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29.08.2007

Ein Fest des reinen Klangs

Ein Fest des reinen Klangs

Es ist ein klar eingegrenzter Begriff. "Belcanto" steht für eine Form des Gesang, der bereits während des Barocks in Mode kam und es bis etwa Mitte des 19.Jahrhunderts blieb, und bezeichnet die Kunst, allein durch die Stimme und deren Schönheit die Menschen beeindrucken zu können. Komponisten wie Rossini, Donizetti, Bellini haben die Hauptwerke des "Belcantos" geschrieben, bis der Verismo eines Verdi oder Puccini die alten Ideale abzulösen begann. Und so ist eine Zusammenstellung wie "Una Furtiva Lagrima" eine Sammlung der schönsten Melodien, die die Glanzphase der italienischen Oper zu bieten hat und damit zugleich einer der Höhepunkte der Focus Edition 400 Jahre Oper.

Schönheit ist vor allem auch eine Frage der Technik. Wer während des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts schön singen wollte, musste verschiedene besondere vokale Kennzeichen aufweisen. Seine Stimme musste rein im Ton sein, das Legato musste gleichmäßig fließen können, die dynamische Bandbreite musste groß sein und ebenso die Befähigung zur korrekten Ausführung der zahlreichen Verzierungen. Zumeist konnten so etwas nur die Kastraten, deren stimmlichen Klarheit mit Hilfe eines medizinischen Eingriffs künstlich erhalten blieb, sieht man mal von Ausnahmetalenten wie Giovanni Battista Rubini ab. Sie waren denn auch die Stars der Oper, wurden gefeiert wie heutzutage die Popkollegen und waren außerdem die Adressaten bestimmter Rollen, die ihnen von den Komponisten auf den Leib geschrieben wurden. Das hatte wiederum mit der gängigen Aufführungspraxis diese Jahre zu tun. Opern wurden in der Regel von Impressarios veranstaltet, die auf ihr Risiko hin die Theater mieteten, neue Werke bestellten und für Besetzung und Ausstattung sorgten. Da war es klar, dass sie sich hauptsächlich auf die sicheren Publikumslieblinge verließen, effektvolle Werke und Melodien forderten, die die Menschen rühren und begeistern sollten. Die Komponisten wiederum wussten häufig für welche Künstler sie schrieben und nützten deren stimmliche Qualitäten gezielt für ihre Werke.

Das funktionierte solange, wie zum einen das Bedürfnis nach schöner, aber weitgehend unpolitischer Unterhaltung vorherrschte und zum anderen die vergleichsweise kleinen Opernhäuser die Belcanto-Arien mit ihren feinen Ornamenten und Abstufungen ermöglichten. Als Mitte den 19.Jahrhunderts jedoch zum einen die europaweite Nationalbewegung auch die Bühnen erfasste und neue Botschaften, soziale Themen oder auch mythischen Heroismus in den Mittelpunkt stellte, als darüber hinaus die Häuser immer größer wurden, ging auch die Blütezeit des Belcantos zu Ende. Bis zu diesem Zeitpunkt allerdings waren bereits einige der schönten Opern entstanden, die das Repertoire bis heute kennt. Und so liest sich die Zusammenstellung der siebten Folge der Doppel-CD Reihe Focus Edition 400 Jahre Oper " Una Furtiva Lagrima" auch wie ein Hit-Brevier der Meisterwerke. Denn die Arien stammen unter anderem aus "Il Barbiere di Siviglia", "L'Italiana in Algeri" und "La Cenerentola" von Giacchino Rossini, aus "L'Elisir d'Amore", "Lucia di Lammermoor", "Don Pasquale" und "Maria Stuarda" von Gaetano Donizetti und "Norma", "I Puritani" und "La Sonnambula" von Vincenzo Bellini.

Ebenso betörend ist die Riege der Stars, die während der vergangenen Jahrzehnte dazu beigetragen hat, den Belcanto wieder populär zu machen und inzwischen zu einer neuen, jungen und famosen Sängergeneration geführt hat. Mit dabei sind Dame Joan Sutherland, Marilyn Horne, Edita Gruberova, Cecilia Bartoli, Renée Fleming, Anna Netrebko und Nicole Cabell ebenso wie Luciano Pavarotti, Plácido Domingo, Herrmann Prey, Juan Diego Flórez und Joseph Calleja. Begleitet werden sie von den erfahrenen Orchestern der großen Häuser von Wien über London bis New York und so ist eine Kompilation mit Highlights entstanden, deren Schönheit nicht vergeht.