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05.09.2007

Auf den Flügeln der Musik

Auf den Flügeln der Musik

Das Klavier ist immer wieder für Überraschungen gut. Da möchte man meinen, dass angesichts von genialen Künstlern wie Svjatoslav Richter, Friedrich Gulda oder Arturo Benedetti Michelangeli die Möglichkeiten des Schlachtrosses der Konzertsäle längst ausgereizt seien. Aber nein, mit einem Mal erscheinen junge Koryphäen auf der Bildfläche, die wie der Chinese Lang Lang oder der Pole Rafał Blechaz das gewohnte Bild revidieren und die Karten der Virtuosität und Kreativität neu mischen. So ist der Ausblick ungemein spannend, mit dem die Zusammenstellung "Grand Piano" an die aktuellen Klavieraufnahmen der gegenwärtigen und kommenden Wochen dieser Saison heranführt. Ein famoses Entrée für Feinhörer und Freunde des schönen Klangs.

Auf der einen Seite hat es die Legenden. Svjatoslav Richter zum Beispiel. Er war der Charismatiker und unvergleichlich verschmitzte Interpret eines Repertoires, das quer durch die Jahrhunderte reichte und von ihm mit einer unvergleichlichen Mischung aus Impulsivität, Überschwang und Skepsis der musikalische Behandlung unterzogen wurde. Richters Aufnahmen gelten längst als Kultobjekte, so wie auch seine zumeist kurzfristig anberaumten Auftritte der späteren Jahre oft nur den wirklichen Fans bekannt wurden. Jedenfalls hat er tiefe Spuren im Musikleben des vergangenen Jahrhunderts hinterlassen und die aus Anlass seines 10. Todestages gestartete Reihe "The Master" mit 11 Doppel-CDs ist auf dem Sampler "Grand Piano" mit einem Satz aus der Schubert "Sonate D 575" vertreten.

Einen ähnlichen Status der Verehrung genossen auch seine Kollegen Friedrich Gulda und Arturo Benedetti Michelangeli. Sie tragen mit einem Auszug aus den nun komplett fertig gestellten "Mozart Tapes" auf der einen und Chopins "Mazurka op.33" auf der anderen Seite zur historischen Facette der Zusammenstellung bei. Natürlich ist auch Martha Argerich, eine der wenigen Pianistinnen, die einst bei Gulda Unterricht nehmen durfte, mit dabei und rundet mit der bereits berühmten Aufnahme von Prokofieffs "Toccata op.11" aus der Reihe "Steinway Legends" die Sammlerstücke ab. Und nicht zu vergessen der Meister der Behutsamkeit und des intrinsischen Flows Alfred Brendel, der mit einem Satz aus der "Klaviersonate KV 330" beweist, dass man Mozart noch immer neu erfinden kann
 
Aber auch die Jungen liegen gut im Rennen. Der zur Zeit bevorzugte Komponist scheint Ludwig van Beethoven zu sein, so sehr, dass man schon beinahe von einem Trend sprechen könnte, auch wenn dessen Werke nie aus der Mode gekommen sind. Mikhail Pletnev etwa hat sich zusammen mit  Christian Gansch und dem Russian National Orchestra der Klavierkonzerte angenommen und präsentiert sich als nachdenklich lyrischer Interpret mit dem "Andante" aus dem "Konzert Nr.4". Kollege und Weltstar Lang Lang wiederum brilliert mit jugendlicher Frische, rasanter Verve und dem "Rondo" aus dem "Konzert Nr.1".

Hélène Grimaud hingegen hat sich zwar auf einem eigenen Album dem fünften Klavierkonzert gewidmet, präsentiert auf der Compilation "Grand Piano" aber ihren zweiten Schwerpunkt, nämlich einen Satz aus der "Sonate Nr.28", die ihrerseits zu den herausfordernden, weil den Paradigmenwechsel zum späten Sonatenschaffen einleitenden Stücken gehört. Bleiben noch die Romantikerin Maria João Pires mit einem Schubert-Impromptu aus dem Nachlass des Komponisten, außerdem Jean-Yves Thibaudet mit einer Hommage an die Kraft der Stimme in Form der Transkription eine Tosca-Arie von Puccini und der eigentlich Aufsteiger der kommenden Monate. Denn der gerade 22-jährige Pole und strahlende Gewinner des Warschauer Chopin-Wettbewerbes 2005 Rafał Blechaz hat sich der großen Künstlerfamilie der Deutschen Grammophon angeschlossen und stellt vorab zwei Kostproben seines Könnens aus den "24 Préludes op. 28" von Chopin vor. Da kann man gespannt sein auf einen glorreichen Klavierherbst, der sich mit der preiswerten, geschmackvollen Zusammenstellung "Grand Piano" eindrucksvoll ankündigt.