen Klaviertönen und Motivfragmenten der Cellosonate. Geschickt ausgewählt entsteht auf diese Weise das Bild eines Komponisten, dem es gelingt, Vielfalt in kleine Formen zu gießen und sie anhand von vorhandenen Klanginventarien schlüssig und vor allem angenehm zu gestalten. Und das hat durchaus etwas von Avantgarde".
 
Tatsächlich ist Valentin Silvestrov eine Ausnahmegestalt der internationalen Musikszene. Geboren 1937 in der Ukraine, lernte er erste musikalische Grundlagen an der musikalischen Abendschule in Kiev kennen, bevor er sich auf ein Studium von Komposition, Kontrapunkt und Harmonielehre am Tschaikowski-Konservatoirum der Stadt einließ. Anfang der Sechziger fand Silvestrov zunächst an Methoden der Dodekaphik Gefallen, modifizierte sie aber nach eigenen Maßgaben und avancierte auf diese Weise zu einem der führenden Komponisten der so genannten Kiever Avantgarde. Man spielte ihn in den Sechzigern auch im kapitalistischen Ausland, vor allem in Darmstadt oder auch durch Aufführungen unter der Leitung von Pierre Boulez wurde die westliche Welt auf ihn aufmerksam. Silvestrov selbst allerdings entfernte sich wieder von den experimentellen Mustern und suchte seit den siebziger Jahren den Sinn seiner Musik in der Reduktion, der Beschränkung auf das Wesentliche. Insofern ist es nur konsequent, dass das Album, mit dem ihm ECM New Series zu seinem siebzigsten Geburtstag gratuliert, mit ebensolchen Miniaturen des Essentiellen beginnt und abgerundet wird. Denn die "Bagatellen I-XIII", vom Komponisten selbst in der Münchner Himmelfahrtskirche als persönliche Meditation während der Proben zum Komponistenportrait gespielt und vorausschauend von ECM-Chef Manfred Eicher für die Nachwelt festgehalten, sind ein weiteres Beispiel für die Kunst der Zartheit, der Konzentration auf das, was das Innenleben des Klangs ausmacht.